…was zu benennen ist: Antiromaismus.

In folgendem Text soll versucht werden zusammenzutragen, welche Argumente für einen emanzipatorischen Begriff, welcher die Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung von (Sinti und) Roma und weitere (so z.B. als Z Wort stigmatisierte Menschen) beschreibt, angeführt werden. Dabei kann selbstverständlich eine Kritik am „Antiziganismus“-Begriff (nachfolgend kurz AZ, außer in Zitaten) und seinen Befürworter_innen nicht ausbleiben. Die Frage der „Wissenschaftlichkeit“ stellt sich für den Autor dieses Textes weniger, es geht hier vielmehr um das Hinterfragen eines politischen Begriffs. Die Kritik soll auf der anderen Seite nicht beim „Antiromaismus“-Begriff stehen bleiben, sondern auch seine Grenzen und möglichen Defizite aufzeigen.Dabei wird auch ein kurzer Exkurs nach Tschechien unternommen um einen möglichen Vergleich ziehen zu können. Alles in allem würde sich der Autor einen Dialog der unterschiedlichen Akteur_innen der Debatte auf Augenhöhe wünschen. Denn es geht hier auch um Respekt gegenüber Menschen, die u.a. in der Zeit des NS Mitglieder ihrer Familie verloren haben und tagtäglich etwaigen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Genau diese Erfahrungen sind es, die nach wie vor die Menschen trennen, und es zeugt auch von einer Geste der Menschlichkeit, diese Verletzungen zu respektieren, darauf (auch gerade in der eigenen Arbeit) einzugehen und sie zu berücksichtigen. Gerade die s.g. Wissenschaft und der unerschütterliche Glaube daran haben in den letzten hundert Jahren einen wesentlichen Anteil an der Verfolgung und Vernichtung hunderttausender Menschen, die sich selber als Sinti und Roma, Kale, Kalderaš, Gopti, Lombardi, Gurbeti oder anders bezeichnen, gehabt.

Einleitung

Als Grundlage für die Beschäftigung mit dem Für und Wider des AZ- bzw. Antiromaismus-Begriffs werden zunächst, durchaus länger als üblich, einige Zitate von Autor_innen vorangestellt. Dies soll in der Debatte nützlich sein und eine gemeinsame Grundlage für die Diskussion darstellen.
Im Jahr 1996 schreibt Herbert Heuß, bis 1992 Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationszentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg:

„Der in jüngster Zeit versuchten Einführung eines dem Antisemitismus-Begriff analogen Begriffs Antiziganismus zur Bezeichnung von systematischen Vorurteilen gegenüber Sinti/Roma wird hier nicht gefolgt. Antisemitismus wurde als politischer Kampfbegriff eingeführt, um Judenfeindschaft, Judenhaß einen Anschein von Objektivität zu geben. Vor allen Dingen aber erscheint die Übernahme eines solchen – scheinbar abgeklärten – Begriffs wie Antiziganismus durch einzelne Vertreter der Sinti/Roma selbst geradezu als eine prospektive Fixierung auf einen Status als Opfer. Es sollte kein Zweifel daran bestehen, daß die Institutionen der Mehrheitsgesellschaft auf ein solches ohne weiteres angemessen zu reagieren wissen. Auch die Frage nach dem Gegenstück des Antiziganismus bleibt, wie beim Antisemitismus, ohne Antwort. So wenig es einen Semitismus gibt, so wenig gibt es einen Ziganismus – es sei denn, die Sinti/Roma in Deutschland stellen ihre eigene Identität als deutsche Volksgruppe, nationale Minderheit, europäische Minderheit oder wie auch immer bestimmt, jenem Antitsiganismus [sic! RS im Original, A.d.V.] gegenüber. Das bedeutet aber, daß das Selbstbild, die eigene Identität, permanent und primär über ein von der Mehrheitsgesellschaft negatives Bild vom <Zigeuner> bestimmt wird, und sei es nur in dem (vergeblichen) Versuch, dieses Bild vom <Zigeuner> zu korrigieren oder ihm die Wahrnehmung als Sinti/Roma entgegenzustellen.“

(Heuß: 1996, Seite 110)

Etwa zur gleichen Zeit spricht Katrin Reemtsma1 in ihrer zum Klassiker gewordenen Einführung „Sinti und Roma – Geschichte, Kultur, Gegenwart“ von „Romaphobie“ und bezieht sich dabei in der Fußnote 18 des vorletzten Kapitels im Abschnitt IV auf einen Artikel im Spiegel vom 26.10.1992. Wenige Zeilen später nennt sie die „Vorurteilsstrukturen gegenüber Sinti und Roma“ (Reemtsma: 1996, Seite 193, Fußnote 21) „<Zigeuner>-Ressentiment“ (Reemtsma: 1996, Seite 172) und folgt somit in ihren Ausführungen Freudenberg/Freudenberg/Heuß (1992, Seite 58).
Die genannten Autor_innen führen bereits 1992 den Begriff des „<Zigeuner>-Ressentiments“ ein und begründen dies wie folgt:

„Dieser Begriff wird hier eingeführt zur Kennzeichnung des vorurteilsvollen Fremdbildes, des in der Kultur der Mehrheitsbevölkerung historisch tief verwurzelten Mythos, den man bis heute auf Sinti und Roma projiziert.“

(Freudenberg/Freudenberg/Heuß: 1992, Seite 52 ff. Fußnote 10)

In einer Teilüberschrift schreiben sie von „[historischen] Ressentiments gegen Sinti und Roma“ (Freudenberg/Freudenberg/Heuß: 1992, Seite 57) und bringen es damit auf den Punkt, betonen auf der anderen Seite aber die spezifische Komponente der Vorurteilsstruktur gegenüber Sinti und Roma, indem sie auf die spezifische Wirkungsweise der Konstruktion des Z Worts eingehen und dies scheinbar auch begrifflich umgesetzt sehen wollen.

Wie bereits im Artikel „<Z Wort> – sprachliche Reproduktion alter Stereotypen?“ erwähnt, äußert sich Susan Arndt zum eingangs thematisierten Begriff wie folgt:

„Das <Zi.>-Wort – <Zi.> statt <Z>, weil diese Menschen unter den Nazis mit einem <Z> gekennzeichnet wurden – stellt keine Eigenbezeichnung dar und trägt weder linguistisch, kulturell, religiös noch geographisch dazu bei, menschliche Gesellschaften sinnvoll zu klassifizieren. Indem der Begriff <Antiziganismus> dieses rassistische Wort in sein Zentrum stellt, suggeriert er, dass es diese Menschen überhaupt gäbe. […] Tatsächlich handelt es sich nicht um eine beliebige, sondern eine rassistische Feindseligkeit, die sich im Verbund mit exotisierenden Konstruktionen historisch entwickelte.“

(Arndt: 2012, Seite 27)

Daraus schlussfolgert sie weiter unten etwas unscharf:

„Es ist möglich diesen Rassismus als Antiziganismus zu beschreiben. Es geht aber nicht allein um Feindseligkeit noch gibt es überhaupt <Zi.>. Deshalb wird auch alternativ von <ziganistischem Rassismus> [sic!] gesprochen, um deutlich zu machen, dass schon der <Zi.> eine diskriminierende Erfindung darstellt.“

(Arndt: 2012, Seite 28; Vgl. auch Seite 84).

Bereits 2008 schlagen Lorenz Aggermann, Eduard Freudmann und Can Gülcü in „Beograd Gazela. Reiseführer in eine Elendssiedlung“, den Begriff Antiromaismus vor. In ihrem Glossar auf Seite 200 heißt es unter „Antiromaismus“:

„Reicht von Vorurteilen gegenüber Roma über offene Ablehnung, Ausgrenzung und Vertreibung bis hin zur massiven Verfolgung und zum Völkermord. Unter Antiromaismus fällt allerdings nicht nur die Diskriminierung und Dämonisierung der Minderheit, sondern auch die weitverbreitete Verklärung des >lustigen Zigeunerlebens<. Da es widersinnig erscheint, bei einem Wort, das die Diskriminierung von Roma beschreibt, auf einen Begriff zurückzugreifen, welcher sich von der diskriminierenden Bezeichnung >Zigeuner< ableitet, wird in diesem Buch Antiromaismus statt des gängigen Begriffs Antiziganismus verwendet.“

(Aggermann/Freudmann/Gülcü: 2008, Seite 200)

In der deutschen Übersetzung respektive Zusammenfassung des Aufsatzes „Die Auseinandersetzung um den Antiromaismus…“ (Original: Contention of antiromaism as a part of the process of Decoloniality of Europe, aus: Reartikulacija: 7/2009, Ljubljana, Slovenia) folgt Ivana Marjanović 2009 dieser Ansicht und trägt den Begriff als Erste in einer (deutschsprachigen) Textüberschrift (Kulturrisse 04/2009 online: http://kulturrisse.at/ausgaben/042009/kosmopolitiken/die-auseinandersetzung-um-den-antiromaismus-.. Zugriff 14.5.2014, 20:30 Uhr; Englisches Original: http://eduardfreudmann.com/wp-content/uploads/texte/Marjanovic_ContentionOfAntiromaism.pdf Zugriff 14.5.2014, 20:30 Uhr).

Erneut taucht der Antiromaismus Begriff bei ihrem gemeinsamen Aufsatz mit Eduard Freudmann „Uglyville – A Contention of Anti-Romaism in Europe“ (2011, Seite 139 bis 151) auf und scheint sich somit gewissermaßen behauptet zu haben.

Fragestellung

Die Frage lautet daher, warum am „AZ“-Begriff weiterhin festgehalten werden soll, gleichwohl genügend Gründe gegen diesen Begriff angeführt werden können. Zwar kann der Autor weitgehend den Ausführungen von Roswitha Scholz (2007) und Wolfgang Wippermann (1997/2005) folgen, welche im Rassismus gegen (Sinti und)2 Roma ein gleich dem Antisemitismus innewohnendes Spezifikum sehen. Dies kann hier aber leider nicht weiter ausgeführt werden (Vgl. dazu die Aufsätze/Monographien in der Bibliographie). Warum der „AZ“-Begriff auf Ablehnung stößt, wird weiter unten zu zeigen sein. Dass jedoch am Begriff Zweifel bestehen, zeigen auf der anderen Seite auch Internetsuchmaschinenanfragen im Stile von „antiziganismus rassistischer begriff“ oder „problematischer begriff antiziganismus“  die als Top-Suchen auf unserem Blog http://www.ecoleusti.wordpress.com wiederkehrend auftauchen.

Geschichte des Begriffs

Auf die Etymologie des Z Wortes soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Das lässt sich in verschiedenen Publikationen älteren als auch neueren Datums vertiefen. Interessanter ist die Herkunft des parallel zum Antisemitismus bestehenden „AZ“-Begriffs.

In einem Gespräch mit Markus End im November 2013 erfuhr der Autor, dass der Historiker Martin Holler in russischen Archiven auf den „AZ“-Begriff (bzw. seine russischsprachige Entsprechung) stieß. Diese Information konnte bisher nicht verifiziert werden und es wird sich hoffentlich bald herausstellen, in welchem Kontext das Wort in der Quelle auftauchte.

„Der Ethnologe Bernhard Streck, […] bestritt 1981 einen >Antitsiganismus< [sic!] im Hinblick auf den Nationalsozialismus und führte den Begriff somit im deutschen Sprachraum ein. Er behauptete, die Verfolgung der >Z[…]< habe nicht auf >Antitsiganismus< im Sinne einer rassisch begründeten Feindlichkeit beruht, sondern nur auf sozialpolitische >Missstände< abgezielt“ (zit. nach Quicker: 2013, Seite 69). Sieht man von diesem den Porajmos relativierenden Ansatz ab, lässt sich somit festhalten, dass er als Erster im deutschsprachigen Raum diesen Terminus für die komplexe Diskriminierung, um die es hier geht, benutzt hat.

Im Jahr 1997 folgte der berliner Historiker Wolfgang Wippermann mit seinem vielbeachteten Werk zum Vergleich von AZ und Antisemitismus und betonte den dem AZ innewohnenden kulturellen Code der (weißen) Mehrheitsgesellschaft gegenüber den als Fremden gekennzeichneten (Sinti und) Roma (Vgl. Wippermann: 1997). In weiteren Beiträgen kritisierte er nachfolgend den pejorativen Charakter des AZ-Begriffs (Vgl. Quicker: 2013), trug aber wesentlich zu dessen Verbreitung bei.

Michael Zimmermann3 kritisiert den Begriff dahingehend, dass Unterschiede zwischen dem Antisemitismus und der hier betreffenden Diskriminierungsform aufgrund der pauschalen Gleichsetzung verwischt werden würden. Der Begriff „sei nicht dazu in der Lage, eine Gleichsetzung mit der Judenverfolgung zu begründen oder zu erreichen. […] [Es besteht] die Gefahr einer pauschalen Gleichsetzung mit dem Antisemitismus, bei der historisch bedeutsame Unterschiede ignoriert würden“ (zitiert nach Quicker: 2013, Seite 70). Der Erklärungswert solcher Begriffe sei nicht sonderlich hoch, gleichwohl die Politik stets derartige greifbare Definitionen benötigen würde (Vgl. Quicker: 2013). Zimmermann schlussfolgert: „Der Erklärungswert des plakativen Begriffs ´Antiziganismus´ ist gering“ (Zimmermann: 2007, Seite 314). Bereits 2006 kritisierte der Germanist Wilhelm Solms die „Vergleichung“ (Solms: 2007, Seite 26) beider Diskriminierungsformen und zitiert am Anfang seiner Ausführungen Goethe: „[E]in vergleichendes Urteil [wird] immer unpassender, je genauer man es betrachtet“ (zitiert nach Solms: 2007, Seite 20). Es bleibt also die Frage bestehen, warum mensch unbedingt in Analogie zum Antisemitismus-Begriff am kritisierten Terminus festhalten muss, wenn vorausgehend (und weiterführend) deutlich gemacht werden konnte, dass es durchaus beachtliche Nuancen beider Erscheinungsformen in der Wahl als Begriffe gibt.

Rezeption in Tschechien

In Tschechien taucht der Begriff „anticiganismus“ bzw. „anticikanismus“ (sic!) erst in den letzten Jahren auf. Er leitet sich wie in der deutschen Sprache vom pejorativen „cigán“/„cikán“ (Mehrzahl: „cigáni“/ „cikáni“, dt. „Z[…]“) Begriff ab. „C“ entspricht phonetisch dem „z“ der deutschen Sprache und wird auch dementsprechend als Frikativ verwendet. In Unterhaltungen mit Mitarbeiter_innen von NGOs, antirassistischen Gruppen aber auch mit Rom_nja (tsch. Romové) selbst wird ab und an auf den vermeintlichen Unterschied zwischen den beiden angeführten Begriffen hingewiesen. Durch das weich gesprochene ´g´ in „cigán“ sei dieses freundlicher als das mit dem harten ´k´ eindeutig rassistischere „cikán“. Selbstverständlich soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass im Kontext der Debatte um diese Begriffe das Wort „Roma“ zwar geläufig ist und auch Anwendung findet, der (weißen) Mehrheitsbevölkerung auf der anderen Seite aber keinesfalls der Unterschied bewusst ist. Das Selbstbenennungsrecht der Roma in Tschechien gestaltet sich im Alltag so, dass beide Begriffe parallel verwendet werden, gleichwohl gerade in kritischeren Verlautbarungen das Wort Roma zunehmend mehr Anwendung findet. Die (weiße) Mehrheitsbevölkerung, die Medien, der rassistische Mob inklusive der Neonazis und die in den letzten Jahren immer wieder auftauchenden populistischen Parteien, welche das Thema Roma und alles was damit zusammenhängt für sich nutzen, um Stimmung gegen Roma zu machen, sind in den letzten ca. fünf Jahren dazu übergegangen, das vermeintlich neutralere Wort „Unanpassungsfähige“ (tsch. „nepřizpůsobiví“) zu verwenden. Diesem Begriff wird wiederum das Gegenbild der „anständigen Leute / „anständigen Bürger_innen“ / „Anständige“ (tsch. „slušné lidi“ / „slušní občané“ / „slušní“) (siehe auch hier) entgegengestellt. Ohne eindeutig rassistische Wörter zu verwenden, können sich im tschechischsprachigen Kontext somit die ausgrenzenden Personen den ausgegrenzten Roma gegenüber zum einen selbst aufwerten (da sie ja die „Anständigen“ sind), und zum anderen ihrem vulgär-rassistischen Bedürfnis, welches auch die Diffamierung von Schrottsammler_innen, Obdachlosen, verarmten Menschen und Drogennutzer_innen beinhaltet, freien Lauf lassen. Müßig zu erwähnen, dass der Begriff „nepřizpůsobiví“ durch die sprachlich implizierte Negation der Möglichkeit einer Verhaltensänderung somit eine wie im NS zu „Rasse“ erniedrigten Kategorie wird. Ähnlich den im NS s.g. „Asozialen“ sind die „nepřizpůsobiví“ nicht in der Lage, ihre (essentialistisch zugeschriebenen) vermeintlich angeborenen Eigenschaften zu ändern. Oft resultiert gerade daraus der in der Sozialarbeit t.w. nach wie vor präferierte paternalistische Ansatz, Roma lediglich als Opfer und Empfänger_innen von staatlicher Fürsorge und Leistung zu betrachten. Die zur Sozialkategorie erhobene Zugehörigkeit und rassisch definierte Gruppe der „nepřizpůsobivé“ ist es dann auch, welche Nicht-Roma, die in die Verwertungslogik neoliberaler kapitalistischer Ausbeutung nicht passen, mit inkludiert. Zudem sind es die „Anständigen“, die angeblich zu Opfern eines vermeintlichen „schwarzen Rassismus“ der „nepřizpůsobiví“ werden.

Für den Zusammenhang der Begriffe AZ und Antiromaismus, denen es auch zuteil wird, Rassismus gegen Nicht-Roma unter der Motivlage der Z Wort Bilder zu fassen, sind diese Punkte wesentlich. Um einen gewissen Eindruck davon zu bekommen, wie in Tschechien der Begriff benutzt wird, möchte ich im Folgenden einige Diskurse in Form von Textbeispielen dokumentieren.

Auf der Seite der tschechischen Antifa (tsch. „Antifašistická akce“, kurz: AFA oder als Zahlencode 161) gibt es seit einigen Jahren die Kategorie „anticiganimus“, welche sich mit der betreffenden Diskriminierungsform auseinandersetzt. Hier ein Überblick: http://www.antifa.cz/category/clanek-tags/anticiganismus Zugriff 13.5.2014, 14:50 Uhr.

Darüber hinaus gab es letztes Jahr eine problematische Aufkleberaktion mit dem Slogan: „Z[…] können nichts für euer beschissenes Leben!“ (tsch. „Cikáni nemůžou za vaše posraný životy!“)

Laut der tschechischen wikipedia taucht der Begriff erstmals 2009 in Form des Buchtitels des Romaaktivisten Václav Miko auf: „Anticikanismus v Čechách“(dt. „Antiziganismus in Tschechien“). Eine Inhaltsangabe zum Buch findet sich hier: http://www.iliteratura.cz/Clanek/24433/miko-v-anticikanismus-v-cechach Zugriff 13.5.2014, 15:40 Uhr.

Unterschiedliche Roma-Aktivisten wie beispielsweise Jozef Miker (Krupka, NGO Konexe) aber auch František Kostlán, welcher für www.romea.cz schreibt, benutzen den AZ-Begriff (Interview mit J. Miker im Rahmen einer Kurzdoku (deutschsprachig) hier: http://vimeo.com/60511332und ein Beispieltext von Kostlán: http://www.romea.cz/cz/zpravodajstvi/frantisek-kostlan-legitimizaci-anticiganismsu-ceskymi-senatory-kritizuje-obcanska-spolecnost-media-to-nezajima Beide Zugriff 13.5.2014 15:50 Uhr.

In der Ausgabe 423 der Zeitschrift Nový Prostor vom 16. September 2013 war der s.g. „Anticiganismus“ sogar Titelthema. Online unter: http://www.novyprostor.cz/archiv-cisel.html?p=423 Zugriff 13.5.2014 16:09 Uhr.

Auf der anderen Seite wird auch der Begriff „protiromské“ (dt. „Antiroma“) als Adjektiv benutzt, wenn es beispielsweise um rassistische Demonstrationen geht. Ein Beispiel aus der Presse (www.novinky.cz vom 22.8.2013): „Policie mobilizuje na sobotní protiromské pochody“ (wörtlich: „Polizei mobilisiert für den sonntäglichen Anti-Roma-Marsch“ – gemeint ist: „bereitet sich vor“) Quelle: http://www.novinky.cz/domaci/311234-policie-mobilizuje-na-sobotni-protiromske-pochody.html Zugriff 13.5.2014 16:01 Uhr.

„Alternativen“

Als „Alternativen“ für den AZ-Begriff stehen, wie bereits erwähnt, die Wortgruppen „<Zigeuner>-Ressentiment[s]“ (Freudenberg/Freudenberg/Heuß: 1992) und „ziganistischer Rassismus“ (u.a. Arndt: 2012) zur Verfügung, hier besteht aber wiederum das Problem, dass der vor allem in westslawischen Sprachen gängige „cigan“-Wortstamm Verwendung findet (ebenso gebräuchlich in Ungarn und Rumänien/Frankreich), was schlichtweg, wenn mensch sich die Argumente gegen den AZ-Begriff anschaut, ebenfalls zu einer Ablehnung führt. Ob „Romaphobie“ / „Romaphobia“ all das erfasst, was in den beiden hier zumeist verwendeten Begrifflichkeiten mitschwingt, bleibt ebenso fraglich. Zwar wird bei den Parallelbegriffen Trans-, Homo- und Biphobie ebenfalls über den Verfolgungsgedanken hinaus der Moment des gewalttätigen Aktes mit assoziiert. Für den Autor scheinen die Begriffe aber dahingehend nicht aussagekräftig genug, da sie in Anbetracht der Verfolgungen und Morde der letzten Jahre eine Verharmlosung darzustellen drohen. „Rassismus gegen (Sinti und) Roma“ lässt sich verwenden, wenn nicht das Stereotyp, sondern tatsächliche, „greifbare“ und aktuelle Vorkommnisse beschrieben werden sollen. Als im Sprachgebrauch von Rassist_innen weiterreichendes „Konzept“ einer Ideologie der Feindschaft gegenüber (Sinti und) Roma und anderen scheint die Wortgruppe aber nicht umfassend analytisch tiefgehend zu sein. Interessant findet der Autor den Begriff „Romafeindlichkeit“, der unter anderem von Elana Resnick in ihrem Aufsatz „Symptom oder Krankheit? Zur Romafeindlichkeit in Bulgarien“ (2011) bereits im Titel Anwendung findet. Nicht ganz sicher, was die Wahl der Bezeichnungen betrifft, werden bei ihr aber auch andere Wortgruppen verwendet. So spricht sie von „romafeindliche[n] Demonstrationen [und] Proteste[n]“ aber auch von „antiziganistische[n] Proteste[n] [und] Slogans“ sowie „antiziganistischer Feindseligkeit“ (Resnick: 2011, Seite 16). Bei Porsch (Porsch, Peter: „Vom Unterschied zwischen Gesang und Sprache – tief verwurzelte Romafeindlichkeit“, in: Ernst, Cornelia: „Roma es ist Zeit zu handeln!“, April 2009, Brüssel/Dresden) findet sich ebenfalls der Begriff in der Überschrift. Und auch bei der in Prag lebenden Rundfunkjournalist_in Silja Schultheis ist dieser anzutreffen: „Romafeindlichkeit in Tschechien eskaliert“ (24.10.2013 online auf der Seite der Heinrich Böll Stiftung: http://www.boell.de/de/2013/10/24/Romafeindlichkeit%20in%20Tschechien%20eskaliert Zugriff am 14.5.2014 18:04 Uhr). In beiden Texten wird der AZ-Begriff nicht verwendet.

Dass der Begriff scheinbar von manchen der Einfachheit halber mit „antigypsyism“ bzw. „anti-gypsyism“ ins Englische übersetzt und so benutzt wird und dem Begriff genauso wie dem AZ-Wort bestimmte Kritikpunkte entgegengebracht werden müssten, sei hier nur am Rande erwähnt (zur Verwendung u.a. Zimmermann: 2007)4 ebenso dass der Autor den englischsprachig geführten Diskurs nicht eingehender verfolgt und dies deshalb hier ausgeblendet werden muss. Dennoch möchte ich auf eine Textsammlung aufmerksam machen, die zukünftig in der Debatte eine Rolle spielen könnte: „New Faces Of Antigypsyism In Modern Europe“, ed. by Hristo Kyuchukov, Prague, 2012. Online hier: http://www.slovo21.cz/nove/images/dokumenty_integrace/antigypsyism.pdf Zugriff 14.5.2014 18:16 Uhr.

Zuletzt soll noch kurz der von Esther Quicker vorgeschlagene „Antiromismus“ (vgl. Quicker: 2013) erwähnt werden, welcher im Gegensatz zu „Antiromaismus“ keine Möglichkeit der Verwechslung mit „Antiromanismus“ bietet. Auf das Argument, dass mit dem Stamm <rom> (<Mensch>) im Begriff beispielsweise Sinti ausgeklammert werden würden, wird der Rückgriff auf die gemeinsame und identitätsstiftende Sprache Romanes entgegengehalten, welche den Stamm <rom> ebenfalls trägt.

Im Folgenden sollen die Vertreter_innen, welche sich für die Verwendung des „Antiromaismus“- Begriffes stark machen, zu Wort kommen.

Gegenpositionen – für den „Antiromaismus“ Begriff

Bei der Verwendung des Terminus Antiromaismus schwingt immer ein Stück politischer Selbstanspruch mit, den emanzipiert denkende Menschen versuchen weiterzutragen, da Ausgrenzungsmechanismen nicht reproduziert werden sollen. Das hat auch nichts mit „politischer Korrektheit“ oder damit zu tun, den in der eigenen peer group „sozial erwünschtesten“ Begriff zu benutzen, sondern vielmehr damit, den sozialen Wirklichkeiten derer gerecht zu werden, die davon betroffen sind.

Wie folgt soll kurz eine Debatte erläutert werden, die gewissermaßen der Anstoß war, um sich mit diesem Aspekt eingehender zu beschäftigen (gleichwohl dem Autor des Textes bereits vorher die Verwendung des AZ-Begriffs ohne Kritik an selbigem, bspw. in Vorträgen, nicht möglich war).

Am 23.3.2013, kam es in Berlin während der Buchpräsentation zum Sammelband „Antiziganistische Zustände 2“ (hg. von Bartels, Borcke, End, Friedrich) zu einem Eklat. Die eingeladeneAutor_in Filiz Demirova der Zeitschrift „Der Paria“ kritisierte auf dem Podium die Standpunkte zweier der Herausgeber_innen und verteidigte den Antiromaismus-Begriff. Bereits im Februar 2013 hatte sie gemeinsam mit Georgel Caldararu die erste Ausgabe der Druckversion von „Der Paria“ veröffentlicht und positionierte sich auf Seite 16 eindeutig gegen den Rassismus des leipziger „Forums Tsiganologische Forschungen“ mit der Aufforderung: „education now – Stop Antiromaismus im Universitätsbetrieb!“ (ff. Seite 18: „It is called ANTIROMAISMUS“ / die Grafiken dazu stammen von Marika Schmiedt).

In ihrem danach auf dem Blog der Zeitschrift „Der Paria“ erschienen Text mit dem gleichnamigen Titel der Buchpräsentation schrieb sie Folgendes:

„Ich finde allein schon der Begriff Antiziganismusforschung ist problematisch und diskriminierend. Die rassistische Fremdbezeichnung “Zigeuner” ist darin enthalten und dadurch findet eine ständige Reproduktion statt. Keiner der PodiumsteilnehmerInnen hat meine Kritik zu denken gegeben und die diskriminierende Bezeichnung wurde während [sic!] des Podiumsgesprächs weiterverwendet. Markus End verwies darauf, dass es Roma selber benutzen und „das Antiziganismus ein Begriff ist, der dazu dient zu beschreiben, “was in mancher Menschen Kopf vorgeht” [sic!] wenn sie rassistisch handeln, aber die AutorInnen und LeserInnen dagegen analysieren unberührt davon nur das Konstrukt vom ´Zigeuner´ [”] Warum wird davon ausgeg[…]angen, dass nicht auch bei den LeserInnen antiromaistische Bilder im Kopf abgehen wenn sie den Begriff immer wieder lesen und reproduzieren? Werden Roma als potentielle LeserInnen mitgedacht?[…] Meine Kritik […] ist, dass eine Gruppe von Nicht-Roma, Bücher über Roma publizieren und bei verschiedenen Veranstaltungen darüber referieren. Die Gruppe reflektiert nicht über ihre Zusammensetzung und ist an Kritiken und Veränderungen nicht interessiert. Ihre einzige Kritik besteht in einer sogenannten “Antiziganismuskritik”. Aber das muss selbstverständlich sein!“

Quelle: http://derparia.wordpress.com/2013/03/26/wer-spricht-in-der-antiziganismusforschung/ Zugriff 12.5.2014 15:40 Uhr.

Im Text von Demirova kommen dann noch andere Menschen, welche im Publikum saßen und sich Notizen zur Diskussion machten, zu Wort. Kurz erwähnt werden soll hier der Kommentar von Mike Korsonewski, der sagte: „Ich möchte als weißer Strategien und Ansätze finden, um alltägliche, gewaltvolle Machtstrukturen der Gesellschaft in Deutschland selbstkritisch zu brechen und aber gerade nicht Diskurse über Menschen zu dominieren – für mich ist das eine Form von Ausbeutung“ (Vgl. ebd.). Sein Kommentar bezog sich zum einen auf den kritisierten Begriff, zum anderen auf den gleichnamigen Titel des Buches, vor allem aber auch auf das Vorwort, welches innerhalb des Buchprojektes Beiträge von Roma aus bestimmten Gründen (Vgl. Podiumsdiskussion Wienwoche, s.u.) ausklammerte und – wie Markus End betonte – die Diskriminierungsform und nicht (Sinti und) Roma behandelt. Hierin wurde auch von anderen Diskussionsteilnehmer_innen ein diskursives Ungleichgewicht gesehen.

Bereits am 14.3.2014 hatte Demirova den Begriff bei einer Veranstaltung in Bielefeld verteidigt. Siehe hier: „Es heißt Antiromaismus – Roter Montag außer der Reihe“, Veranstaltung am 14. März 2013 um 19:30 Uhr in der Extra Blues Bar (Antifa AG an der Uni Bielefeld): http://antifaagbi.blogsport.de/2013/03/06/roter-montag-ausser-der-reihe-veranstaltung-am-14-maerz-2013/ Zugriff am 12.5.2014 15:49 Uhr.

Nach der Veröffentlichung des eben erwähnten Textes tauchte der Begriff Antiromaismus vermehrt auch an anderen Stellen auf. So ließ der Autor dieses Textes die Überlegungen von Demirova/Caldararu/Schmiedt auch in seine Arbeit einfließen. Siehe unter anderem hier: „<Z Wort> – sprachliche Reproduktion alter Stereotypen?“ vom 15.7.2013. Online: https://ecoleusti.wordpress.com/2013/07/15/z-wort-stereotypen/ Zugriff 14.5.2014 21:47 Uhr.

Ebenfalls wurde der Begriff während der Wienwoche vom 26.9. bis 28.9.2013 debattiert. Programm hier: http://www.stopptdierechten.at/2013/09/25/wienwoche-%C2%ABdie-gedanken-sind-frei%C2%BB-angst-ist-alltag-fur-roma-in-europa/ Zugriff: 17.5.2014 18:04 Uhr Ein Mitschnitt der Podiumsdiskussion unter dem Titel „Roma Strategy = Deportation Free?“ mit Marika Schmiedt, Filiz Demirova und Georgel Caldararu vom 26.9.2013 (Depot Wien) ist hier als Audiodatei verfügbar: http://cba.fro.at/247113 Zugriff 17.5.2014 18:06 Uhr.

In der Printausgabe 65 des Malmoe Magazins wird im Text „Das Problem, das Problem zu benennen“ (Unterüberschrift: „Antiziganismus, Antiromaismus, Rassismus gegen Sinti und Roma, Antisintismus“) ebenfalls (ansatzweise) debattiert, welcher Begriff am treffendsten ist. Darin enthalten ist selbstverständlich auch die am häufigsten genannte Kritik der „Weite“ des Begriffs. So heißt es:

„Der momentan wirkmächtigste Vorschlag, um den Begriff des „Antiziganismus“ zu ersetzen, ist „Antiromaismus“. Er versucht eine gängige Selbstbezeichnung aufzugreifen. Kritisiert wird er, weil er Nicht-Roma, wie zum Beispiel Sinti, Lowara, Jenische und andere Gruppierungen, die auch von „Antiziganismus“ betroffen sind, ausschließt.“

und weiter:

„Außerdem wird dem Begriff „Antiromaismus“ vorgeworfen, mit einer Kategorie zu operieren, die selbst auf einer ethnisierten Konstruktion beruht. Der Begriff „Antiromaismus“ ist dieser Kritik zufolge analytisch unscharf, kann den Kern des „Antiziganismus“ nicht fassen und reproduziert ethnisch festgeschriebene Gruppen.“

zitiert nach http://malmoe.org/artikel/alltag/2695 Zugriff 12.5.2014 16:03 Uhr.

Wolfgang Wippermann erläuterte bereits im September 2008 im Aufsatz „Was ist Antiziganismus?“ (in: Versorgerin – Zeitung der Stadtwerkstatt Ausgabe 79), dass die Begriffe „anti-Romaismus“ bzw. „anti-Romanismus“ problematisch sind, da sie „erstens völlig ungewöhnlich und zweitens auch missverständlich, weil an Feindschaft gegenüber der Stadt Rom und der Sprachgemeinschaft der Romanen erinnernd“ (Vgl. ebd.) sind.

Als Reaktion auf einen Text mit dem ursprünglichen Titel (und selbiger kritisierter Kategorie) „Antiziganistische Hassmärsche in Tschechien gehen weiter“ auf dem Blog der leipziger Stadträt_in Juliane Nagel äußerte sich die österreichische Künstler_in Marika Schmiedt wie folgt:

„in der regel wird der begriff “antiziganismus” von menschen be_vernützt die von diskriminierung gar nicht betroffen sind.
es gibt mittlerweile genug roma und sinti die diesen begriff ablehnen. verteidigungs und abwehrstrategien gibt es zahlreiche wie z.b. zitieren von vermeintlichen expertInnen oder auf den guten willen verweisen.
 der begriff wurde von angehörigen der mehrheitsgesellschaft geprägt und nicht von roma und sinti selbst. dieser begriff ist auf grund seiner historie unbrauchbar! rassistischer sprache ist teil der reproduktion der logik von ungleichheit und herrschaft.
wenn es nur um eine benennung ginge würde genügen von rassismus und diskriminierung gegen roma und sinti zu sprechen!“

(März 30th, 2014 @ 10:37) [RS im Original]

Filiz Demirova äußerte sich ebenfalls in der Kommentarfunktion dazu:

„Der Begriff “Antiziganismus” ruft wiederholt rassistische Bilder auf und reproduziert rassistische Sprache. Des Weiteren geht der Begriff “Antitsiganismus” auf den “Tsiganologen” (!) Bernhardt Streck zurück, der die revisionistischen Theorien von dem “Zigeunerexperten” Hermann Arnold übernommen hatte. Weiterhin herrscht in der “Antiziganismusforschung” eine Dominanz von Nicht-Roma und kritische Roma-Perspektiven fehlen zumeist“

(März 31st, 2014 @ 09:47)

Die geführte (kurze) „Debatte“, an welcher auch der Autor dieses Textes teilnahm, führte schließlich dazu, dass der kritisierte Begriff in „Rass[ismus]“ bzw. „Antiromaismus“ (in Überschrift und Kategorie) geändert wurde. Der Text „Rassistische Hassmärsche in Tschechien gehen weiter“ von Juliane Nagel ist hier verfügbar: http://jule.linxxnet.de/index.php/2014/03/naziaumarsch-in-duchcov-tschechien/ (Zugriff am 12.5.2014 16:27 Uhr). Das Bild mit dem Transparent „fight antiromaism – Menschen sind keine Schnitzel“, welches als Beitragsbild dient(e), stammt von der Facebookseite der NGO Konexe aus Ústí nad Labem, abrufbar hier: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=542315272556771&set=a.205410406247261.45362.196248163830152&type=1&theater (Zugriff 12.5.2014 16:29 Uhr). Gestaltet wurde es von einer Aktivist_in des Blogs www.ecoleusti.wordpress.com.

Und auch im Sammelband „Sinti und Roma zwischen Ausgrenzung und Selbstbehauptung. Stimmen und Hintergründe zur aktuellen Debatte“, (Quicker/Killguss, 2013) versucht Esther Quicker im Aufsatz „<Antiziganismus> – ein sinnvoller oder kontraproduktiver Oberbegriff?“ eine Zusammenfassung der bisherigen Debatte zum Begriff zu geben. Bemerkenswert ist dabei, dass auf der einen Seite ein Text von Markus End vorangestellt ist und auf der anderen, dass die bereits zitierte Filiz Demirova ausführlich zu Wort kommt. Sehr allgemein aber treffend beginnt sie auszuführen:

„Für den Komplex aus Denkweisen, Haltungen und Handlungen, die sich gegen Sinti, Roma beziehungsweise Menschen richten, die als >Z[…]< bezeichnet werden, ist bisher [sic!] kein allgemein akzeptierter [und laut Autor_in gängiger] Begriff gefunden worden.[…] Seit den 1980er Jahren wird die Bezeichnung >Antiziganismus< in einem Teil [sic!] der Veröffentlichungen zu diesem Thema benutzt.“

(Quicker: 2013, Seite 69)

Kritisiert wird damit folglich die, wie es oftmals scheint, Etablierung des AZ-Begriffs und gängige Verwendung des selbigen. Wie Joachim Krauss bereits in der Kommentarfunktion des Onlineartikels „Z Wort“ – sprachliche Reproduktion alter Stereotypen?“ schrieb:

„Woher kommt eigentlich die Überzeugung, dass der „Antiziganismus“-Begriff wissenschaftlich fundiert wäre? Er wird vielleicht von Einzelnen mit akademischem Anspruch verwendet, aber schon die Frage, wie der Begriff von den Intentionen des vermutlichen Wortschöpfers Bernhard Streck zu trennen ist, findet keine befriedigende Antwort. Streck ging es mit dem Begriff darum, die rassistische Verfolgung von Sinti und Roma durch die Nazis zu verneinen. So wie er die Nichtexistenz eines „Antsiganismus“ [sic!] postulierte, wird nunmehr dessen Existenz als ein Europa einendes Phänomen postuliert. […][Es] sollte allein die willkommene Übernahme des Begriffs in Politik und Medien nachdenklich stimmen [sic!]. Die Energien zur Beurteilung des kritisch-emanzipatorischen Gehaltes sind an anderer Stelle ohnehin besser aufgehoben, so wie auch die Diskussionen um das Z-Wort. Es kann doch nicht darum gehen, dass Wort abzuschaffen, es ist doch viel mehr von großem Nutzen, um Roma und Sinti vor den damit einhergehenden Stereotypisierungen als reale Menschen zu schützen, da es gelingt den Konstruktionscharakter durch das Z-Wort aufzuzeigen.“

Es bleibt letztendlich auch die Frage offen, ob es Aufgabe antirassistischer Arbeit sein kann, das Z Wort aus dem öffentlichen Sprachraum und Bewusstsein zu tilgen. Solange es die Stereotypen über (Sinti und) Roma und andere gibt, müssen diese auch (irgendwie) benannt werden: Z Wort Bilder dekonstruieren, rassistischen Begriffen und Ideen entgegentreten kann daher nur die Schlussfolgerung sein! Dass Triggerwarnungen und ähnliches hier nicht immer hilfreich sein müssen, liegt dabei auch auf der Hand. Es wäre fatal dem Arnold´schen Nexus, beim Z Wort Konstrukt und (Sinti und) Roma würde es sich um dieselben Personen(-gruppen) handeln, zu folgen und somit den Rassismus gegen sie fortzuführen. Hermann Arnold war es, der 1965 noch ein Buch veröffentlichen konnte, das all die Klischees über (Sinti und) Roma zusammentrug (Arnold: „Die Zigeuner – Herkunft und Leben im deutschen Sprachgebiet“, Olten, 1965) und dabei bei seinen Zeitgenossen auf wenig bzw. keine Skepsis stieß als er beispielsweise ausführte: „So reizend manche Z[…]in in jungen Jahren anzuschauen ist, ihre Schönheit verblüht allzufrüh“ (Arnold: 1965, Seite 262). Erst mit seinen Aufsätzen „Ein Menschenalter danach. Anmerkungen zur Geschichtsschreibung der Zigeunerverfolgung“ (1977) und „Die NS-Zigeunerverfolgung. Ihre Ausdeutung und Ausbeutung“ (o.J.) regte sich allmählich Widerstand und er ging schließlich dazu über, von „Sinti und Roma“ zu schreiben. Am Bild über die Stigmatisierten sollte sich freilich nicht viel ändern, was allein die Titel der Publikationen offenlegen: „Sinti und Roma: von der Zigeunertragödie zur Politkomödie“ (2000) und „Press Germany to pay. Der „Sinti-und Roma“-Schwindel“ (2004). Und genau dies kann auch ein Kritikpunkt am AZ Begriff sein, folgt mensch den Ausführungen von Quicker, die AZ wörtlich mit „gegen Zigeuner gerichtete Verhaltensweisen, Anschauungen, Einstellungen und Haltungen“ (Quicker: 2013, Seite 69) übersetzt.5 Zwar betonen End et. al. (2009/2013), dass stets nur das Stereotyp Z Wort gemeint ist, kritisierbar bleibt aber, ob im öffentlichen Diskurs darüber wiederum ein Bewusstsein besteht und die Notwendigkeit geteilt wird, alte rassistische Deutungsmuster zu überwinden. In Anbetracht der europaweit vorhandenen rassistischen Einstellungsmuster, welche in verschiedenen Umfragen ermittelt wurden und werden, bleibt dieser Punkt fragwürdig. Mit der begrifflichen Nähe des „AZ“ zum Z Wort droht die Gleichsetzung des Konstrukts mit den real stigmatisierten (Sinti und) Roma in der Öffentlichkeit (Vgl. Quicker: 2013). Solange eine Forschung über die hier betreffende Diskriminierungsform lediglich von weißen Akademiker_innen betrieben wird, die Selbstermächtigung der (Sinti und) Roma in den Anfängen steckt, sowie der Fakt, dass in der (gemeinhin als) Gesellschaft (definierten zwischenmenschlichen Gruppe) kein Bewusstsein über das Konstrukt Z Wort und die Menschen, welche sich selber als (Sinti und) Roma und andere bezeichnen, besteht, ist jedes Argument für einen emanzipatorischen AZ-Begriff hinfällig. Er nimmt ständig Rekurs auf das, was er vorgibt kritisieren und folglich abschaffen zu wollen. Und um nochmal an die anfängliche Kritik anzuknüpfen: „[D]er [B]egriff [A]ntiziganismus impliziert die [E]xistenz eines [Z]iganismus, den es aber nicht gibt!“ (Marika Schmiedt in einer E-Mail an den Autor am 17.5.2014).

Grenzen des Begriffs „Antiromaismus“

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle die Kritik an dem weiter oben vorgeschlagenen Ausdruck Antiromaismus bleiben. Am prägnantestenbrachte es das Malmoe Magazin auf den Punkt: Gruppen wie Sinti, Lowara, Travellers, Jenische und andere die auch betroffen sind werden zumindest oberflächlich betrachtet aus der Diskriminierungsform ausgeschlossen bzw. nicht berücksichtigt (Vgl. auch Quicker: 2013). Der Begriff – so scheint es – arbeitet mit einer Kategorie, die auf einer ethnisierten Konstruktion beruht. Der Begriff „Antiromaismus“ ist dieser Kritik zufolge analytisch nicht trennscharf genug, kann das Wesen des „AZ“ nicht fassen und reproduziert ethnisch festgeschriebene Gruppen.“ (Quelle siehe oben) In englischsprachigen Kontexten taucht er, soweit der Autor das überblickt, selten auf. Bleibt abzuwarten, wie mensch diese Kritikpunkte in die eigene Arbeit einbinden und schließlich „überwinden“ kann. Zum Schluss sollen noch ein paar Beispiele für die Verwendung des Antiromaismus-Begriffs dokumentiert werden.

Beispiele für die Verwendung des Antiromaismus Begriffs:

Der Begriff des Antiromaismus taucht in der jüngsten Zeit, gerade in politischen Zusammenhängen, des öfteren auf. Im Folgenden möchte ich ein paar dieser Beispiele dokumentieren(zeitlich nicht geordnet – random).

  • Auf dem Blog der Solidaritätsgruppe in Dresden, welche innerhalb des Netzwerks Asyl Flucht Migration tätig ist (Themengebiet): http://namf.blogsport.de/antiromaismus/ (Zugriff 12.5.2014 13:54 Uhr).
  • Als Leserkommentar zum Artikel „Antiziganismus in Frankreich- Hilter als Referenz“ von Rudolf Balmer in der TAZ vom 23.7.2013, online hier: http://www.taz.de/!120521/ „Trotzdem wäre es schön wenn die TAZ keine rassistischen Begriffe verwenden würde, sondern von Antiromaismus schreiben könnte.“ Autor „Blubb“ 23.07.2013, 22:48.
  • Auf dem Blog der Landtagsabgeordneten Birgit Rydlewski (Piratenpartei) online hier: http://birgit-rydlewski.de/tag/rassismus/ Artikel „siamo tutti antifascisti?“ vom 1.9.2014 (Zugriff am 15.4.2014, 14:24 Uhr).
  • In den Erinnerungen des Alumni Ralf Kellermann (Stuttgart) an seine Stipendienzeit: „…der offene Antiromaismus der Studierenden“ , online hier: http://www.mitost.org/?id=3601 (Zugriff am 15.4.2014, 14:40 Uhr).
Nachbetrachtungen

Da es dem Autor als Blogger des öfteren auch zuteil wird, analytische Texte anderer Autor_innen zu zitieren bzw. zu rebloggen und sich manchmal darin das hier kritisierte Wort befindet, haben wir uns innerhalb der Gruppe von ecoleusti.wordpress.com dafür entschieden, zukünftig von Anti[roma]ismus zu schreiben, wenn der AZ-Begriff von Dritten verwendet wurde und somit konsequent zu editieren. Mit den eckigen Klammern soll verdeutlicht werden, dass wir uns vehement gegen die Reproduktion der Begrifflichkeiten „Z Wort“ und „AZ“ stellen und keineswegs ein Interesse an der Verbreitung von rassistischen Wörtern und Ressentiments haben. Auch ist zu überlegen, ob die englische Entsprechung im Sinne von „g term“ (besser vielleicht „gy term“) und „anti[roma]ism“ so gekennzeichnet werden soll/kann.

Trotz der oben angeführten Kritikpunkte ist für uns zum jetzigen Zeitpunkt der Antiromaismus-Begriff der geeignetste um das zu beschreiben was andere AZ nennen.

Michael von der Recherchegruppe Maulwurf (Großer Dank für die Hilfe, Unterstützung und Korrekturlesen geht an Filiz, Jos und Kristina!)


Verwendete (gedruckte) Quellen:

  • Arndt, Susan: „Rassismus – Die 101 wichtigsten Fragen“, München, 2012.

  • Bartels, Alexandra / von Borcke, Tobias / End, Markus / Friedrich, Anna (Hg.): „Antiziganistische Zustände 2 – Kritische Positionen gegen gewaltvolle Verhältnisse“ , Münster, 2013.

  • End, Markus / Herold, Kathrin / Robel, Yvonne (Hg.): „Antiziganistische Zustände – Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments“, Münster, 2009.

  • Freudenberg, Andreas / Freudenberg, Günter / Heuß, Herbert: „Verdrängte Erinnerung – der Völkermord an den Sinti und Roma“, in: Loewy, Hanno: „Holocaust: Die Grenzen des Verstehens – Eine Debatte über die Besetzung der Geschichte“, Reinbek bei Hamburg, 1992.

  • Hartwig, Johannes: „Kontinuierliche antirassistische Politik ist notwendig“, in: Lotta – Antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen, Nummer 54, Winter 2013/2014, Oberhausen.

  • Heuß, Herbert: „Die Migration von Roma aus Osteuropa im 19. und 20.Jahrhundert: Historische Anlässe und staatliche Reaktion – Überlegungen zum Funktionswandel des Zigeuner-Ressentiments“: Giere, Jaqueline: „Die gesellschaftliche Konstruktion des Zigeuners. Zur Genese eines Vorurteils“, Frankfurt/New York, 1996.

  • Marjanović, Ivana/ Freudmann Eduard: „Uglyville- A Contention of Anti-Romaism in Europe“: Mörtenböck, Peter/ Mooshammer, Helge: „Space (Re)Solutions- Intervention and Reaseach in Visual Culture“, Bielefeld, 2011.

  • Miko, Václav: „Anticikanismus v Čechách“, České Budějovice, 2009.

  • Quicker, Esther: „<Antiziganismus> – ein sinnvoller oder kontraproduktiver Oberbegriff?“, in: Killguss, Hans-Peter/ Quicker, Esther: „Sinti und Roma zwischen Ausgrenzung und Selbstbehauptung. Stimmen und Hintergründe zur aktuellen Debatte“, Köln, 2013.

  • Resnick, Elana: „Symptom oder Krankheit? Zur Romafeindlichkeit in Bulgarien“, in: Kulturrisse – Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik, Heft 4 Dezember 2011, IG Kultur Österreich Wien.

  • Reemtsma, Katrin: „Sinti und Roma – Geschichte, Kultur, Gegenwart, München, 1996.

  • Wippermann, Wolfgang: „Wie die Zigeuner. Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich“, Berlin, 1997.

  • Wippermann, Wolfgang: „“Auserwählte Opfer?“ : Shoah und Porrajmos im Vergleich – eine Kontroverse“, Berlin, 2005.

  • Scholz, Roswitha: „Homer Sacer und „Die Zigeuner“ – Antiziganismus – Überlegungen zu einer wesentlichen und deshalb „vergessenen“ Variante des modernen Rassismus“, in: EXIT 4 – Krise und Kritik der Warengesellschaft, Juni 2007, online: http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=schwerpunkte&posnr=184. Als (gekürzte) Druckversion: „Interventionen- Broschüre zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus“, Leipzig, März 2008.

  • Solms,Wilhelm: „Antisemitismus und Antiziganismus: ein bedenklicher Vergleich“, in: Solms, Wilhelm: „Kulturloses Volk? – Berichte über „Zigeuner“ und Selbstzeugnisse von Sinti und Roma“, Seeheim, 2006.

  • Zimmermann, Michael: „Antiziganismus- ein Pendant zum Antisemitismus? Überlegungen zu einem bundesdeutschen Neologismus, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 4/2007, Seite 304 bis 314.

Anmerkungen:

Der Text versucht zusammenzufassen, was bisher an Stellungnahmen bzgl. des Antiromaismus-Begriffs zu finden war. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass manche Quelle – auch trotz ihres kritischen Anspruchs – in teilweise rückwärtsgewannte Betrachtungen und vor allem „Bilder“ darüber, was und wie „die“ (Sinti und) Roma (und „ihre“ Lebenssituation) vermeintlich sind, zurückzufallen droht. Für etwaige Irritationen, die dadurch entstehen, möchte ich mich aufrichtig bei den Leser_innen entschuldigen. Mir ist bspw. nach nochmaligem Studium des Reiseführers „Beograd Gazela“ aufgefallen, wie wichtig es ist, trotz eines generellen antirassistischen Anspruchs immer wieder vermeintlich abgesicherte Wissensbestände, die sich bei der Beschäftigung mit dem Thema ergeben, zu hinterfragen. Vielen Dank hier auch nochmal an Filiz (und Marika) für ihre Einwände.

Bezüglich der Schreibweise und Verwendung der Entsprechung des Z Worts im Tschechischen gibt es unterschiedliche Herleitungen. Jozef Miker meinte in einem Gespräch (am 20.5.2014) mit einem Korrekturleser des Textes (Danke an J.), dass „cigán“ die tschechische und „cikán“ die slowakische Schreibweise wäre. Des weiteren sei im Slowakischen der Gebrauch diskriminierend, im Tschechischen jedoch nicht. Der Autor und der Korrekturleser sind jedoch der Auffassung, dass beide „Erklärungen“ lediglich schlechte Ausreden für den Tatbestand des Rassismus der Mehrheitsgesellschaft sind bzw. von letzterer gerne dazu benutzt werden, um gefährliches Halbwissen und somit Trugschlüsse über vermeintliches Wissen über „die“ Roma zu rechtfertigen.

Zwar wurde im Text versucht, näher darauf einzugehen, um was es sich bei den „nepřizpůsobiví“ (dt. „Unanpassungsfähige“) handelt, gänzlich kann dies aber für nicht tschechisch sprechende Menschen nicht erschöpfend geklärt werden, da ein direktes Äquivalent im Deutschen fehlt. Am nächsten kommen die im NS zur Rasse erniedrigten s.g. „Asozialen“ – dies stellt aber keinesfalls eine direkte Übersetzung dar!

Aus einer Korrespondenz mit einer tschechischen Übersetzer_in:

Ahoj […], unanpassungsfähig v němčině existuje? když už, tak nicht anpassungsfähig, ne? máš pravdu, že to není úplně jednoduchý, ale podívej: v češtině jsou tři slova: (ne)přizpůsobený – (ne)přizpůsobivý – (ne)přizpůsobitelný, to první je jednoznačně unangepasst, to poslední je jednoznačně nicht anpassungsfähig, nepřizpůsobivý je někde mezi tím […].
Übersetzt:

Hallo […], unanpassungsfähig existiert im Deutschen? Wenn schon, dann nicht anpassungsfähig, oder? Du hast recht, dass das nicht so einfach ist, aber schau mal: im Tschechischen gibt es drei Wörter: (ne)přizpůsobený – (ne)přizpůsobivý – (ne)přizpůsobitelný, ersteres ist einfach unangepasst, letzteres nicht anpassungsfähig, nepřizpůsobivý liegt irgendwo dazwischen […].


– Edit 2.6.2014 16:21 Uhr –


1 (1958-1997).

2 Hier ist bewusst eine Klammer um „Sinti“, da gekennzeichnet werden soll, dass sich der Autor eigentlich mit dem Antiromaismus in Tschechien beschäftigt.

3 (1951-2007).

4 Zu diskutieren wäre, ob „gypsy“ im Englischen immer auch mit „traveller“ assoziiert wird wie „Fahrende_r“ mit Z Wort. Genauso stellt sich die Frage, ob Romanichels und niederländische Wohnwagenbewohner, wenn sie in Großbritannien unterwegs sind, mit dem Z Wort (bzw. „gypsies“) bezeichnet werden.

5 Vgl. Fußnote 2 bei Quicker: 2013, Seite 69: „antitsiganisme“ im Französischen.

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8 Kommentare

  1. Was mir übrigens noch als Argument gegen den Gebrauch von „Antiziganismus“ eingefallen ist:
    Zwei unterschiedlich gelagerte Analogieüberlegungen.
    Mensch müsste sich erstens einfach mal die Benutzung eines Wortes wie „Antinegerismus“ vorstellen.

    Und zweitens: Warum manche den problematischen Gehalt des AZ-Wortes nicht so direkt wahrnehmen, liegt vielleicht an der begrifflichen Divergenz, die jemandem, der mit slawischen Sprachen vertraut ist, deutlicher empfinden dürfte. Denn in slawischen, aber auch anderen, Sprachen findet sich für das Z-Wort eben zumeist eine Form wie „cigán“ oder „cikán“, was dann wiederum phonetisch sehr nahe am AZ-Wort ist. Hier wäre die Analogievorstellung ein Wort wie „Antizigeunerismus“.
    Kurz gesagt, im Deutschen mag das AZ-Wort als Bezeichnung für ein abstraktes Phänomen verstanden werden. In vielen anderen Sprachen – und deutsche AntirassistInnen sind stark am Export des Begriffes beteiligt – kann das ganz anders assoziiert werden.

  2. REPRODUKTION RASSISTISCHER SPRACHE „ANTIZIGANISMUS”

  3. Wir müssen das erste Mal festhalten, dass wir einen Kommentar nicht freischalten, da dieser unsachlich und voller rassistischer Stereotypen ist und die Tatsachen zudem verdreht. Wir wehren uns vehement gegen jegliche Versuche, auf unserem Blog populistische Stereotypen zu verbreiten. Wir behalten uns vor auf Anfragen den kompletten Kommentar an Interessierte (Forscher_innen etc. pp) zu versenden, gleichwohl wir uns vom Autor selbigen verbieten in Zukunft kontaktiert zu werden. No discussion with rascists!

    Michael und Kristina

  4. […] online. Die Recherchegruppe Maulwurf distanziert sich hier ausdrücklich von der Verwendung des AZ Begriffs. Reproduktion rassistischer Begriffe ist […]

  5. Update Sep. 2015:

    Der Artikel „Kampf dem „anticyganizm“. Über die sowjetischen Wurzeln des Anti[…]ismusbegriffs und ihre Rezeption im englischen Sprachraum“ von Martin Holler, welcher auf die Rezeption im Russischen eingeht ist im Sommer in: “ Historische Interventionen.
    Festschrift für Wolfgang Wippermann zum 70. Geburtstag“ (Berlin, 2015, hrsg. von Weipert/Lange) erschienen. Ebenso Martin Holler: „Historische Vorläufer des modernen Anti[…]idmusbegriffs“ in Anti[…]ismus – Soziale und historische Dimensionen von „Z[Wort]“-Stereotypen, Heidelberg, 2015 hrsg. vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma. Online hier: http://www.sintiundroma.de/fileadmin/dokumente/publikationen/online/2015_Tagungsband_Antiziganismus.pdf

    Michael von der Recherchegruppe Maulwurf

  6. […] 1Die Verwendung des Begriffs „Antiziganismus“ wird abgelehnt; Vgl. Ecole Ústí (2014): …was zu benennen ist: Antiromaismus. 31.5.2014. Online: https://ecoleusti.wordpress.com/2014/05/31/was-zu-benennen-ist-antiromaismus/#comment-473. […]

  7. tapioka · · Antwort

    Als mensch mit jenischen Wurzeln erscheint mir der Begriff Antiziganismus als unausweichlich,da er gemeinsame Diskriminierungserfahrungen und historische Verbundenheit der verschiedenen Gruppen in den Vordergrund rückt und nicht sinnlos alle nonroma exkludiert. http://www.radgenossenschaft.ch/

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