Tschechien: Ende der Schweinemast auf ehemaligem KZ Gelände rückt in nahe Zukunft – Free Lety – für ein würdiges Gedenken!

Aktuell berichten spiegel.de und die taz über den geplanten Verkauf und somit die Schließung der Schweinemastanlage in Lety bei Písek. Dort befand sich zwischen 1942 und 1943 ein Konzentrationslager ausschließlich für (Sinti_ze und ) Rom_nja.

Bild: Proteste im Mai 2017 auf historischem Grund

Spiegel vom 8.8.2017: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tschechien-schweinemast-in-frueherem-kz-lety-endet-a-1161805.html

taz vom 3.8.2017: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5432068&s=lety/

weiterer Artikel von der taz vom 3.8.2017: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5432185&s=lety/

Wir von ecoleusti begrüßen die neuesten Entwicklungen und hoffen inständig, dass es endlich einen würdigen Gedenkort für die Opfer des Porajmos geben wird!

Des Weiteren hier noch die Pressemitteilung der Gruppe gegen Antiromaismus Dresden:

*Ehemaliges KZ Lety/CZ: Würdige Gedenkstätte in greifbarer Nähe!**
**Ende der Schweinemast auf Gelände des Roma-Holocaust endlich in Sicht**
**
**Nach jahrzehntelangen Kämpfen ist ein baldiges Aus für die
Schweinemastanlange in Lety nun in greifbarer Nähe. Am Montag teilte der
tschechische Kulturminister Herman eine Einigung mit den Eigentümern der
Anlage mit. Demnach stimmten sie einem Verkauf zu und nannten einen
konkreten Kaufpreis, den Herman als "fairen Deal" bezeichnete. Im
September soll eine Abstimmung im tschechischen Parlament den Weg frei
machen für die Unterzeichnung des Kaufvertrages und die Errichtung einer
würdigen Gedenkstätte.*

Jan Feldmann, Pressesprecher der Gruppe Gegen Antiromaismus, erklärt
hierzu: "Damit scheinen sich die hartnäckigen und mitunter unbequemen
Kämpfe um das KZ Lety endlich auszuzahlen. Wir begreifen uns als Teil
der Protestbewegung, die nicht locker gelassen hat und dieses Thema
immer wieder auf die Tagesordnung setzte. Jetzt muss auch die deutsche
Regierung endlich ihre Verantwortung übernehmen und sich finanziell am
Kauf beteiligen." Die Gruppe Gegen Antiromaismus hatte zuletzt im Mai
eine Gedenkfahrt nach Lety organisiert.

Laut Kulturminister Herman war es eine Bedingung der Eigentümer, dass
der Kauf noch vor den Parlamentswahlen in der Tschechischen Republik
Ende Oktober vonstatten geht. Die Verantwortung für die Konzeption und
Verwaltung der künftigen Gedenkstätte soll an das Museum für Roma-Kultur
in Brno in Zusammenarbeit mit dem "Komitee für die Entschädigung der
Opfer des Roma-Holocausts" übertragen werden. Das Komitee veranstaltet
seit langem die jährliche Gedenkveranstaltung in Lety und organisiert
viele Nachkommen von Roma, die dort ermordet wurden. Eine Sprecherin des
Museums für Roma-Kultur begrüßte die Entwicklung und kündigte eine
breite Debatte darüber an, wie eine angemessene Gedenkstätte aussehen
sollte.

Das ehemalige Konzentrationslager Lety war 1939 als so genanntes
„Strafarbeitslager“ errichtet worden. Im Rahmen des Programmes
„Vernichtung durch Arbeit“ wurde es später unter deutscher Verantwortung
und unter Aufsicht tschechischer Behörden zu einem Lager speziell für
Romafamilien. Die Inhaftierten wurden zur Arbeit gezwungen und unter
schlechtesten hygienischen Bedingungen verwahrt. Etwa 300 Kinder waren
im Lager. Die meisten von ihnen starben. Das bewusste Aushungern und
Auspressen der menschlichen Arbeitskraft schwächte die Inhaftierten so
sehr, dass im Winter 1943 eine Thyphusepidemie ausbrach, der Viele zum
Opfer fielen. Diejenigen, die überlebten, wurden nach Auschwitz-Birkenau
deportiert und dort von den Deutschen ermordet. 1972 wurde auf dem
ehemaligen Lagergelände eine industrielle Schweinemastanlage errichtet,
die ein angemessenes Erinnern bis heute verhindert.

Der Status Letys als Konzentrationslager wurde in der Vergangenheit
immer wieder von tschechischen Politikern in höchsten Positionen
geleugnet. Den beständigen Protesten tschechischer Romaorganisationen
ist es zu verdanken, dass solche Positionen mittlerweile nicht mehr
problemlos öffentlich geäußert werden können. Seit Jahren werden von
ihnen jedes Jahr im Mai Gedenkveranstaltungen auf dem Gelände
organisiert, an denen sich auch die diplomatischen Vertretungen vieler
europäischer Staaten beteiligen.

Jan Feldmann erklärt weiter: "Dass diese unsägliche Schweinmastanlage
über vierzig Jahre an dem Ort eines Konzentrationslagers für Roma stehen
konnte ist ein Skandal. Gleichzeitig ist diese Tatsache jedoch auch ein
gesamteuropäisches Symbol für die mangelnde Anerkennung und Aufarbeitung
des Roma-Holcausts. Mit dem Aufkauf des Geländes und dem Errichten einer
würdigen Gedenkstätte kann in Lety die Auseinandersetzung mit diesem
historischen Verbrechen wie auch mit der fortdauernden Diskriminierung
von Sinti und Roma in Europa beginnen."

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung unter
solidarity_not_charity@riseup.net

Weitere Hintergrundinformationen zu Lety:
http://gegenantiromaismus.org/free-lety/

Weitere Presseartikel:
-
http://www.radio.cz/de/rubrik/tagesecho/ehemaliges-roma-kz-lety-gruenes-licht-fuer-aufkauf-des-mastbetriebs
-
http://diepresse.com/home/ausland/welt/5261499/Tschechien_KZGedenkstaette-statt-Schweinezucht
-
http://www.radio.cz/en/section/curraffrs/culture-minister-sale-of-lety-pig-farm-is-done-deal
-
http://www.czech.cz/de/Aktuality/Culture-minister-sale-of-Lety-pig-farm-is-done-dea

 

Opre Roma!

Michael_a von der Recherchegruppe Maulwurf

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