Dokumentiert: Balkan-Projektreise

Balkan-Projektfahrt

Tag 1

Die Fahrt führt von Leipzig über München weiter nach  Ljubljana, dann Zagreb bis Srebrenica. Die Ankunft ist für den späten Abend geplant. Am Morgen des 26. Dezember steht der Besuch der Gedenkstätte in Potocari auf dem Plan.
Tag 2
Besuch der Gedenkstätte Potocari und Srebrenica
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Das Massaker von Srebrenica war ein Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs.
Er sei bereit, die Trauerfeier am 11. Juli 2015 zu besuchen, sagte Serbiens Präsident Tomislav Nikolić. Doch weder er noch andere Mitglieder der serbischen Regierung sind bereit, das Wort auszusprechen auf das die Muslime seit Jahren warten: Völkermord.
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Doch die Wahrheit muss man ertragen!
Weit über 8000 muslimische Jungen und Männer wurden im Juli 1995 im bosnischen Srebrenica von fanatisierten Serben ermordet – es war das größte Massaker in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und der einstige Militärchef Ratko Mladic gelten als Hauptver­antwortliche für den Genozid.
Bereits abgeschlossene Prozesse vor internationalen Gerichten haben gezeigt, dass die Verbrechen nicht spontan erfolgten, sondern systematisch geplant und durchgeführt wurden. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (UN-Kriegsverbrechertribunal) in Den Haag bezeichnete das Massaker in den Urteilen gegen Radislav Krstić, Vidoje Blagojević, Dragan Jokić, Ljubiša Beara und Vujadin Popović als Völkermord. Ende Februar 2007 bewertete der Internationale Gerichtshof das Massaker ebenfalls als Völkermord. Aufgrund eines russischen Vetos scheiterte 2015 eine Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die die Geschehnisse als Völkermord bezeichnete.
Wir sagen: Es war Völkermord!
Die niederländischen Soldaten der UN-Schutztruppe scheiterten damals an der Aufgabe, die Zivilisten zu beschützen. Serbien scheitert heute an der Aufgabe, das Ausmaß des Leides anzuerkennen, das den bosnischen Muslimen durch die bosnischen Serben angetan wurde. Eine geplante UN-Resolution, die das Leugnen des Genozids verurteilt, wird von Serbiens Regierung abgelehnt. Die Hervorhebung muslimischer Opfer behindere den Versöhnungsprozess, so Serbiens Präsident.
Viele Vereine möchten bekannt(er) werden, gleichzeitig aber nicht auffallen, – vor allem nicht politisch!
Ja nichts tun oder sagen, was irgendjemandem missfallen könnte. Mit vorauseilendem Gehorsam das Wohlwollen von Behörden, SpenderInnen und PolitikerInnen erkaufen. Ängstlichkeit und manchmal richtige Angst diktieren ihr Verhalten. Angst allein macht nicht glücklich. Man muss etwas wagen, um etwas zu erreichen.
Darum, besuchten unsere Mitglieder der Balkan- Projektfahrt die Gedenkstätte in Srebrenica!
Um der Opfer zu gedenken und um politisch Stellung zu beziehen!
Es folgte eine Führung durch die Innenstadt von Srebrenica.  Dann ging es weiter nach Montenegro ins Flüchtlingslager Konik, Albanien und in das Romaslum Fushe Kosove im Kosovo.
Tag 3
Von Sarajevo nach Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro
Gestern Abend waren wir vor unserer verdienten Nachtruhe noch einmal in der Stadt Sarajevo unterwegs und der Weg führte uns zu dem Ort wo Prinz Ferdinand erschossen wurde.
Beim Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, bei ihrem Besuch in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der serbisch-nationalistischen Bewegung Mlada Bosna, ermordet. Das Attentat in der bosnischen Hauptstadt löste die Julikrise aus, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führte.
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Aus Anlass des 100. Jahrestages des Attentates und des quasi „Beginn“ des 1. Weltkrieges fand im Jahr 2013 das internationale „Peace Event“ in Sarajevo statt. Auch die Mitglieder der heutigen Balkan- Projektreise, Ricky Burzllaff und Stephan Bosch waren dabei, um ein klares Zeichen für den Frieden zu setzen.
Das Peace Event, welches in Sarajevo stattfand, war ein Treffpunkt für all jene, die Frieden und aktive Gewaltfreiheit leben. Es war Gelegenheit, um die Erfolge und Herausforderungen im Hinblick auf Frieden und Gewaltfreiheit in Europa zu reflektieren und zu diskutiert. Im Rahmen des Events wurde eine Vielzahl von Aktivitäten durchgeführt. Dazu zählten Vorträge, Plenumsdiskussionen, Workshops sowie ein Friedensmarsch und ein internationales Jugendcamp.
Doch nun fahren wir weiter nach Konik, einem Stadtteil von Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro. Der Stadtteil Konik gilt als Problemviertel. Arbeitslosigkeit und Armut sind Alltag für viele seiner Bewohner, die zum Großteil sozial benachteiligt oder Flüchtlinge aus anderen Balkanstaaten sind. Die Jugendlichen im sozialen Brennpunkt Konik werden schon früh mit Drogen, Kriminalität und Alkohol konfrontiert. Die Arbeitslosigkeit dort ist höher als in anderen Stadtbezirken, Perspektiven rar gesät.
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Unser Ziel sind die am Rande des Stadtteils nebeneinander liegenden zwei Flüchtlingscamps. Für die dort lebenden Flüchtlinge ist die Situation noch schlimmer als im umliegenden Stadtviertel. Die Mehrheit der Flüchtlinge sind Roma, die 1999 aus dem Kosovo vor dem Krieg flohen. Um die 1.600 Menschen (mit Umgebung der Camps etwa 2.600 Personen) leben ein Jahrzehnt nach der Flüchtlingswelle in den beiden Camps Konik I und II in Holzbaracken und Containern, die nach einem Großbrand 2012 aufgestellt wurden. Zwischen den Behausungen liegt überall Plastik, Holz, Papier und Müll. Viel davon stammt von der angrenzenden Müllkippe, auf der die Bewohner des Camps nach Metallen und anderen zu verkaufenden Materialien suchen. Die meisten der Flüchtlinge haben nämlich keine Arbeitserlaubnis, da sie keinen legalen Aufenthaltsstatus in Montenegro haben. Auch in anderen Lebensbereichen erfahren die Roma Ausgrenzung, dies beginnt mit den Kindern und Jugendlichen in der Schule.
In beiden Flüchtlingslagern fehlt es an grundlegender Infrastruktur. Die wenigen sanitären Anlagen sind heruntergekommen, die selbstgezimmerten Holzverschläge und Baracken schützen unzureichend vor den harten Wintern. Nicht alle Blechdächer der Häuser und Hütten sind dicht und halten das Innere trocken.
Einige Hilfsorganisationen, wie Help e.V., welche wir seit Jahren mit unterstützen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen in Konik zu helfen und ihre Lebenssituation und Zukunftsperspektiven zu verbessern. So werden neben sozialen Projekten für die Bewohner der Camps nun auch Häuser für die Familien gebaut, die ihre Unterkünfte beim Großbrand in Konik I verloren.

DANKSAGUNG direkt aus den Roma- Flüchtlingslager – Konik, in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros

Einige Mitglieder des jungen Leipziger Vereins „Verantwortung für Flüchtlinge e.V.“ unterstützen seit einigen Jahren, also auch schon vor der Gründung des Vereins, in Zusammenarbeit mit der NGO „Help e.V.“, die Bewohner des Flüchtlingslagers Konik in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros. Der Großteil der Flüchtlinge flohen 1999 während des Krieges aus dem Kosovo und leben seitdem ohne ausreichende Wasser- und Stromversorgung in Holzbaracken bzw. Containern mitten im sozialen Brennpunkt Konik. Die Mehrheit der Flüchtlinge sind Roma, welche auf allen gesellschaftlichen und staatlichen Ebenen in Montenegro diskriminiert werden, was wiederum eine Auflösung des Flüchtlingslagers laut Help e.V. zusätzlich erschwert. Die Menschen im Lager haben kaum eine hoffnungsvolle Zukunft, da es nur selten Möglichkeiten gibt, Bildungsabschlüsse zu erreichen, eine Arbeit zu finden und die Familie zu ernähren. Der Alltag der spielenden Kinder auf den Müllkippen, um die das Flüchtlingslager erbaut wurde, ist trist: Ausgrenzungen sowohl in den Schulen als auch auf den Straßen bei Freizeitaktivitäten sind stets sehr ausgeprägt vorhanden.
Aus diesem Grund hat „Verantwortung für Flüchtlinge e.V.“ die NGO „ Help e.V.“ bei ihrem Programm „Hilfe zur Selbsthilfe“ Anfang diesen Jahres (2015) unterstützt, indem eine Roma-Kinderfußballmannschaft aus dem Flüchtlingslager Konik mit neuen Trikots, Schuhen, Hosen und Fußbällen ausgestattet worden ist. Auch der Fußballplatz wurde gesäubert und mit aus Leipzig mitgebrachten Toren neu errichtet. Zusätzlich erhielt der örtliche Kindergarten neue Spielsachen wie Lego und Playmobil.

In Rahmen der jetzigen Balkan- Projektreise wurden dringend notwendige Sportsachen für 162 Grundschulkinder des Romaflüchtlingslagers, welche für den Sportunterricht gedacht sind, heute Vormittag in Konik überreicht.
Benötigt wurden weiße Sport-T-Shirts, schwarze kurze Sporthosen und Hallenschuhe. Der Mehrwert für die Kinder der Grundschule bezüglich des Erhaltens der Sportausrüstung ist unbezahlbar! Der tatsächliche Geldbetrag der Sportkleidung kann jedoch mit 3200 Euro beziffert werden.
Zusätzlich überreichten die Mitglieder unseres Vereins einen Bertag von 400 Euro an Help e.V.

Ein wichtiger Augenmerk liegt für Help e.V. auf dem Zugang zu Bildung für Kinder und Jugendlichen, um mit einem Schulbesuch und -abschluss ein Fundament für eine bessere Zukunft der jungen Menschen zu legen. Dies unterstützen wir, der Verantwortung für Flüchtlinge e.V. im Rahmen unserer Möglichkeiten sehr gern. Bildung beginnt aber schon im Kindergarten, darum übereichten wir dem ansässige Kindergarten heute auch neues Spielzeug (z.B. Playmobil und Lego) und die größeren Kinder des Flüchtlingslager erhielten neue Sportbälle.

Wir, die Mitglieder des Verantwortung für Flüchtlinge e.V. sowie der Initiative „Leipzig Korrektiv“ wollen dies gemeinsam zum Anlass nehmen, um mit dieser Nachricht aus Konik in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, uns für das entgegengebrachte Vertrauen, die großzügige Unterstützung unserer Projekte und die angenehme Zusammenarbeit mit Euch, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, liebe Sympathisantinnen und Sympathisanten, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer als auch liebe Spenderinnen und Spender von ganzem Herzen zu bedanken. Ohne Euch wäre dies alles nicht möglich gewesen.

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Danke sagen die MitarbeiterInnen von Help e.V. und vor allem aber die Kinder der Grundschule und des Kindergartens im Flüchtlingslager!

Wo findet man heute nach Montenegro abgeschobene Kinder aus Deutschland … sprichwörtlich „auf der Müllkippe“, des Roma- Flüchtlingslager in Konik, einem Stadtteil von Potgorica, der Hauptstadt von Montenegro. Vielleicht hilft dies unseren Bundestagsabgeortneten einmal über das nachzudenken, was sie angerichtet haben, als sie die Staaten von Ex- Jugoslawien zu sogenannten „Sicheren Herkunftsländern“ machten und so die Zukunft vieler Kinder zerstörten.

Gestern noch in Konik, so führt uns heute die Balkan- Projektfahrt in das Kinderheim „Rreze Dielli“ (Sonnenstrahlen) nach Peza, nahe Tirana, der Hauptstadt Albaniens.

Auf den ersten Blick wirken sie wie alle anderen Kinder auch: fröhlich und liebenswert. Wenn man aber einen Blick auf ihre Lebensgeschichte wirft, merkt man, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass sie ihr Lachen nicht verloren haben. Die Kinder haben nämlich etwas gemeinsam: Sie leben alle im Kinderheim Rreze Dielli (Sonnenstrahlen), sind unehelich geboren, haben Vater und Mutter schon früh verloren oder wurden aus Verzweiflung ausgesetzt. „Wir haben Kinder in Peza kennengelernt“, sagte Ricky, „deren Eltern erschossen worden sind, und Kinder, die von ihrer Familie nicht mehr ernährt werden können. Leider muss bei einigen Kindern sogar der Aufenthaltsort im Kinderheim vor der Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werden.“

Die Kinder im Kinderheim sind zum Teil gerade mal 3 oder 4 Jahre alt. Andere machen eine schulische Ausbildung. Einerseits bietet das Kinderheim zur Zeit 9 Waisenkindern eine 24-h-Versorgung mit Übernachtung an. Die restlichen Kinder sind lediglich tagsüber im Heim, über Nacht nächtigen sie jeweils bei ihrer Familie. Im Tagesprogramm stehen vielfältige Bildungs- und Spielmöglichkeiten, aber auch eine Ausbildungsmöglichkeit zum Schreiner. Besonders bemerkenswert: Die Kinder bauen zwar mit Fachkräften zusammen neue Holzhütten für die Freizeitgestaltung, diese müssen sich aber den Ideen der Kinder unterordnen. Man schenkt den Heimbewohnern eine große Menge Vertrauen in ihre persönliche Entwicklung. Die Kinder werden ihrem Alter entsprechend gefördert und wachsen in einer familiären Atmosphäre auf. So empfangen sie grundlegende Hilfe und eine Hoffnung für die Zukunft.

Das Kinderheim Rreze Dielli hat im Jahr 2000 in Albaniens Hauptstadt Tirana seine Türen geöffnet. Seitdem haben viele Kinder einen Teil ihres Lebens da verbracht. Einige konnten unterdessen wieder in ihre Familien zurückkehren. Seit kurzer Zeit leben nun alle auf der neuen Station in Peza. Dies ist ein kleines Dorf auf dem Land. Die Kinder haben dort mehr Platz und leben in einem besseren Klima.

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Insgesamt versucht die Projektgruppe um das Kinderheim mit sehr wenig Geld effiziente und professionelle Strukturen zu schaffen, was ihr auch gelingt. Geld spielt für Rreze Dielli nicht die wichtigste Rolle, dennoch ist ohne Geld ein solches Projekt nicht möglich. Deshalb haben sich alle Kinder und Mitarbeiter riesig über die von Ralph Rüdiger überreichte Spende in Höhe von 2600 Euro sowie die von ihm mitgebrachten Süßigkeiten gefreut.

6. Tag
Fushë Kosova
In Fushe Kosova wurde vom eingegangenen Spendengeld Brennholz gekauft und zusammen mit Winterkleidung sowie mitgebrachten Decken an die Patenschaftsfamilien übergeben. Es gab ein Gespräch mit unserem Partner vor Ort, Herrn Kushtrim Avdimetaj, welcher seit November für uns in Fushe Kosove arbeitet. Wir sprachen über die Fortsetzung des Projektes in Fushe Kosove und traten in Kontakt mit aus Deutschland abgeschobenen Flüchtlingen, welche zumeist Roma sind.  Es gab eine erste Beratung durch Stephan von der Initiative „Leipzig Korrektiv“, um zu klären, inwieweit die Abschiebungen aus Deutschland rechtens waren.
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Bezüglich der schrecklichen Lage der Roma und der Ashkali in Fushë Kosova berichtet nun der Partner und Mitstreiter des „Verantwortung für Flüchtlinge e.V.“, Herr Max Brym. Er ist auch Mitglied der Redaktion von Kosova Aktuell und hat uns diesen Beitrag zur weiteren Veröffentlichung und Verbreitung zur Verfügung gestellt (dieser Beitrag darf ausdrücklich von weiteren Pressevertretern verwendet werden).
Max Brym schreibt: „Die Bundesregierung schiebt massenhaft Menschen nach Kosova, Albanien, Montenegro und Mazedonien ab. Angeblich handelt es sich bei den genannten Staaten um „sichere Herkunftsländer“. Täglich fliegen Flugzeuge mit abgeschobenen Menschen von bundesdeutschen Flughäfen aus in die Region. Dolmetscher und Bundespolizisten begleiten die zwangsweise Abgeschoben. In meinem Artikel geht es in erster Linie um die Lage der in Kosova lebenden Roma. Thematisiert wird insbesondere die schreckliche Lebenssituation von Roma und Ashkali in Kosova. Kurz muss allerdings auf die allgemeine soziale Katastrophe in Kosova hingewiesen werden . In Kosova müssen derzeit 18% der Menschen in extremer Armut, mit weniger als einem Euro pro Tag ihr Leben gestalten. Der Euro ist in Kosova Landeswährung, bis auf Kaffee und Zigaretten lassen sich die Preise mit den Lebenshaltungskosten in Deutschland vergleichen. 36 % der Bevölkerung leben nach offiziellen Angaben von weniger als 2 Euro pro Tag. Die Jugendarbeitslosigkeit dürfte bei 80 % liegen. Es gibt in Kosova keinerlei Arbeitslosengeld sowie keinerlei kostenlose Gesundheitsversorgung. Das Leben in Armut, ein Leben ohne Strom, ein Leben ohne Wasser, ein Leben in Kälte, stellt eine Form von Folter dar. Abschiebungen nach Kosovo sind daher generell ein inhumaner grausamer Akt. Dies insbesondere weil deutsche Politik in Kosova maßgeblich zu dem sozialen Desaster beigetragen hat. Viele deutsche Experten und Berater leiteten und leiten in Kosova den neoliberalen Privatisierungsprozess an . Die Privatisierungen kosteten bis dato nach Gewerkschaftsangaben, knapp 77.000 Arbeitsplätze. Nun aber zur extrem schweren Lage der Roma und Ashkali in Fushë Kosova in der Nähe der Landeshauptstadt Prishtina.
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Lagebeschreibung
Knapp 12.000 Roma und Ashkali leben einst in Fushë Kosova. Während des Krieges wurde der Großteil ihrer Häuser zerstört. Heute hausen diese Menschen in einem speziellen Gebiet hinter dem einst wichtigen Bahnhof. Dort leben knapp 4500 Personen. Die Straßen in dem Viertel sind nicht asphaltiert. Die selbst zusammen gebauten Häuser besitzen in aller Regel keinen betonierten Fußboden. Es gibt in dem Viertel, keinen Anschluss an Strom und keine Kanalisation. Die Menschen leben in extremen Elend. Nach Angaben des Romasprechers Fehmi Gashi haben nur 1% der aus dem Gebiet stammenden Personen Arbeit. Nach Meinung des Sprechers ist es völlig sinnlos sich für eine freie Stelle oder eine halbwegs gut bezahlte Stelle als Roma zu bewerben. Die rassistische Diskriminierung der Roma und Ashkali  ist an der Tagesordnung. Leben müssen die Menschen von 60 € pro Familie im Monat mit fünf Kindern. Eine Familie mit sieben Kindern erhält 75 € Sozialhilfe. Damit ist die nackte Existenz nicht gesichert. Ein Laib Brot kostet im Kosova mehr als in Deutschland. Der Preis für 1 l Milch lässt sich ziemlich genau mit dem Preisen in deutschen Supermärkten vergleichen. Der so genannte „Familienzuschlag“ gilt allerdings nur für Kinder bis zum fünften Lebensjahr. Etwas ironisch meinte der Romasprecher: „ Wir werden ja fast schon gezwungen immer wieder Kinder zu machen, um bei 60 oder 75 € im Monat zu verbleiben.“ Selbstverständlich wüten Krankheiten in dem Roma und Ashkali  Viertel . Weit verbreitet sind Lungenerkrankungen und Krebs. Medikamente und Behandlungen sind für die erkrankten Menschen nicht finanzierbar. Besonders im Winter ist die Situation der Menschen dramatisch. Der Winter ist ohne Heizung, ohne Gasanschluss zu bewältigen in einem Gebiet in dem Winter oft kälter sind als in Deutschland.
Roma und Ashkali
Die Roma und Ashkali  unterscheiden sich sprachlich. Bei den Roma ist die Muttersprache , die Sprache der Roma. Daneben sprechen sie natürlich noch albanisch. Ashkali  hingegen sprechen auch privat und in den Familien albanisch. Die Tradition der Kultur der beiden Gruppen sind eng miteinander verwandt. Prinzipiell werden sie in Kosova nicht nur finanziell, sowie bei der Vergabe von Arbeitsplätzen rassistisch benachteiligt sondern es gibt häufig ungeahndete polizeiliche Übergriffe gegen Roma. Die Haupteinnahmequelle für viele Familien in Fushë Kosova sind ihre Kinder. Viele Frauen sind täglich mit ihren Kindern an wichtige Autokreuzungen in Prishtina. Dort springen die Kinder auf die Automobile, waschen die Autoscheiben in der Hoffnung dafür einige Cent zu erhalten. Dennoch besuchen rund 100 Roma- Kinder und knapp 700 Ashkali  Kinder die örtliche Schule. Der Romasprecher verweist immer wieder darauf wie sehr die Anliegen der Roma und der Ashkali  im Gemeindeparlament ignoriert werden. Sowohl die Roma- Partei PEBRK als auch die Ashkali  Partei PDASHK haben im Stadtrat jeweils einen Sitz. Vom Prinzip her wird jeder ihrer Anträge von den dominierenden Parteien LDK und PDK, sowie dem LDK Bürgermeister ignoriert. Nur die „ Bewegung für Selbstbestimmung VV“ unterstützt die gerechten sozialen Forderungen von PEBRK und PDASHK. Vor Ort gibt es keine internationale NGO mehr, die versucht die Not der Roma und Ashkali zu mildern. Geradezu katastrophal wirkt sich jetzt, die so genannte Rückführung von Roma und Ashkali durch die Bundesregierung aus. Das Horrorwohngebiet in Fushë Kosova wird wieder größer. Auch die Situation der Roma im Nord Kosova ( serbisch dominiert) in Leposavic ist mit der Situation in Fushë Kosova vergleichbar. Es gilt in der Bundesrepublik Deutschland konkrete Solidarität mit allen sozial unterdrückten Menschen in Kosova zu entwickeln und gleichzeitig gegen jegliche Abschiebung Stellung zu beziehen. Insbesondere sollte die Bundesregierung an ihre historische Verantwortung bezüglich der Roma erinnert werden. Der Hitler-Faschismus führte neben dem Genozid an den Juden einen Genozid an den Roma durch. Die Abschiebungen nach Kosova stellen einen reaktionären menschenfeindlichen Akt, insbesondere gegen Roma und Ashkali dar.“

Tag 7

Das Jahr endet mit Brennholzspenden für weitere abgeschobene Romafamilien in Fushe Kosove.
Jedes Jahr werden weit über 500 Roma aus Deutschland in den Kosovo abgeschoben. Dort wartet auf diese Menschen häufig Obdachlosigkeit, Diskriminierung auf allen Ebenen und ein kaum vorstellbares Massenelend. Die meisten leben durchschnittlich mit 0,60 € pro Tag. Es gibt keinerlei Krankenversicherung und die Lebenshaltungskosten sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Der größte Romaslum im Kosovo befindet sich in Fushe Kosove nahe der Hauptstadt Prishtina. Viele Bewohner des Slums haben kein Dach über dem Kopf, andere wiederum in ihren Häusern keinen Wasser- und Stromzugang sowie keine Möglichkeit zum Heizen. Die Winter im Kosovo sind jedoch sehr kalt, weshalb die abgeschobenen Roma und ihre Familien vor Ort auf Decken und Brennholz angewiesen sind. Unser Verein „Verantwortung für Flüchtlinge e.V.“ engagiert sich bereits seit vielen Jahren in Fushe Kosove, um den Menschen vor Ort konkret zu helfen (z.B. Ergin Alija: https://www.youtube.com/watch?v=UQ2Qyj8LBxc ) . Im Rahmen dieser Balkantour über Weihnachten und Jahreswechsel 2015/16 haben wir nun weiteres Brennholz als Spende an aus Deutschland abgeschobene Flüchtlinge übergegeben. Uns als Verein ist es wichtig, den aus Deutschland abgeschobenen Flüchtlingen damit auch zu zeigen, dass ihr weiteres Schicksal uns nicht kalt lässt. Flüchtlingshilfe in Deutschland ist sehr wichtig, aber es darf nicht sein, dass nach einer Abschiebung es heißt „Aus dem Auge aus den Sinn!“ Denn wir haben auch weiterhin – Verantwortung für Flüchtlinge.

Morgen geht die Arbeit mit dem Verteilen von Brennholz weiter.

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