Frankreich: jugendlicher Rom nach Lynchjustiz im Koma

In der Nacht vom 13. auf den 14. Juni wurde in der Stadt Pierrefitte-sur-Seine im Département Seine-Saint-Denis nördlich von Paris ein 16jähriger Rom bewusstlos in einem Einkaufswagen aufgefunden. Der Junge sei laut Aussagen der örtlichen Polizei Opfer eines Mobs von aufgebrachten Bewohner_innen der Stadt geworden, welche ihn für einen kurz zuvor geschehenen Einbruch verantwortlich machten und nach mehrmaligem Anruf bei der Polizei die Sache selber in die Hand nehmen wollten. Darius, so der Name des Jungen, liegt zur Zeit im Koma; sein Zustand ist kritisch.

Er lebt mit seiner Familie in einer provisorischen Siedlung, die in den letzten Wochen rapide gewachsen war, nachdem andere Siedlungen im Département Seine-Saint-Denis, in dem mehr als 20% der rund 17 000 der in Frankreich befindlichen Roma aus Rumänien und Bulgarien leben – oder wie Le monde treffenderweise schreibt „besser gesagt überleben“ – aufgelöst worden waren. Die Siedlung wurde mittlerweile von den Bewohner_innen aus Angst vor weiteren Übergriffen verlassen.

Während der französische Präsident von einer abscheulichen Tat spricht, welche durch nichts zu rechtfertigen sei, hüllen sich die NGOs, die sich für die Einhaltung der Grundrechte der Roma in Frankreich einsetzen, in Schweigen. Laut Le monde ist dies nur folgerichtig angesichts einer jahrelangen verfehlten Politik, welche das Elend der Roma verfestigt und zudem den latenten Rassismus der französischen Gesellschaft gegenüber dieser Gruppe befördert.

In einem Interview sagte der Pressesprecher von Romeurope, Laurent El-Ghozi, es sollte zunächst bewiesen werden, dass der Grund für die Tat tatsächlich damit in Zusammenhang steht, dass das Opfer Rom sei. Bislang sei dies nur eine Vermutung und die öffentlichen Äußerungen der Politiker_innen würden lediglich dazu beitragen, die Stigmatisierung der Roma voranzutreiben.

Weitere Quellen:

– Artikel der Süddeutschen Zeitung online

– tsch. Artikel bei romea.cz

UPDATE:
Laut Le monde vom 20.7.2014 ist der jugendliche Gheorghe, dessen Vorname zunächst fälschlicherweise als  „Darius“ angegeben wurde, aus dem Koma erwacht. Sein Zustand ist stabil, jedoch ist unklar, welche Folgeschäden er davontragen wird. Der zuständige Richter stattete Gheorghe bereits einen Besuch ab. Bislang konnte die Polizei keine_n einzige_n der Täter_innen ermitteln.

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