Roma Empowerment: Interview mit Ivanka Mariposa Čonková und Jozef Miker (NGO Konexe/CZ)

Interview mit Ivanka Mariposa Čonková und Jozef Miker (NGO Konexe) am 26.3.2015

1. Wie und wann hast du dich das erste Mal in der Roma-Frage engagiert?

JM: Ich habe mich zuerst im Jahr 1992 den Protesten angeschlossen als eine Gruppe von ca. 500 Personen durch Teplice marschierte und da habe ich mich allein – es gab damals keine Vereinigung oder Gruppen, die etwas organisiert haben – angeschlossen, weil es mir nicht gefallen hat, dass man gegen Roma demonstriert. Das war die erste Blockade gegen Nazis – und das haben die Roma selber organisiert. Die DSSS bzw. DS gab es damals noch nicht.

IM: Ich habe mich im Jahr 2011 angeschlossen, als ich aus dem Urlaub zurückkam. Da gab es einen Vorfall in Varnsdorf und ich habe mit einer Freundin ein 14tägiges Festival organisiert, um die Atmosphäre in der Stadt zu ändern, zu verbessern, und das hat funktioniert.

2. Seht ihr irgendeine Entwicklung hinsichtlich des Empowerments von Roma in Tschechien?

JM: Es haben sich mehr Roma den Protesten angeschlossen, natürlich auch einige nicht. Das hängt von der Region ab. Dort wo es starke Aufmärsche gab, also im Ustecký kraj, in Ostrava und České Budejovice da sind auch viele Roma zusammen auf die Straße gegangen. Es gibt eine Tendenz, sich in Gruppen zu engagieren.

IM – Ich sehe eigentlich, dass es jetzt beginnt, eher eine sinkende Tendenz zu geben, denn viele niedrigschwellige Romaorganisationen verschwinden, da die staatlichen Anforderungen höher geworden sind und bspw. Sozialarbeiter nun ein Hochschulstudium nachweisen müssen. Das hat den Fortschritt zunichte gemacht. Aber es gibt auch positive Beispiele: Wir haben jetzt einen jungen Romabürgermeister in der Slowakei und zwei oder drei Abgeordnete. Außerdem gibt es in Chomutov einen gewählten Ortsvertreter, David Ištok (ein Interview mit ihm bei romea.cz hier und mit der Chomutover Ausgabe des Deník hier) (Anm. d. Red.: er spielte auch eine Hauptrolle im Film Cesta Ven). Er spricht sich offen gegen die Segregation aus.

JM: Ja, das stimmt, es gibt jetzt auch einige Abgeordnete. Aber es fehlen meiner Meinung nach bspw. eigene Schulen.

IM: Es müsste eine Art Training geben, unformal , politisch orientiert – dann würde sich auch ein politisches Interesse herausbilden.

3. Könntet ihr kurz die neue Romastrategie der Tschechischen Regierung (verabschiedet am 23.2.2015) beschreiben und eure Meinung dazu sagen?

IM – Ich finde es gut, dass das erste Mal auch Roma an der Ausarbeitung beteiligt waren. Die genannten Ziele, bspw. mehr zu finanzieren als reine Sozialarbeit, sind gut. Aber es wird der Antiromaismus nicht reflektiert und es gibt eben keinen konkreten Aktionsplan. Ich weiß also nicht, ob sich tatsächlich etwas ändern wird. Es gibt auch kein konkret dafür eigeplantes Budget.

JM [leider ist dieser Teil des Interviews unverständlich]

IM – Es gibt ja noch weitere Dokumente und das überlagert sich teilweise inhaltlich. Ist es wichtiger, die Armut zu bekämpfen oder eine Strategie für die Integration der Roma zu haben? Aber ja, der Diskurs hat sich geändert – die Roma wurden mit einbezogen.

4. Lasst uns über eure kürzlich realisierte Informationstour durch Deutschland zum Konzentrationslager in Lety sprechen: Was war das Ziel der Tour und habt ihr es erreicht?

JM: Es gab ein großes Interesse hinsichtlich Lety und der dortigen Schweinemastanlage und den Einsatz für eine dortige Gedenkstätte. Wir haben uns auch mit mehreren sehr aktiven Roma getroffen, die die deutsche Regierung unter Druck setzen wollen, sich für eine Gedenkstätte einzusetzen.

IM: Für mich sind vor allem die Kontakte wichtig. Wir haben viel darüber gesprochen, welche Kapazitäten es gibt und haben über die Zukunft diskutiert. Eigentlich haben wir die ganze Zeit diskutiert und haben jetzt viel Arbeit vor uns, vor allem müssen wir die Blockade im Mai vorbereiten.

Wir planen, die Tour auch in anderen Städten Tschechiens und vielleicht auch in anderen Ländern fortzuführen.

5. Wie seht ihr die Zukunft der Roma in Tschechien?

JM: Im Moment ist es ruhig, da sich die Antiromaisten zur Zeit mehr auf einen Antiislamismus [Demonstrationen gab es mehrfach bspw. in Prag, České Budějovice und konzentrieren und es mehrere Demonstrationen in dieser Richtung gibt. Aber wenn das zu Ende ist, dann wird sich der Hass wieder auf die Roma richten.

IM: Ich sehe nicht, dass es ruhiger geworden ist. Im Gegenteil gibt es insgesamt mehr Hass und kaum Reaktionen darauf. Die antiislamischen Demonstrationen spalten auch die Roma – sie werden ausgenutzt.

JM: Ja es kommt darauf an, ob die Jugend eine Chance bekommt, ob wir es schaffen uns zu vereinen und gemeinsame Ziele festzulegen. Die Menschen müssen mehr Bildung bekommen, nur dann werden sie auch politisches Interesse entwickeln.

IM: Das glaube ich nicht. Viele Roma, die bspw. über spezielle Stipendien eine gute Ausbildung bekommen haben sind deswegen noch lange keine Aktivisten. Mit der Finanzierung ihrer Ausbildung geht eben auch eine gewisse Ideologie einher und sie setzen sich oft gerade nicht für andere Roma ein.


Weitere Informationen auf www.freelety.org und  www.facebook.com/konexeinenglish


Kristina von der Recherchegruppe Maulwurf, 10.4.2015 (www.ecoleusti.wordpress.com)

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ein Kommentar

  1. […] und sich in seiner Rede auf Ivanka Čonková bezog, die in verschiedenen Texten (z.B. auch in einem Interview mit ecoleusti) davor warnte, dass die IVČRN Roma gegen Muslime aufhetzen will. Er meint weiter, […]

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