Dokumentiert: „Der verschwiegene Bürgerkrieg. Gewalt und Repression gegen Roma in Europa“ (Luis Liendo Espinoza)

Von: Luis Liendo Espinoza

Einleitung
2009 schrieb ich meinen ersten Artikel zu Pogromen und Angriffen auf Roma in Ungarn und der Tschechischen Republik. 2010 folgte ein weiterer kurzer Artikel zu der Situation der Roma in Kosovo, welche Ziel von schweren Angriffen durch albanische Nationalisten wurden und 1999 wider besseren Wissens auf ein von Blei vergiftetes Gelände untergebracht wurden. 2006 hatten mindestens 40 Kinder aus diesem Lager mit Bleivergiftungen zu kämpfen, die Symptome waren u.a. Erbrechen, Erinnerungsverlust, Krämpfe. Weitere mögliche Folgen sind ein frühzeitiger Tod und irreversible Hirnschäden. Mindestens ein Kind starb an den Folgen der Bleivergiftung. Im Zuge der weiteren Recherche wurde mir bald klar, dass Repression und Gewalt gegen Roma ein Fass ohne Boden ist. Dachte ich 2009 noch, die pogromartigen Ausschreitungen in Litvinov wären eine Ausnahme, so wurde ich bald eines besseren belehrt. Die penible und umfassende Sammlung an Daten, Berichten und Zeugenaussagen durch das ERRC, Menschenrechtsorganisationen und die entsprechenden Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte werfen ein schreckliches Licht auf die tatsächliche Situation der Roma in Europa.
Das Ziel der Arbeit war es einen sachlichen Mangel in der deutschsprachigen und internationalen Diskussion um die Situation der Roma in Europa aufzuzeigen: Erstens ist das konkrete Ausmaß der Gewalt gegen Roma nur wenigen Experten bekannt. Die Masse der Quellen ist nur in Englisch verfügbar, daher galt es einmal, die Geschichte der Gewalt gegen Roma überhaupt einmal sachlich zu ordnen und einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Dazu verfasste ich eine Chronik der Pogrome und Mobgewalt in Europa und eine Chronik schwerer Polizeigewalt gegen Roma (welche nach meiner Einschätzung allerdings nur einen beschränkten Teil der tatsächlichen Zahl an Übergriffen dokumentiert). Basierend auf Berichten und Meldungen von NGOs und Medien komme ich ferner zum Schluss, dass die Situation der Roma in Europa mit Begriffen wie Diskriminierung, Übergriff oder Ausgrenzung nicht adäquat beschrieben ist. Roma in Europa werden nicht allein in bestimmten sozialen Bereichen benachteiligt, sondern systematisch isoliert, degradiert und entrechtet. So werden sie vogelfrei und zum Ziel von Gewalt durch zivile und legale Akteure. Der entsprechende Begriff lautet: Verfolgung.Die Verfolgung der Roma in Europa ist eine jahrzehntelange Tatsache, ein Ende der Gewalt und Repression ist nicht in Sicht.
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