8.5.2015 – 70 Jahre Befreiung vom Faschismus – thank you / merci / спасибо!

Rede zum 8.5.2015 – 70 Jahre Befreiung vom deutschen Faschismus – 13 Uhr am Denkmal „Geschlagener“, Goethestraße Leipzig

Sehr geehrte Zuhörer_innen,

heute, am 8.5.2015, jährt sich zum 70ten Mal die Befreiung Europas und der Welt vom deutschen Faschismus. Krieg, rassistischer Massenmord und die Zerstörung der Welt fanden somit vorerst ihr Ende.

Letztes Wochenende feierte mensch unweit von Leipzig in Colditz nicht nur 750 jähriges Bestehen, sondern auch 70 Jahre Kriegsende. Kriegsende?

Ich möchte kurz ihre Aufmerksamkeit auf diesen kleinen Unterschied, den es da zu geben scheint, lenken.

Es kostete auf alliierter Seite einen enormen Kraftaufwand, das verbrecherische System des s.g. Nationalsozialismus in die Knie zu zwingen – den unvorstellbar großen Menschheitsverbrechen von Shoa und Samudaripen ein Ende zu setzen. Hier schlichtweg von einem Ende zu sprechen, empfinde ich als beschämend und nicht angebracht. Es waren aber nicht die deutschen Mittäter_innen welche befreit wurden, sondern die Opfer von Krieg, Faschismus und Rassenwahn, sowie alle Menschen in der Welt, welche in Frieden und Freiheit leben wollten.

Auf der anderen Seite möchte ich auch betonen, dass wir heute hier zusammen gekommen sind, um den Opfern zu gedenken, welche diese grausame Zeit hervorbrachte. Menschen, die wegen ihrer Religion verfolgt wurden wie die Zeugen Jehovas, wegen ihrer sexuellen Orientierung oder angeblich abweichenden Lebensweise, wegen ihrer jüdischen Herkunft oder einfach weil sie zu der Gruppe der Sinti und Roma gehörten bzw. Jenische waren. Wir gedenken jenen, die Kriegsgefangene waren und denjenigen, die gegen ihren Willen aus den besetzten Gebieten verschleppt wurden, den Deserteuren, den Kindern von Botschafer_innen, welche nach 1933 im Deutschen Reich blieben und verfolgt wurden, weil eine_r ihrer Eltern nicht Deutsche_r Reichsbürger_in war.

Unvergessen sollen auch gerade hier in Leipzig die zehntausend Zwangsarbeiter_innen sein, welche aus Polen, der Tschechoslowakei und Sowjetunion kamen und in der deutschen Rüstungsindustrie Sklavenarbeit verrichten mussten; die Partisanen, welche in den besetzten Gebieten Widerstand gegen die faschistischen Okkupanten leisteten, sowie unzählige Opfer deutscher Willkür, welche aus Rache ermordet wurden. Als Beispiel möchte ich an die Bewohner_innen des mittelböhmischen Dorfes Lidice erinnern, die 1942 als Rache für das Attentat auf Heydrich grauenvoll ermordet wurden. Ca. 82 von ihnen waren Kinder, 7 Kinder überlebten, von denen eines heute unweit von Prag lebt.

Wir stehen daher heute hier auch als Mahnung, dass sich solche Menschheitsverbrechen an Frauen, Kindern, alten Menschen, Männern, Trans* und Inter* niemals mehr wiederholen sollen.

Oder in den etwas pathetisch anmutenden Worten, die Ihnen allen bekannt sein dürften:

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Wir möchten uns an diesem 8.5.2015 nochmals bedanken, bedanken bei den Soldat_innen der Roten Armee, bei den Verbänden von US-Army, den britischen Streitkräften, insbesondere bei der Royal Air Force, und den Einheiten der französischen Armee. Bedanken auch bei den stillen Helden, welche als Partisanen und Widerstandskämpfer_innen zu tausenden im Deutschen Reich und den besetzten Ländern wie beispielsweise Norwegen, Luxemburg und Griechenland für Frieden und Freiheit kämpften.

Lassen sie mich am Ende dieser Rede nochmal einen Schwenk in meine eigene Jugend machen. Ich wuchs in einer kleinen mittelsächsischen Stadt auf, in der am Anfang der 1990er Jahre ein aus rochlitzer Porphyr zu DDR Zeiten gebautes Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Faschismus abgetragen wurde. Genau so ein Denkmal sah ich gestern auf einem zentralen Platz in einer erzgebirgischen Kleinstadt. Neben dem roten Winkel, der groß daran prankte, stach mir wieder der allseits bekannte Spruch ins Auge:

„Wir mahnen an!“

Und ja, ich denke wir sollten anmahnen. Anmahnen in einer Zeit, in der sich erneut s.g. besorgte Bürger_innen nicht zu schade sind, mit stadtbekannten Neonazis vulgären und vor allem gefährlichen Nationalismus zu verbreiten. Hier sind wir alle gefragt.

Kein Vergeben, kein Vergessen, keine Diskussion mit Rassist_innen, Antisemit_innen und Andereren, welche Versatzstücke von Ideologien gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit verbreiten! Das sind wir den Opfern von Krieg und Faschismus schuldig und das sollte unser aller Leitspruch sein!

Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!



Michael von der Recherchegruppe Maulwurf

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