Dokumentiert: „´Antiziganismus´‒ ein sinnvoller oder kontraproduktiver Oberbegriff?“ (Esther Quicker)

Folgender Text wurde uns freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt, wofür wir uns herzlich bedanken!

Aus:
Esther Quicker/Hans-Peter Killguss: „Sinti und Roma zwischen Ausgrenzung und Selbstbehauptung. Stimmen und Hintergründe zur aktuellen Debatte“
Beiträge und Materialien 7 der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus
Verlag NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Köln 2013
ISBN 978-3-938636-20-6
256 Seiten; € 12,90

erhältlich im Buchhandel, beim NS-Dokumentationszentrum Köln oder über http://www.mbr-koeln.de/materialien/ibs-veroeffentlichungen (hier findet sich das Bestellformular)

Cover

Esther Quicker

„Antiziganismus“ ‒ ein sinnvoller oder kontraproduktiver Oberbegriff?

Für den Komplex aus Denkweisen, Haltungen und Handlungen, die sich gegen Sinti, Roma beziehungsweise Menschen richten, die als „Zigeuner“ bezeichnet werden, ist bisher kein allgemein akzeptierter Begriff gefunden worden. Seit den 1980er Jahren wird die Bezeichnung „Antiziganismus“ in einem Teil der Veröffentlichungen zu diesem Thema benutzt.

Sie setzt sich aus der griechischen Vorsilbe „anti“, dem Substantiv „zigan“, das in mehreren europäischen Sprachen „Zigeuner“ bedeutet, und dem Suffix „-ismus“ zusammen. Letzteres kennzeichnet im Deutschen, im Zusammenhang mit Substantiven, meist „eine bestimmte Geisteshaltung oder politische Richtung“ und die damit verbundenen Verhaltensweisen. „Anti“ („gegen, entgegen“) drückt eine gegnerische Einstellung oder ablehnende Haltung gegenüber einer Person oder Sache aus.1 Demnach bedeutet der Terminus wörtlich „gegen Zigeuner gerichtete Verhaltensweisen, Anschauungen, Einstellungen und Haltungen“.2 In den folgenden Abschnitten werden Begriffsgeschichte und Grundzüge der Kontroverse kurz skizziert.

Aus kritischer Sicht wurde in den letzten Jahrzehnten vor allem auf folgenden Widerspruch hingewiesen: Während Befürworterinnen und Befürworter des Begriffs das Wort „Zigeuner“ übereinstimmend als Bezeichnung ablehnen, die abwertet und fälschlich homogenisiert, benutzen sie ihn zugleich in neuer Zusammensetzung, um eben diesen Vorgang anzuprangern.Gegen diese Praxis äußerte sich Filiz Demirova, Redakteurin der Zeitschrift „Der Paria“, auf einer Podiumsdiskussion in Berlin folgendermaßen:„Ich finde, allein schon der Begriff Antiziganismusforschung ist problematisch und diskriminierend. Die rassistische Fremdbezeichnung ‚Zigeuner‘ ist darin enthalten und dadurch findet eine ständige Reproduktion statt.“3

Verbreitung des Begriffs und politische Beweggründe

Der Ethnologe Bernhard Streck, der für diese und andere Äußerungen von der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma heftig kritisiert wurde, bestritt 1981 einen „Antitsiganismus“ [sic!] im Hinblick auf den Nationalsozialismus und führte den Begriff somit im deutschen Sprachraum ein. Er behauptete, die Verfolgung der „Zigeuner“ habe nicht auf „Antitsiganismus“ im Sinne einer rassistisch begründeten Feindlichkeit beruht, sondern nur auf sozialpolitische „Missstände“ abgezielt.4

Vor allem aus politischen Gründen wurde der Terminus seitdem in einigen Bereichen verwendet, da er als Äquivalent zum Begriff „Antisemitismus“ verstanden wurde und die Frage nach einer Gleichsetzung mit diesem, insbesondere nach der Gewichtung des nationalsozialistischen Völkermords an als „Zigeuner“ verfolgten Menschen, ins öffentliche Bewusstsein bringen sollte. Nicht zuletzt ging es dabei auch um die lange verweigerte Anerkennung der Ansprüche und Rechte der Überlebenden. Ziele wie die weitere Erforschung des Genozids waren ausschlaggebend dafür, dass Organisationen wie die Marburger „Gesellschaft für Antiziganismusforschung“, Mitglieder des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma sowie einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Terminus aufgriffen.

Dass die tieferen Gründe für die Verfolgung der Sinti und Roma nicht, wie es zuvor praktiziert wurde, in deren Verhalten oder Eigenschaften zu suchen sind, war ‒ unabhängig vom bevorzugten Fachbegriff ‒ eine der Prämissen einer bewussten Gegenbewegung zur „Zigeunerforschung“ oder „Tsiganologie“ seit den 1980er Jahren.5 Statt „Zigeunern“ sollte, ebenso wie in der Antisemitismusforschung, die ausgrenzende Gesamtgesellschaft im Zentrum der Betrachtung stehen.

Von einigen Wissenschaftlern, die vor dem beschriebenen Hintergrund maßgeblich zur weiteren Verbreitung des Begriffs „Antiziganismus“ beitrugen, wurden zugleich Bedenken dagegen geäußert. Der Historiker Wolfgang Wippermann griff den Neologismus 1997 in einer vielbeachteten Monographie auf, in der er Parallelen zum Antisemitismus zog und betonte, der „Antiziganismus“ sei im Gegensatz zu diesem nie hinterfragt worden. Er definierte Letzteren als historisch gewachsenes gesellschaftliches Phänomen, das „immer zum kulturellen Code der Mehrheitsgesellschaft gehörte“.6 Sein Ansatz war wegweisend, da er die historische Dimension, die Auswirkungen in der NS-Zeit und die gesellschaftliche Breite deutlich machte. In der Folgezeit äußerte Wippermann jedoch Zweifel am Begriff, da er eine „pejorative Fremdbezeichnung“ reproduziere.7

Deutlicher positionierte sich der Historiker Michael Zimmermann, der maßgebliche Beiträge zur Erforschung der Verfolgung von Sinti und Roma in der NS-Zeit und ihrer Vorbereitung durch polizeiliche Erfassungsmaßnahmen schrieb. Das Wort „Antiziganismus“ sei nicht dazu in der Lage, eine Gleichsetzung mit der Judenverfolgung zu begründen oder zu erreichen. Er sah überdies die Gefahr einer pauschalen Gleichsetzung mit dem Antisemitismus, bei der historisch bedeutsame Unterschiede ignoriert würden.8 Auch wenn man gerade im politischen Diskurs nicht auf Oberbegriffe verzichten könne, sei der Erklärungswert des „plakativen“ Begriffs „Antiziganismus“ sowie ähnlicher zusammenfassender Termini gering. Gerade in der Wissenschaft sollten ihm zufolge präzisere Begriffe bevorzugt werden.9

Weitere Argumente pro und contra

Während Filiz Demirova (s.o.) eine »ständige Reproduktion« des Zigeunerbegriffs durch den Terminus „Antiziganismus“ ablehnt und diese als »problematisch und diskriminierend« bezeichnet, argumentierte Markus End bei der genannten Podiumsdiskussion sowie in seinem Beitrag zu diesem Band (S. 56), „zigan“ beziehe sich in diesem Kontext nur auf das Konstrukt »Zigeuner«, d.h. auf eine gedankliche Konstruktion. Der Begriff sei „angebracht“, da die „Vorurteilsstruktur“ ein „Eigenleben“ führe und nur „sehr indirekt etwas mit Sinti und Roma zu tun“ habe, „vielmehr aber mit der Vorstellungswelt der Mehrheitsbevölkerung“.

Dem ist jedoch hinzuzufügen, dass im Zusammenhang mit »Antiziganismus« unweigerlich von Sinti und Roma als Betroffenen die Rede ist und der Begriff daher trotz gegenteiliger Absicht dazu beitragen kann, dass diese weiterhin im öffentlichen Bewusstsein mit »Zigeunern« gleichgesetzt werden  und tief verwurzelte Vorurteile weiterbestehen. Der vorherrschenden, auch von End vertretenen Definition zufolge umfasst „Antiziganismus“ nicht nur die Vorurteilsstruktur, sondern auch Erscheinungen wie Diffamierung, Diskriminierung und Gewalt. Anders als Bezeichnungen wie „Zigeunerbild“ bezieht sich der Begriff somit nicht nur auf Imaginäres. Vielmehr werden gedankliche Voraussetzungen und ihre Auswirkung auf die Realität von Menschen in ihrer Wechselwirkung betrachtet.

Der Gefahr, bei der Untersuchung dieser Fragen „einem durch seine historische Verwendung mit stereotypen Bildern verschränkten Terminus zu neuer Legitimität zu verhelfen und somit neue Verletzungen zu verursachen“, die „weder zu relativieren, noch wegzudiskutieren“ sei, ist sich Markus End bewusst: „Wenn ein Begriff, der in kritischer Absicht verwendet wird, um ein Ressentiment zu analysieren, selbst zu neuen Verletzungen beiträgt, ist er als untauglich zu verwerfen. Ob diese Gefahr sich realisiert, ob durch die Verwendung des Begriffs tatsächlich neue Verletzungen und Herabsetzungen erfolgen, können lediglich jene beantworten, die potenziell von dem Vorurteil betroffen sind.“10

Zudem ist der Begriff missverständlich, da „Ziganismus“ für sich betrachtet keine Bedeutung hat. Man könnte darunter sowohl das Festlegen von Menschen auf die Kategorie „Zigeuner“ verstehen als auch eine allgemeine politische Bewegung von „Zigeunern“, die es jedoch im Gegensatz zu Zusammenschlüssen der Roma wie der International Roma Union (IRU) nicht gibt.

Als Vorteil des Begriffs ist dagegen zu nennen, dass er andere in der NS-Zeit als „Zigeuner“ Verfolgte wie die Jenischen einbezieht, die sich nach eigenem Selbstverständnis und Kriterien wie der Sprache nicht den Sinti oder Roma zuordnen. Dessen ungeachtet beschäftigt sich die bisherige „Antiziganismusforschung“, einschließlich der Texte der in diesem Band genannten Historikerinnen und Historiker, neben den gedanklichen Voraussetzungen und literarischen Bildern, in erster Linie mit der Verfolgung von Menschen, die als Sinti und Roma benannt werden. Eine eingehendere Erforschung der Verfolgung unterschiedlicher Zielgruppen als „Zigeuner“ wäre, unabhängig von der Begriffsdebatte, wünschenswert. Die Frage, ob das Aufgreifen einer Bezeichnung, die verschiedene, in der NS-Zeit zusammenfassend betrachtete Gruppen einschließt, sinnvoll ist oder einer abzulehnenden Logik folgt, bleibt zu diskutieren.

Die Suche nach Alternativen

Seit einigen Jahren kommt der umstrittene Terminus in einer wachsenden Anzahl von Publikationen zum Einsatz. Dennoch gehen die Meinungen noch heute zwischen den Forschenden und innerhalb der Institutionen, die sich mit dem dadurch bezeichneten Phänomen befassen, auseinander.11

Die Einigung auf einen Oberbegriff wird durch verschiedene Auffassungen dazu erschwert, was er zusammenzufassen sollte. Manche unterscheiden dadurch eine rassistisch motivierte Form der Feindlichkeit von früheren, u.a. religiös begründeten, Formen.12 In einigen Beiträgen bezeichnet „Antiziganismus“ im engeren Sinn einen Vorurteilskomplex, der auf tradierten Zigeunerbildern basiert, in anderen Texten meint er im weiteren Sinn eine „Feindschaft oder Feindlichkeit gegenüber Sinti und Roma“, die diesen Vorurteilskomplex sowie die damit verbundenen Handlungsweisen einschließt.Manchmal wird er innerhalb einer Publikation sowohl im engeren als auch im weiteren Sinn verwendet.13

Sowohl in wissenschaftlichen als auch in journalistischen Texten werden die allgemeinsprachlichen Oberbegriffe „Feindlichkeit gegen Sinti und Roma“, „Romafeindlichkeit“ sowie, im Hinblick auf frühere Epochen, „Zigeunerfeindlichkeit“ gebraucht, die sich im Vergleich zu Fachtermini durch unmittelbare Verständlichkeit auszeichnen.

Ein Terminus, der unter anderem von Demirova und der Zeitschrift „Der Paria“ verwendet wird, ist „Antiromaismus“. Die Variante „Antiromismus“ wäre eine Alternative dazu, die den üblichen Wortbildungsprozessen entspräche, flüssig auszusprechen und lautlich nicht mit „Antiromanismus“ zu verwechseln wäre.14 Dem Argument, die Sinti würden mit diesen Komposita nicht berücksichtigt, ist entgegen zu setzen, dass auf dem Wortstamm „rom“ nicht nur der Name „Roma“, sondern auch die Bezeichnung der Sprache, „Romanes“, basiert, die für Sinti ein grundlegendes Identifikationselement darstellt.15

Ob das Phänomen mit „Rassismus“ gleichzusetzen ist, hängt von der Definition dieses Begriffs ab, die ebenfalls nicht einheitlich ist. Im engeren Sinn wird er meist als die Anschauung verstanden, bestimmte physische Merkmale seien mit nicht-physischen Charakteristika gekoppelt, aus denen sich eine Überlegenheit oder Unterlegenheit ihrer Träger ergebe.16 Rassismus als eine mit dem eigentlichen Begriff „Rasse“ verbundene Weltanschauung existiert insbesondere seit der Entwicklung vorgeblich wissenschaftlicher Rassetheorien im 19. Jahrhundert.17 Von einem „Rassismus ohne Rassen“, der ohne Berufung auf Rassetheorien bestimmte Gruppen vom Zugang zu Ressourcen wie Einkommen oder Bildung ausschließt, wird dagegen auch im Hinblick auf frühere Epochen gesprochen. Ebenso umfasst diese Definition heutige kulturalistische Ansätze, die von einer Unvereinbarkeit der Kulturen statt einer Überlegenheit bestimmter „Rassen“ ausgehen.18

Der Soziologe Albert Memmi schlug vor, auf das seines Erachtens überstrapazierte Schlagwort „Rassismus“ zu verzichten oder es nur im engsten Sinn für die Berufung auf rein biologische Unterschiede zu verwenden, da es um einen „Mechanismus“ gehe, „der unendlich mannigfaltiger, komplexer und unglücklicherweise auch stärker verbreitet ist, als der Begriff Rassismus im engen Wortsinne vermuten ließe.“ 19

Über die Begriffsdefinition hinaus

Wie Karola Fings schreibt, spielten in der bisherigen Begriffsdebatte „Animositäten und Konkurrenzen zwischen Autoren eine Rolle. Dabei geriet das Forschungsfeld oftmals aus dem Blick“.20 Trotz der Notwendigkeit der Suche nach einem allgemein akzeptierten Oberbegriff sollten die Inhalte nicht in den Hintergrund geraten, die weitere wissenschaftliche Bearbeitung und die öffentliche Diskussion dringlicher Themen dadurch nicht behindert werden.

Vor dem Hintergrund der oben dargestellten Argumente ist die Einführung eines neuen Fachterminus wie „Antiromismus“ ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Da bei allen dehnbaren Oberbegriffen die Gefahr besteht, dass sie durch inflationäre Benutzung an Schärfe und Definitionskraft verlieren, kann jedoch keine der möglichen Alternativen zu „Antiziganismus“ präzisere Termini ersetzen, anhand derer zwischen unterschiedlichen Phänomenen wie verbaler Herabwürdigung oder körperlicher Gewalt differenziert wird. Zudem müssen die länder- und epochenspezifischen Erscheinungsformen eingehender als bisher erforscht und beschrieben werden. Die Bezeichnung als „antiziganistisch“, „antiromistisch“ oder „romafeindlich“ reicht nicht aus, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu vertiefen, bei starker Voreingenommenheit neue Denkprozesse anzuregen oder politische Veränderungen zu bewirken.


 

1 Siehe http://www.duden.de/suchen/dudenonline/ismus und http://www.duden.de/suchen/dudenonline/anti, Zugriff: 05.08.2013; vgl. Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Bd. 1. Das Wort. Stuttgart/Weimar 2000, S. 277. Eisenberg zufolge bezieht sich das Suffix „-ismus“ auf „Syndrome von Verhaltensweisen und ihnen zugrunde liegende Anschauungen“.

2 Siehe u.a. rumänisch „ţigan“ (ausgesprochen „zigan“). Vgl. französisch „antitsiganisme“. „Gypsy“ im englischen Terminus „antigypsism“ geht auf eine andere Bezeichnung zurück als „ţigan“ oder „Zigeuner“ und wird als weniger pejorativ empfunden.

3 http://derparia.wordpress.com/2013/03/26/wer-spricht-in-der-antiziganismusforschung/, Zugriff: 17.10.2013. Demirova merkte ferner an, dass sie sich als Romni in ihrer Kritik am Begriff nicht ernst genommen fühle und die Debatte von Nicht-Roma dominiert sei.

4 Streck, Bernhard (1981): Die nationalsozialistischen Methoden zur „Lösung des Zigeunerproblems“, in: Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, 20, H. 78, S. 53. Siehe dazu Zimmermann, Michael (Hg.), Zwischen Erziehung und Vernichtung. Zigeunerpolitik und Zigeunerforschung im Europa des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 2007, 303f.

5 Zur „Tsiganologie“ siehe den letzten Beitrag dieses Bandes.

6 Wippermann, Wolfgang (1997): ‚Wie die Zigeuner‘. Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich, Berlin, S. 11. Fings, Karola (2012): Dünnes Eis. Sinti, Roma und Deutschland, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hg.): Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland; 14), Bremen, S. 13.

7 Wippermann, Wolfgang (2005): Was ist Antiziganismus?, in: Europäisches Zentrum für Antiziganimusforschung (Hg.): Was heißt Antiziganismus? Vorschlag einer wissenschaftlichen Begriffsbestimmung – aus verschiedenen europäischen Sichten, Working Papers 1/2, http://ezaf.org/down/IIIAZK19.pdf, Zugriff: 05.10.2013.

8 Zimmermann 2007.

9 Vgl. auch die kritische Betrachtung bei Bartel, Berthold P. (2008): Vom Antitsiganismus zum antiziganism [sic!]. Zur Genese eines unbestimmten Begriffs, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 60 (2008) H. 3, S. 193-212.

10End, Markus: Antiziganismus. Zur Verteidigung eines wissenschaftlichen Begriffs in kritischer Absicht, in: Bartels, Alexandra/Borcke, Tobias von/End, Markus (2013) (Hg.): Antiziganistische Zustände 2. Kritische Positionen gegen gewaltvolle Verhältnisse, Münster, S. 69ff.

11 Bspw. wird der zur Debatte stehende Oberbegriff in einigen Publikationen des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) verwendet; in anderen Kontexten werden dagegen bewusst allgemeine Bezeichnungen wie „Romafeindlichkeit“ oder spezifischere Unterbegriffe gewählt, etwa im Rahmen der durch das ZfA veranstalteten Konferenz “Antisemitismus, Roma-Feindlichkeit und Demokratie!” am 08.11.2012.

12 Vgl. die Kontroversen um die Ausweitung des Antisemitismus-Begriffs in: Bergmann, Werner (2006): Geschichte des Antisemitismus, München, S. 6-7.

13 Zur Bedeutung im weiteren Sinn siehe u.a. Wippermann 1997, S. S. 28-29, betrachtet den Begriff zunächst als nützlich, um „den von Grellmann in die Moderne tradierten Kanon an Stereotypen und Vorurteilen gegenüber ‚Zigeunern‘ zu charakterisieren“. Im Weiteren erweitert sie die Definition, indem sie anmerkt, dass er „weit über das hinausgeht, was sich mit Vorurteil, Feindbild oder Ressentiment fassen ließe“.

14 Üblich sind Bildungen, in denen das Suffix „-ismus“ an einen Wortstamm gehängt wird, wohingegen es bei „Antiromaismus“ nach der Pluralform „Roma“ steht (vgl. „Antisemitismus“ statt „Antisemitenismus“, „Rassismus“ statt „Rassenismus“). Zur lautlichen Ähnlichkeit zu „Antiromanismus“ vgl. Wippermann 2005, siehe Endnote 7.

15 Sie wird als wichtiges Identitätsmerkmal genannt, auch wenn sie nicht von allen gesprochen wird, die sich den Sinti und Roma zuzählen, vgl. Krausnick/Strauß 2008 (siehe Literaturliste), S. 52.

16 Vgl. Elwert, Georg: Ethnizität und Nation, in: Joas, Hans (2001): Lehrbuch der Soziologie, Frankfurt/Main, S. 259.

17 Von „Rasse“ zur Unterscheidung von Menschengruppen, begründet mit der „Reinheit des Blutes“, war jedoch schon vor der Entwicklung späterer einflussreicher Theorien die Rede. So wurde im Spanien des 16. Jh.s eine „jüdische Rasse“ anderen „Rassen“ gegenübergestellt, siehe Poliakov, Léon/Delacampagne, Christian/Girard, Patrick (1979): Über den Rassismus. Sechzehn Kapitel zur Anatomie, Geschichte und Deutung des Rassenwahns, Stuttgart, S.59. Für diesen Literaturhinweis danke ich Hans-Peter Killguss.

18 Eine eingehendere Diskussion unterschiedlicher Rassismus-Definitionen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Zu einem Rassismus ohne Rassekonzept siehe Stuart Hall (1989): Rassismus als ideologischer Diskurs. In: Das Argument Nr. 178. Zum kulturellen Rassismus siehe George M. Fredrickson (2004): Rassismus. Ein historischer Abriß. Hamburg.

19 Memmi, Albert (1992): Rassismus, Hamburg, S. 165-166.

20 Fings 2012, S. 29.

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5 Kommentare

  1. […] Hintergründe zur aktuellen Debatte“, (Quicker/Killguss, 2013) versucht Esther Quicker im Aufsatz „<Antiziganismus> – ein sinnvoller oder kontraproduktiver Oberbegriff?“ eine Zusammenfassung der bisherigen Debatte zum Begriff zu geben. Bemerkenswert ist dabei, dass auf […]

  2. Arndt, Susan: Die 101 wichtigsten Fragen – Rassismus.
    Erstens macht Arndt deutlich, dass sie Sprache als Handeln und eine rassistische Sprache damit als rassistischen Akt begreift. Arndt setzt sich mit vielen Begriffen auseinander; so erklärt sie, dass es problematisch ist, etwa von „Antiziganismus“ zu sprechen, weil dieser Begriff auf der rassistischen Benennung „Zi.“ beruht.1 Auf ähnliche Weise re- produzieren die Begriffe „Fremdenfeindlichkeit“ und „Ausländerhass“ die Vorstellung vom Fremden, Nicht-Zugehörigen.
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=19303&view=pdf

  3. Romaexpertenausweis

  4. Update Sep. 2015:
    Siehe dazu auch den Aufsatz von Martin Holler zur Rezeption in der Sowjetunion, online hier: http://www.sintiundroma.de/fileadmin/dokumente/publikationen/online/2015_Tagungsband_Antiziganismus.pdf

    Michael von der Recherchegruppe Maulwurf

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