AKTUELL: Hungerstreik von Geflüchteten im Internierungslager Drahonice in Tschechien

Gestern, 10.11.2015, sind 44 Geflüchtete im Internierungslager Drahonice in Hungerstreik getreten.

Hier eine Übersetzung ihrer öffentlichen Bekanntmachung (unten Original auf Tschechisch):

„Wir sind aus zerrütteten und zerstörten Ländern geflohen. Auf der Flucht vor Tod und Krieg haben wir auf dem Weg aus der Türkei nach Griechenland die größten Gefahren überwunden.

Wir sind nach Europa, in Länder der Freiheit geflohen. Das, was wir in der Tschechischen Republik angetroffen haben, ist jedoch das Gegenteil unserer Vorstellung von Europa.

Auf unserem Weg durch Europa begleitete uns die Polizei in einigen Ländern, in manchen beförderte sie uns in Bussen. In Tschechien haben sie uns aber festgenommen, uns mit Polizeihunden durchsucht und ins Gefängnis gesteckt. Mit dem Hungerstreik protestieren wir gegen unsere Gefangenhaltung.

Wir haben kein Problem mit Polizeikontrollen, aber wir möchten nicht mehr gefangen sein. Die Mehrheit von uns ertrug die ersten 90 Tage der Inhaftierung, eine weitere Verlängerung unserer Gefangenhaltung hier ertragen wir jedoch nicht mehr.

Auf der Flucht vor Krieg, Gefängnis und Gewalt sind wir in ein neues Gefängnis geraten. Jeder von uns hat in der Heimat jemanden aus seiner Familie oder jemand Nahestenden verloren. Ihr sperrt uns ein und behandelt uns, als wären wir irgendwelche Monster. Wir haben keine Kraft mehr, das weiter auszuhalten. Es ist unsere Zeit, die wir hier verlieren.

Wir fliehen vor dem Tod in unserem Land. Zum Tod dort werden wir niemals zurückkehren. Also müssen wir hier sterben.

Sprecher R.F. und Y.B.“

– – –

„Utekli jsme z rozvrácených a zničených zemí. Na útěku před smrtí a válkou jsme překonali cestou z Turecka do Řecka největší nebezpečí.

Utekli jsme do Evropy, do zemí svobody. To, s čím jsme se setkali v České republice, je však opakem naší představy o Evropě.

Naší cestou po Evropě nás policie v některých zemích doprovázela, v některých nás přepravovala autobusy. V Čechách nás ale zadrželi, s policejními psy nás prohlíželi a uvěznili. Hladovkou protestujeme proti našemu věznění.

Nemáme problém s policejní kontrolou, ale už nechceme být vězněni. Většina z nás dokázala snést prvních 90 dnů zadržení, avšak další prodlužování našeho věznění zde již nesneseme.

Na útěku před válkou, vězením a násilím se ocitáme v novém vězení. Každý z nás ve vlasti ztratil někoho z rodiny nebo někoho blízkého. Vězníte nás a jednáte s námi, jako bychom byli nějaká monstra. Nemáme již sílu to dále snášet. Je to náš čas, který zde ztrácíme.

Utíkáme před smrtí v naší zemi. Pro smrt se tam nikdy nevrátíme. To můžeme zemřít zde.

Mluvčí R. F. a Y. B.“

weitere Infos:

http://uk.reuters.com/article/2015/11/11/uk-europe-migrants-czech-hungerstrike-idUKKCN0T003C20151111

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ein Kommentar

  1. […] Wir wollen die Absurdität der Situation aufzeigen, in der der tschechische Staat verzweifelten Menschen, die nichts als Sicherheit suchen, die grundlegendsten Menschenrechte verwehrt. Aus dem feindseligen Umgang mit eingesperrten Menschen erhofft sich der „sozialistische“ Innenminister Chovanec einen populistischen Erfolg im Lager des konservativen Teils der Gesellschaft, der – voller Angst – nach einem harten Umgang mit den Flüchtlingen schreit, nach der Schließung und Militarisierung der Grenzen. Das Recht auf Bewegungsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, das allen zusteht, unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Ethnizität oder ihrer Religion. Wir wollen dieses Recht einfordern, für alle, klar und deutlich. Nicht aus einer paternalistischen Position, aber wie ganz normale Menschen, die sich von Migrant_innen durch ihre privilegierte Position unterscheiden, die sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Nationalstaat innehaben. Es ist an der Zeit, unsere Position in diesem rassistischen System zu reflektieren. Um unserer Ablehnung der unmenschlichen (und nicht nur) tschechischen Internierungspraxis Ausdruck zu verleihen, rufen wir für Samstag, den 05. Dezember 2015 zu einer Demonstration in Libyně bei Lubenec auf. Nach der Demonstration werden wir zum ehemaligen Gefängnis ziehen, in dem sich heute das Internierungszentrum in Drahonice befindet. Dort werden wir eine Pressekonferenz abhalten, die den Gefangenen Gelegenheit bieten wird, ihre eigene Geschichte zu erzählen, ihre Gründe für Flucht und Protest zu nennen und ihre Forderungen zu äußern. Die Demonstration beginnt um 14 Uhr in Libyně. Kein Mensch ist illegal! Zur Situation hier weiterlesen: Hungerstreik […]

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