Landesweite rassistische Demonstrationen in Tschechien am 28.10.2015

Am vergangenen Mittwoch, dem 28.10.2015, der in Tschechien Feiertag aus Anlass der Gründung der ersten Republik (Gründung 28.10.1918) ist, fanden in mehreren Orten Demonstrationen gegen den Islam statt. Insgesamt nahmen rund 3000 Menschen an den Kundgebungen in Prag, Ostrava, Brno, Ústí nad Labem, Liberec sowie Větřní teil, die maßgeblich vom „Blok proti islámu“ (dt. „Block gegen den Islam“) der rechtskonservativen Partei Úsvít unter ihrem Vorsitzenden Tomio Okamura (siehe dazu auch den Artikel zu den Senats- und Kommunalwahlen 2014 sowie der Artikel zu den Demonstrationen im Juli 2015 in Tschechien auf diesem Blog) angemeldet wurden.

antiislamBildquelle: Ústecký deník (Karel Pech) vom 29.102015

Vielerorts wurde gegen den Islam und Flüchtlinge, aber auch gegen die Europäische Union gehetzt. So waren neben Plakaten, die einen Austritt aus der EU forderten auch solche mit der Aufschrift „Miloš Zeman má pravdu“ (dt. „Miloš Zeman hat recht“) zu sehen in Anspielung auf die umstrittene Äußerung des Präsidenten in Bezug auf einen Aufstand von Geflüchteten im Abschiebelager bei Bělá pod Bezdězem (siehe dazu vorletzter Abschnitt dieses Beitrags). In Ústí nad Labem, wo sich mehrere hundert Menschen unter dem Banner der Anti-Islam Bewegung versammelt hatten, wurde u.a. auch eine Flagge mit der Aufschrift „Národní odpor“ (dt. „Nationaler Widerstand“) geschwenkt.
In Brno hörten bis zu 1500 Personen während der Kundgebung des Worten von František Novák von der Partei Úsvit zu, der folgendes von sich gab: „Korán bych dal na úroveň Hitlerovy knihy Mein Kamp.f“ (dt. „Den Koran würde ich auf eine Ebene mit Hitlers Buch Mein Kampf stellen.“).

Wie in einem anderen Post bereits notiert wurde, finden Demonstrationen gegen den Islam in Tschechien seit Ende 2014 statt. Seit 2015 und nicht zuletzt seit der Erklärung der Tschechischen Regierung, man werde rund 1500 Migrant_innen aufnehmen, paart sich der Antiislamismus mit dem generellen Rassismus sowie einer Anti-EU-Stimmung und die Kundgebungen verzeichnen steigende Teilnehmer_innenzahlen. Das Innenministerium warnte im Juli jüngst vor einer Radikalisierung der Islamgegner in Tschechien (Quelle: radio.cz).

Wie im Videobeitrag und der Fotogalerie vom Ústecký deník zu ersehen ist, waren es lediglich vereinzelte Menschen, die den Rassist_innen etwas entgegenhielten, so in Form von selbst gemalten Schildern: „Hysterie ist kein Programm“ und „Jesus liebt alle Nationen„.

weitere Quellen:


Kristina von der Recherchegruppe Maulwurf

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