Anhaltender Hass gegenüber Rom_nja in Tschechien [2019]

Zwei besorgniserregende Übergriffe auf die Rom_nja-Minderheit in Tschechien zeichnen ein brutales Bild der derzeitigen Situation der größten europäischen Minderheit. Es wird Zeit zu handeln!

1. Am 7.4.2019 kam es zu einem rassistischen Zwischenfall als ein Pärchen im Schlosspark von Lipník nad Bečvou (Tschechien) auf mehrere Rom_nja Kinder einprügelte und eines der Mädchen an den Haaren packte und sie als „schwarze Hure“ beschimpfte. Nicht alle der insgesamt acht Kinder konnten den Schlägen und Tritten in Brust und Gesicht ausweichen bzw. fliehen. Ein zwölfjähriger Junge erlitt eine Gehirnerschütterung, ein zwölfjähriges Mädchen Verletzungen an Wirbelsäule und Nase, sowie ein siebenjähriges Mädchen Verletzungen am Brustkorb. Die Eltern erstatteten am Sonntagabend Anzeige bei der Polizei. Anlass des Angriffs ist laut dem Romea Artikel vom 8.4.2019 ein Streit der 16-jährigen Tochter des Pärchens mit anderen Rom_nja Kindern des Ortes. Der Rom_nja News Server http://www.romea.cz berichtete in mehreren auch englischsprachigen Artikeln über diesen Fall. Mittlerweile beschäftigen sich unterschiedliche Akteure (Stadtverwaltung von Lipník nad Bečvou, Vertreter_innen der Zivilgesellschaft, der Anwohner_innen und der Polizei) mit dem Vorfall.

Am 11.4.2019 bestätigte die Polizei,  dass sie den Fall jetzt als Verbrechen untersuchen würde und nicht als Vergehen gegen das Zusammenleben der Bürger_innen. Die Staatsanwaltschaft wurde ebenfalls in den Fall einbezogen.

Darüber hinaus gab es mittlerweile ein Treffen des_der stellvertretenden Bürgermeister_in, der_dem Chef_in der tschechischen Polizei in Lipník, Vertreter_innen der örtlichen Polizei, der Regionalkoordinator_in für nationale Minderheiten, einer_m Vertreter_ der NGO „Menschen in Not“ aus Přerov und zwei weiteren Vertreter_innen der Rom_nja-Gemeinschaft. Aus der Regionaldirektion der Polizei der Tschechischen Republik war auch der_die Kontaktbeamt_in für nationale Minderheiten anwesend.

Die Kinder erhalten im Rahmen einer Krisenintervention Hilfe durch eine_n Psycholog_in.

Gegenüber dem Newsserver Romea.cz betonten die Eltern der betroffenen Kinder, dass sie keine Unterstützungsdemonstrationen wünschen und der Polizei unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft vertrauen, dass diese den Fall mit dem nötigen Ernst aufklären.

2. Wie http://www.romea.cz am 10.4.2019 berichtet, kam es am letzten Wochenende (6.4.2019) zu einer Anti-Rom_nja-Demonstration im mährischen Ort Dvorce bei Bruntál.

Anlass war die gewaltvolle Auseinandersetzung eines Ortsbewohners mit in der Gemeinde neu angekommenen Rom_nja am 4.4.2019. Zu dem Vorfall gibt es unterschiedliche, sich widersprechende Aussagen zu der tätlichen Auseinandersetzung die mit einem Verletzten endete. Die Polizei nahm zunächst drei Verdächtige 48 Stunden fest und ermittelt nun. Bei der am darauf folgenden Wochenende stattfindenden Demonstration bzw. Ansammlung sollen ca. 150 Dorfbewohner_innen in die Wohnung von Rom_ja gegangen sein. Zu dem Zeitpunkt sollen sich mehrere Kinder in dem Haus befunden haben. Im Ort befürchtet man nun die Eskalation der Situation. Die Familie, die in dem gestürmten Haus wohnte, hat die Gemeinde mittlerweile verlassen und wird wahrscheinlich nicht mehr zurückkehren.

Desweiteren wehren sich die Ortsbewohner_innen gegen die Behauptung, sie hätten die Rassist_innen gerufen, damit diese zum wiederholten Male eine Versammlung in ihrem Ort abhalten. Die Lebensgefährt_in des Verletzten soll laut der Zeitung „denik“ diese Forderung mit dem Wunsch keiner weiteren Demonstration unterstrichen haben.

Eine für den 13.4.2019 im Gemeinderat geplante Versammlung der Mitglieder des Stadtrats wurde überdies abgesagt, da man dadurch eine weitere Zuspitzung der Situation befürchtet. Thema sollte die problematische Situation der Besetzung beschädigter Häuser sein.

Im Dorf ist man mittlerweile etwas aufgebracht, da man weder große öffentliche Aufmerksamkeit noch „Xenophobie“ (Wortwahl http://www.romea.cz) unterstellt bekommen möchte.

Der Berichterstattung von http://www.romea.cz musz mensch jedoch die Frage gegenüberstellen, was hier wie zu bewerten ist, wenn nicht von Rassismus gesprochen werden soll. Ein Mob versammelt sich unter der Fahne Tschechiens und vertreibt eine Familie gewaltvoll, allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Minderheit der Rom_nja. Sie dient als Projektionsfläche für gesellschaftlich weit verbreiteten und internalisierten Hass gegenüber Rom_nja.

Für Samstag den 13.4.2019 ist zu befürchten, dass es zu weiteren Demonstrationen kommt.

Es ist Aufgabe der Regierungen aller Staaten, dieser lebensbedrohlichen Situation, in der sich Rom_nja nach wie vor befinden, etwas entgegenzusetzen! Wer hier schweigt stimmt eindeutig zu und gibt den Täter_innen Rückendeckung! Diese Übergriffe sind das Resultat einer in der Mehrheitsgesellschaft internalisierten Vorurteilsstruktur! Stoppt endlich die Diskriminierung, Verfolgung und Deportation von Rom_nja (in s.g. sichere Herkunftsländer)! Opre Roma!

Autor_in: Michael_a W. von der Recherchegruppe Maulwurf


Quellen:

 

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