Kurz notiert: Roma / Antiromaismus (Mai 2014)

Wie folgt wollen wir kurz ein paar Infos mitteilen, welche wir nicht als Einzelbeiträge posten wollen.

Ende Juni 2014 findet ein Workshop zum Thema Antiromaismus in Dresden statt. Hier die Ankündigung. Weitere Infos unter: http://namf.blogsport.de/antiromaismus/

An­ti­ro­mais­mus in Deutsch­land – Öf­fent­li­che Wahr­neh­mung und In­ter­ven­ti­ons­mög­lich­kei­ten

Work­shop am 21.​06.​2014, 11.​00 Uhr bis 16.​00 Uhr im Her­bert-​Weh­ner-​Saal, Kön­ne­ritz­stra­ße 5, Dres­den.

An­ti­ro­mais­ti­sche Ste­reo­ty­pe sind in Deutsch­land nach wie vor mas­siv prä­sent und wer­den in der öf­fent­li­chen De­bat­te von ver­schie­dens­ten Ak­teur_in­nen be­dient. Wir wol­len in die­sem Work­shop an ak­tu­el­len Bei­spie­len an­ti­ro­mais­ti­sche Denk­mus­ter er­ken­nen ler­nen und ge­mein­sam über­le­gen, wie wir ihnen im öf­fent­li­chen Dis­kurs Pa­ro­li bie­ten kön­nen.

Wenn Du/Sie an dem work­shop teil­neh­men möch­ten, bitte schreib/schrei­ben Sie uns eine email solidarity_​not_​charity@​riseup.​net.

An­ti-​Ro­maism in Ger­ma­ny – Pu­blic awa­ren­ess and means of in­ter­ven­ti­on (Work­shop)

June 21st, 11am -4pm, Her­bert-​Weh­ner-​Saal, Kön­ne­ritz­stra­ße 5

An­ti-​Ro­ma ste­reo­ty­pes are still wi­des­pread in Ger­ma­ny and va­rious­ly sup­por­ted. Based on re­cent ex­am­ples, this work­shop stri­ves to learn to re­cognise an­ti-​Ro­ma pat­terns of thin­king and to find a way to stand up to them in pu­blic dis­cour­se to­ge­ther.

If you like to take part in the work­shop, plea­se send an email to solidarity_​not_​charity@​riseup.​net


Auf eine Anfrage im Kaufland (Reudnitz/Täubchenweg) Anfang Mai 2014 erhielten wir eine  „Antwort“ warum nachwievor Z Wort Soßen verkauft werden. Da das Gespräch mit dem Marktleiter welches im Vorfeld stattfand recht zielführend zu sein schien, machen wir uns nochmal die Mühe darauf zu antworten um der „inhaltlichen“ Auseinandersetzung des Kundencenters etwas entgegenzusetzen. Mehr dazu hoffentlich bald.


Vor Kurzem veröffentliche der ehemalige  „heute-journal“ Co-Moderator und Redakteur (ZDF) sowie Bild-Kolumnist Peter Hahne sein Buch „Rettet das Z[…]-Schnitzel! Empörung gegen den täglichen Schwachsinn – Werte die wichtig sind (Quadriga Verlag Köln 2014). Auf den Seiten 35 und 36 kann mensch nachlesen, was er damit genau meint.  Er beginnt einleitend von s.g. Gutmenschen (Vgl. Goebbels) und politischer Korrektheit zu fabulieren um dann von „lächerlichen N[…]kuss- und M[…]kopfkrieg“-debatten zu reden. Sodann witzelt er über die Forderung eines hannoveraner Sinti und Roma Vereins, welcher die Umbenennung der Z Wort Soße in Paprikasoße thematisierte (siehe auch hier). Weiter spricht er dann auch vom „Bannstrahl der Sprachpolizei“ und folgert polemisch: „Denn niemand glaubt doch ernsthaft, jemand würde zum Rassisten, wenn er E[…]-Eis schleckt oder Z[…]schnitzel isst“.  Es geht aber gar nicht darum, dass mensch durch die Verwendung derartiger Wörter zum Rassisten wird, er ist es in diesem Moment nämlich bereits. Wer die klar negative Konnotierung solcher Begriffe ignoriert, dem ist es schlicht egal, was diese Bezeichnungen für die so Benannten bedeutet und nebenher tritt er damit das Recht auf Selbstbenennung mit Füßen. Herr Hahne hat offensichtlich auch nicht verstanden, dass es nicht um die Benennung von Lebensmitteln generell geht (Zitat: „Was sollen die Frankfurter, Hamburger, Leipziger, Berliner oder Wiener sagen, die man laut Speisekarte auch essen kann?“), sondern um eindeutig rassistische Begriffe.

Wünschenswert wäre beispielsweise, wenn Menschen mittels Zuschriften oder Ähnlichem seinem Arbeitgeber mitteilen könnten, dass die Inhalte des o.g. Buches reine menschenverachtende Polemik ist.


Wie die Emder Zeitung am 9.5.2014 im Artikel „Verurteilung nach Eintrag bei Facebook“ berichtete, wurde ein 34-jähriger Emder aufgrund eines Facebook-Eintrags, der laut Emder Gericht den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllte, zu fünf Monaten Freiheitsstrafe sowie 120 Sozialstunden verurteilt. Die Freiheitsstrafe wurde für vier Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Der Emder hatte sich zum Thema Asylbewerber folgendermaßen auf Facebook geäußert: „Welche Fachkräfte? Abschieben. Oder Zyklon B. Hat vor 75 Jahren auch geholfen.“ Durch eine Stichprobe war der Eintrag der Polizei aufgefallen.
Auch wenn es nicht das Ziel einer funktionierenden Zivilgesellschaft sein kann, gegen derartige Äußerungen (ausschließlich) ordnungspolitisch vorzugehen, sondern v.a. die eindeutige Reaktion anderer Internetnutzer auf derartige volksverhetzende Aussagen wünschenswert ist, so ist es nach unserem Dafürhalten doch zu begrüßen, dass der scheinbar ständig zunehmende geistige Müll, den einige sich bemüßigt fühlen im Internet zu verbreiten, in besonders krassen Fällen auch gerichtlich sanktioniert wird.
Auch in Tschechien finden sich bei Portalen wie romea.cz, aber auch bei „bürgerlichen“ Zeitungen und Zeitschriften unter Artikel, die annähernd das Thema „Roma“ behandeln,  mehrheitlich negative, oft auch volksverhetzende Kommentare. Um dieses Problem mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken startete soeben in Tschechien die internationale Kampagne „I don´t masturhate“, die sich gegen die Verbreitung von Hass und für eine freundschaftliche und tolerante Atmosphäre im Internet einsetzt (siehe hier tsch. Artikel bei romea.cz).


Die Sächsische Zeitung berichtete am 16.5.2014 über die zum 29.5.2014 erwartete Eröffnung der Vorschulbetreuung „Motylek“ (dt. Schmetterling) durch das „Roma-Zentrum Indigo Děčín“ (im Artikel wird durchgängig auf die im Tschechischen eigenen diakritischen Zeichen verzichtet), welches an diesem Tag sein 10-jähriges Bestehen sowie die ebensolange Kooperation mit der SPD-AG Euroregion Elbe Labe begeht. Das Projekt sei in Tschechien einzigartig und schreibe schon jetzt pädagogische Geschichte.


Am 15.5.2014 berichtete die Prager Zeitung („Bevor wieder Steine fliegen“) unter Berufung auf die Tschechische Nachrichtenagentur ČTK, dass aufgrund eines offenen Briefes von 18 Bürgermeister_innen aus Nordböhmen, u.a. aus dem Šluknover Zipfel, der Innenminister Milan Chovanec sowie der Minister für Menschenrechte Jiři Dienstbier und die Arbeitsministerin Michaela Marksová (alle ČSSD) in den Šluknover Zipfel reisten, um sich ein Bild über die Wohnsituation der dortigen Roma zu machen. In dem offenen Brief hatten die Bürgermeister_innen davor gewarnt, dass sich im Vorfeld der Kommunalwahlen im Herbst ähnliche Szenarien wie 2011 abspielen könnten, als es in Nordböhmen zu pogromartigen Massendemonstrationen gegen Roma gekommen war. Vor allem bemängelten Sie, dass nach wie vor keine Abhilfe hinsichtlich der Spekulation mit Wohnraum geschaffen worden sei. Der Innenminister hatte eine Roma-Familie in ihrer Wohnung in Šluknov besucht und dabei festgestellt, dass er die Räumlichkeiten eigentlich überhaupt nicht mehr als Wohnung bezeichnen könne, sie seien seiner Meinung nach aber keine 500 Kronen (ca. 20 Euro) pro Monat wert. Die dort wohnende Familie zahlt hingegen 8500 Kronen (ca. 340 Euro) Kaltmiete monatlich.


Aktuell lässt sich nicht schlecht staunen, wie offensichtlich desolat die tschechische Naziszene momentan aufgestellt ist. Nachdem bereits nach dem 19.4. nichts über die von Pavel Matějný angemeldte Demo in Prag in der Presse zu finden war, blieb es nach dem Wochenende 17./18.Mai auch eher ruhig. Zum Wahlkampf in Brno am 3.5.2014 erschienen nicht viele und was am 10.5. České Budějovice, am 16.5.  Ostrava – Karviná (beide wegen schlechten Wetter abgesagt – Danke an Ma. für Info ) und am 17.5. Sokolov passierte, scheint wahrscheinlich ohnehin keiner weiteren Erwähnung wert zu sein. Die sog. „Tschechischen Löwen“, die im vergangenen Jahr mehrere Demonatrationen durchführten, sind offensichtlich von der Bildfläche verschwunden.
So könnte mensch den Eindruck gewinnen, dass die für dieses Jahr befürchtete große Welle der Anti-Roma-Demonstrationen ausbleibt, da bislang die Mobilisierung (bspw. nach Ústí nad Labem am 1. Mai) recht mager ausfiel. Das Mobilisierungspotential der Nazis für Anti-Roma-Märsche könnte aber evtl. nach dem Ende der Fußballsaison am 24.5.2014 v.a. in Hooligankreisen wieder zunehmen. Bedenken gibt es insbesondere im Zusammenhang mit der für den 7.6.2014 angekündigten Demonstration in Budyšov na Budyšovkou, welches sich in der Nähe von Vítkov befindet. Dort kam es 2009 zu einem Brandanschlag auf ein von Roma bewohntes Haus, bei dem die damals zweijährige Natalie schwer verletzt wurde (wir berichteten bereits hier). Nach dem Anschlag zog die Familie in den Ort Budyšov na Budyšovkou um. Die Demonstration wurde zwar offiziell durch den Bürgermeister des Ortes untersagt, jedoch ist unklar, ob ein Gericht dieses Urteil nicht wieder aufheben wird.


Antifaschistische Kundgebung in Lindenau „Keine Stimme den Nazis! Weg mit dem Nazizentrum in Leipzig/Lindenau!“

Freitag 23. Mai / 17:30 Uhr / Lindenauer Markt

Am Vorabend der antirassistischen Demonstration durch den Leipziger Osten am kommenden Samstag

(http://refugeeswelcome.blogsport.eu/demonstration-24-05/) wird in
Lindenau eine Kundgebung gegen das Nazizentrum in der Odermannstraße 8
stattfinden. Insbesondere nach der JN-Demonstration am Sonntag durch den
Stadtteil ist es wichtig die antifaschistische Präsenz hoch zu halten
und der NPD wenige Tage vor der Wahl nochmals klar zu machen, dass sie
weder in Leipzig/Lindenau noch anderswo willkommen sind. In der Odermannstr. 8 soll
an diesem Abend ein Vortrag sowie ein Konzert mit dem Liedermacher
Fylgien stattfinden. Kommt daher zahlreich und zeigt den Nazis was ihr
von ihnen und ihrem Zentrum haltet!


 

Zuletzt möchten wir uns folgendem Aufruf (hier die Version auf Tschechisch – tadý najdete česká verze volání do Draždan) zur Kampagne „Keine Zukunft für Nazis“ anschließen und alle dazu auffordern, am 7.6.2014 gegen den „Tag der dt. Zukunft“ in Dresden auf die Straße zu gehen.

http://no-tddz.org/aufruf/

 

 

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