Besuch und Gedenken auf dem Gelände des ehemaligen KZ Lety bei Pisek (Tschechien) / FREE LETY / 13.9.2014

Am Samstag dem 13.9.2014 besuchte eine Gruppe von deutschen Muttersprachler_innen Lety bei Pisek, welches knapp 60 km südlich von Prag liegt und wo auf Teilen des Geländes des ehemaligen Konzentrationslagers seit den 1970er Jahren eine Schweinemastanlage steht. Anlass war der Roma Resistance Day Anfang des Jahres und die darauffolgende Blockade der Schweinemast, wir berichteten hier.

Seit einiger Zeit soll mit einem einmal im Monat stattfindenden Blumenniederlegen am Zaun der Schweinemast, d.h. dort, wo sich einst der Eingang des KZ Lety befand, daran erinnert werden, dass eine Schließung und folglich Beseitigung der Anlagen notwendig ist, um zu einem offenen und respektvollen Umgang mit dem Genozid an den Roma während der Zeit des NS  zu gelangen.

Laut der Gedenktafel sind in der Zeit von 1942 bis 1943 1309 Personen in Lety interniert gewesen, nicht ausschließlich (Sinti und) Roma. Neben Hodonín (siehe auch hier) existierte in Lety eines der beiden KZs auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. In Lety starben 326 Menschen – Frauen, Kinder und Männer. 540 wurden vom nahegelegenen Bahnhof in Mirovice nach Auschwitz deportiert und dort schließlich ermordet. Der Gedenkort und die Erinnerungskultur erfährt immer wieder einen herben Rückschlag, da bis zum heutigen Zeitpunkt in der tschechischen Gesellschaft nicht vollends anerkannt ist, dass das Wachpersonal in Lety ausschließlich tschechischer Herkunft war. Zwar stand dieses unter deutscher Herrschaft, jedoch sind die Mörder und die daraus resultierende (Mit-)Schuld am Genozid auch im eigenen Land zu suchen. Mit der Hervorhebung dieser Tatsache wollen wir keinesfalls einer revisionistischen Geschichtsinterpretation Vorschub leisten, in der Gesamtinterpretation der Geschichte des KZ Lety ist dieser Fakt jedoch nicht zu vernachlässigen.

Wir haben ein paar Bilder zusammengestellt (weitere hier), welche den untragbaren Zustand dokumentieren. Künftige Besuche werden stattfinden. Mehr Informationen u.a. hier: http://www.freelety.org und http://www.lety.info

Michael von der Recherchegruppe Maulwurf


Wie folgt noch ein paar mögliche Quellen, wenn mensch sich mit der Geschichte von Lety bzw. der Verfolgung und Vernichtung von (Sinti und) Roma während des NS auf dem Gebiet des heutigen Tschechien beschäftigen mag.

– Markus Pape, Praha, 1997: „A nikdo vám nebude věřit : dokument o koncentračním táborě Lety u Písku“ (dt. „Und niemand wird euch glauben- Dokument über das Konzentrationslager Lety bei Pisek“).

– Elena Lacková und Jaroslav Balvín, Praha, 2001: „Holocaust Romů v povídkách“  (dt. „Romaholocaust in Erzählungen“).

– Ctibor Nečas, Olomouc, 1997: „Historický kalendář – Dějiny českých Romů v datech“ (dt. „Historischer Kalender – Geschichte der tschechischen Roma in Daten“).

– Ctibor Nečas, Brno, 1994: „Českoslovenští Romové v letech 1938-1945“ (dt. „Die tschechoslowakischen Roma in den Jahren 1938-1945“).

– Autor_innenkollektiv Národní pedagogický muzeum a knihovna J. A. Komenského (Nationales Pädagogisches Museum und Bibliothek J.A. Komenský – NPMK) , Praha, 2014:  „Pamětní seznam II. Hodonín“ (dt. „Band II Liste der Denkmäler – Hodonin“).

– Michael Zimmermann, Hamburg, 1996: „Kapitel 8. Lagerhaft. Die deutsche Zigeunerplitik im <Protektariat Böhmen und Mähren>“ in: „Rassenutopie und Genozid : die nationalsozialistische ´Lösung der Zigeunerfrage´“.

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