Solidarität mit Minderheiten in Ungarn / 9.11.2014 Budapest: Leipzig Korrektiv und Recherchegruppe Maulwurf unterwegs

Vom 6.11. bis einschließlich 10.11.2014 war eine Gruppe aus Leipzig in Budapest und Umgebung zu Besuch, um sich über die aktuelle Situation von Minderheiten in Ungarn zu informieren. Darüber hinaus nahmen die Aktivist_innen, welche sich aus den Gruppen Leipzig Korrektiv (Stefan Bosch und Richard Gauch), der Recherchegruppe Maulwurf (Michael und Kristina) sowie Ricky Burzlaff, dem Vereinsvorsitzenden von Verantwortung für Flüchtlinge e. V. zusammensetzten, an Gedenkveranstaltungen anlässlich des 76. Jahrestages der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 teil. Begleitet wurde die Gruppe von der freien Journalistin Thyra Veyder-Malberg sowie dem Fotojournalisten Gustav Pursche.

Zunächst wurden im Rahmen eines geplanten Projekts (siehe hier) die gesammelten Nähmaschinen und Nähutensilien an Anikó Kiss, welche das Projekt begleitet, übergeben.

Am Samstag schließlich besuchten wir den FC Kalló, einen kleinen Fußballclub im Ort Kalló in der Nähe von Budapest. Dort übergaben wir eine Spende der BSG Chemie Leipzig, worüber sich die Ehrenamtlichen des Fußballclubs sehr freuten, insbesondere weil sie die Spenden unmittelbar für das am Folgetag stattfindende Regionallligaspiel nutzen konnten. Hier auch nochmal ein herzliches Dankeschön an die BSG für die Bälle, Trikots, Eckfahnen etc.

Am Abend folgte ein Gespräch mit dem Menschenrechtsaktivist, Bürgerrechtler (Bürgerbewegung für die Republik) und Politiker Aladár Horváth, der zu den bedeutendsten Vertretern im Engagement  gegen soziale Unterdrückung und gegen Rassismus in Ungarn zählt sowie der deutsch-ungarischen Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky.

Schließlich begann der 9.11.2014 mit dem Besuch der Grabstelle des Dichters Miklós Radnóti, welcher von den nationalsozialistischen Herrschern am 9.11.1944 grausam ermordet wurde.
Im Anschluss führten wir ein Gespräch mit Iványi Gábor, einem methodistischen Pfarrer, der die Regierung Orbán bereits mehrfach öffentlich kritisierte. Als Ergebnis wurde die weitere Zusammenarbeit konkretisiert und die Durchführung einer europäischen wissenschaftlichen Roma-Konferenz sowie einer Jugendbegegnung beschlossen. Auf dem Gelände seiner Gemeinde, vormals eine Müllhalde, die von der Kirchgemeinde gekauft und wieder hergerichtet wurde, steht seit einiger Zeit auch ein Denkmal zur Erinnerung an die rassistisch motivierte Mordserie an Roma in Ungarn, welche 2008 begann. Das Denkmal wurde vom Bildhauer, Bürgerrechtler und Aktivist Alexander Schikowski entworfen. Es sollte eigentlich in einem der Orte, in dem die Morde stattfanden, aufgestellt werden, was jedoch von den jeweiligen Bürgermeistern abgelehnt wurde.

Nachmittags schlossen wir uns dem ganztägigen Radnóti Marsch, welcher verbunden ist mit der internationalen Mahnwache und Stolperstein-Putzaktion zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht, an. Dabei sprach zunächst auch Michael von der Recherchegruppe Maulwurf zur eigenen Arbeit bzgl. Antiromaismus, aber auch von der Wichtigkeit, im Kampf gegen Rassismus die einzelnen betroffenen Gruppen nicht gegeneinander auszuspielen und eine demokratische Gesellschaft durch Vielfalt und Toleranz zu erkämpfen. Die Schlusskundgebung am letzten Wohnhaus von Radnóti beinhaltete das Verlesen eines Grußwortes von MdEP Cornelia Ernst sowie einer Kurzerzählung durch Kristina von der RG Maulwurf sowie des kämpferischen Grußwortes Richard Gauchs, der mahnte, den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus nicht aufzugeben. Es sei bei der aktuellen politischen Verfasstheit Ungarns umso wichtiger, gegen alle Formen der Intoleranz aufzustehen und weiterzumachen, auch wenn die Kräfte zunehmend zu schwinden scheinen.

Unser Dank gilt allen Unterstützer_innen, die sich finanziell oder in Form einer Sachspende (Nähmaschine/Nähutensilien/Spenden für den Fußballclub) beteiligt haben. Neben vielen Einzelpersonen waren dies auch Initiativen und Vereine aus Leipzig, welche im antirassistischen, antisexistischen und migrantischen Kontext arbeiten.

Kristina und Michael von der Recherchegruppe Maulwurf unter Mitarbeit von Richard Gauch

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3 Kommentare

  1. […] eine Delegation von unter anderem Mitgliedern der Partei DIE PARTEI am kommenden Wochenende nach Ungarn reist um sich die dortigen Zustände in der Demokratie anzuschauen wird es Aufgabe der Jugend sein, […]

  2. […] hier angekündigt war es der Partei DIE PARTEI aufgrund des Auslandsbesuchs in Ungarn (Bericht hier) nicht möglich den Gedenkveranstaltungen in Reudnitz und Restleipzigs […]

  3. […] die Journalistin Thyra Veyder-Malberg unten stehenden Artikel über unsere Reise (Pressemitteillung hier) nach Ungarn Anfang November 2014 und die Projekte welche im Rahmen der “Arbeitsgruppe Roma […]

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