Dokumentiert /// Intervention nötig: „Lesbische Romni mit Behinderung soll abgeschoben werden“ (RosaLinde Leipzig e.V.)

Lesbische Romni mit Behinderung soll abgeschoben werden

Der Asylantrag einer amputierten lesbischen Romni aus Albanien wurde als unbegründet abgelehnt.
Sie erhielt keinen Schutzstatus und ist nun akut von einer Abschiebung bedroht.
Durch einen Unfall mit einer Mine mussten der geflüchteten Frau in ihrer Kindheit beide Beine und
Teile einer Hand amputiert werden. Zudem erlitt sie schwerwiegende Verletzungen im Bauchraum.
Folgen sind kognitive und sprachliche Einschränkung, sowie eine schwere Posttraumatische
Belastungsstörung. Sie gehört zu der in Albanien massiv diskriminierten Minderheit der Roma. Ihre
Familie kommt aus einer ländlichen Region und ist sehr arm. Ihr blieben medizinische und
finanzielle Unterstützung für Menschen mit Behinderung sowie Bildung, trotz enormen eigenen
Einsatzes, fast gänzlich verwehrt. Prothesen erhielt sie von einer US-amerikanischen NGO.
Neben der Diskriminierung aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit wurde Frau M. dann Opfer
von Gewalt und Freiheitsberaubung, als ihre Familie von ihrer Homosexualität erfuhr. Sie wurde
von ihrer Familie wegen ihrer sexuellen Orientierung isoliert und misshandelt und hatte durch ihre
körperlichen Einschränkungen keine Möglichkeit, sich an die Polizei zu wenden. Die
Freiheitsberaubung der gewalttätigen Familie wertet das BAMF als „grundsätzlich wohlgesonnen
und (dass) sie die Antragstellerin nur eingeschlossen haben, um sie nach Auffassung der Eltern zu
schützen.“ In dieser Zeit unternahm Frau M. mehrere Suizidversuche. Sie erlebte auch in
Deutschland massive Gewalt als lesbische geflüchtete Frau mit Behinderung, die keine Sprache
außer Albanisch spricht. Sie kam mit einem angeblichen Unterstützer nach Deutschland. Dieser gab
sich hier als ihr Ehemann aus und sie erlebte körperliche und sexualisierte Gewalt,
Zwangsprostitution und Freiheitsberaubung in der Asylunterkunft. Immer wieder wandte sie sich an
die Sozialberatung und versuchte zu erklären, dass dies nicht ihr Mann sei und dass er ihr Gewalt
antue. Ihr wurde etliche Male der Schutz verwehrt und gesagt, es habe negative Konsequenzen, falls
sie dies nun dem BAMF mitteilen würde. Später sagte man ihr, man könne ihr nicht helfen, da sie
einen Ablehnungsbescheid habe. Sie beging einen weiteren Suizidversuch.
Ihre jetzige Unterkunft ist weiterhin nicht barrierefrei, einen Deutschkurs kann sie nur einmal
wöchentlich besuchen. Die psychische Situation von Frau M. gilt als überaus belastet und labil, sie
ist suizidal. Es liegt die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung (F43.1) vor. Zudem
befindet sie sich aufgrund des unsicheren Wohnverhältnisses, der fehlenden medizinischen
Versorgung sowie der drohenden Gefahr einer Abschiebung in einer anhaltend traumatisierenden
Situation. Bei Abschiebung wäre sie erneut von Gewalt durch ihre Familie, aber auch durch den
bereits abgeschobenen Täter bedroht. Trotz Gesetzen zum Schutz von Lesben, Schwulen,
Bisexuellen, Trans* und Inter* (LSBTI*) sowie Strategien zur Verbesserung von der
Lebenssituation von Roma, sind diese Personengruppen immer noch sehr diskriminiert in Albanien.
Sie wäre aufgrund der Vielzahl von Diskriminierungsmerkmalen Gewalt schutzlos ausgeliefert und
zudem von Verwahrlosung bedroht.
Der Fall von Frau M. zeigt eindrücklich, dass es für Menschen aus sog. sicheren Herkunftsländern
schier unmöglich ist, einen Schutzstatus in Deutschland zu bekommen, obwohl ihre konkrete
Situation nachgewiesenermaßen nicht sicher ist.
Wir appellieren an die zuständigen Behörden eine Abschiebung der schwer traumatisierten und
eingeschränkten lesbischen Romni zu verhindern.

Queer Refugees Network Leipzig – RosaLinde Leipzig e.V. – Lange Straße 11 – 04103 Leipzig
Mail: refugees@rosalinde-leipzig.de – Telefon: 0341-392946722

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ein Kommentar

  1. […] Wir berichteten im Oktober über die Ablehnung ihres Asylbescheids. […]

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