Dokumentiert: „Die mit den Löwen kämpfen. Von der Ignoranz der deutschen Asylpolitik und denen, die ihr widerstehen.“ (Hannah Greimel)

HANNAH GREIMEL (Dossier)
Die mit den Löwen kämpfen. Von der Ignoranz der deutschen Asylpolitik und denen, die ihr widerstehen.
Onlinequelle: www.weiterdenken.de

„Ich weiß nicht warum, aber ich glaube wir läuten das ein. Ich weiß nicht woher, aber
irgendwas hat uns verpflichtet, dass wir uns damit jetzt befassen. Die haben uns in diese
Löwengrube geschmissen, wir haben mit Löwen gechillt und sind als Löwen wieder
zurückgekommen.“ Kefaet Prizreni

Dies ist kein Text der Hoffnungslosen.
Was nun folgt lässt sich nicht ohne die jahrhundertelange Verfolgung der Rom_nja ver-
stehen. Es lässt sich nicht erzählen, ohne auf die Entwicklung des Kosovo, die aktuelle
Instabilität dieses Landes und die deutschen Verwicklungen darin einzugehen. Und auch
nicht, ohne die vergangenen Asylrechtsverschärfungen der Bundesrepublik so wie ihre
Konstruktion sogenannter „Sicherer Herkunftsstaaten“ zu beschreiben. Und doch lässt
sich diese Geschichte nicht so richtig einordnen, sie erstaunt, sie begeistert und verblüfft.
Sie ist wirklich passiert und passiert immer noch.
Der Kosovo ist ein Land im Südosten Europas und sein jüngster Staat, in dem jede_r
Dritte unter der Armutsgrenze lebt. Während des 19. Jahrhunderts verliert das
Osmanische Reich große Gebiete an Österreich-Ungarn. Die Osman_innen werden neben
dem Verlust anderer Gebiete auch aus Südosteuropa vertrieben. Der Kosovo gehört
zunächst zu Serbien und Montenegro und ist damit Teil des sich 1918 gegründeten
ersten jugoslawischen Staates. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehört er zur jugoslawischen
Föderation.
1985 verliert das Land durch das Einwirken von Serbien seinen Autonomiestatus.
Infolgedessen werden Kosovo-Albaner_innen ausgegrenzt, was die
Institutionalisierung paralleler albanischer Verwaltungs- und Bildungsstrukturen
zur Folge hat. Die nationalistische Regierung von Slobodan Miloševićstoppt ab 1989
schließlich alle unterstützenden Subventionen für den Kosovo. Durch die Wirtschaftskrise der
1980er und 90er Jahre radikalisiert sich die prekäre Situation des Kosovo zusätzlich.
Die Familie Prizreni lebt zu dieser Zeit in Prizren, einer Stadt im Süden des Landes.
Sie sind Rom_nja, eine Gruppe, die unter rassistischer Diskriminierung leidet. Gerade
diese Minderheit bekommt die steigende Instabilität des Landes am stärksten zu spüren:
Rom_nja werden enteignet, aus ihren Häusern vertrieben oder von
Kosovo-Albaner_innen abgeschlachtet. Die Prizrenis fliehen 1988 mit ihren beiden Kindern,
Hikmet und Kefaet nach Essen, Deutschland. Dort wird auch ihr dritter Sohn, Selamet, geboren.
Ihre ersten Jahre sind geprägt von vielen Umzügen in unterschiedliche Übergangsheime.
Eine Asylunterkunft folgt dem nächsten. Schließlich erhält die Familie eine Aufenthalts-
erlaubnis, die sie von der Residenzpflicht entbindet und ihnen ermöglichte eine eigene
Wohnung zu ziehen. Die Eltern arbeiten, die drei Kinder gehen zur Schule.Im Kosovo
beginnen Ende der 1990er Jahre unterdessen kriegerische Auseinandersetzungen
zwischen serbisch dominierten, jugoslawischen Streitkräften und der UÇK, der
albanisch-nationalistischen Miliz, die mit Überfällen, Vertreibungen und Massenmorden
einhergehen.
Weiterlesen hier
———————–
Herausgeberinnen: Kathrin Krahl und Antje Meichsner, Projekt RomaRespekt,
Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen,
Schützengasse 18, 01067 Dresden
Lektorat und Layout: Antje Meichsner
Erscheinungszusammenhang: Dieser Aufsatz erscheint als Preview auf den Band
„Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege. Lokalrecherchen zu Antiromaismus –
mit Texten von und über Roma und Romnja, Sinti und Sintezze in Sachsen und
Sachsen-Anhalt,“ voraussichtliches Erscheinungsdatum: Mai 2016
Erscheinungsort: http://www.weiterdenken.de, Dresden
Erscheinungsdatum: Februar 2016
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