Dokumentiert: Gedenken im ehemaligen KZ Lety bei Písek (CZ)

Heute, am 10.5.2014, haben in Lety bei Písek (Tschechische Republik) unter Anwesenheit des Premier Bohuslav Sobotka unterschiedliche Menschen den Opfern des ehemaligen Konzentrationslagers, in dem über 1300 (Sinti und) Roma interniert waren, gedacht.

Folgendes Video in Englisch bietet einen guten Überblick über die Geschichte des Lagers sowie die Debatte um die heute auf Teilen des Areals betriebene Schweinemastanlage.

Auch der Artikel „Schweine stinken zum Himmel“, der 2012 in der „Landeszeitung – Zeitung der Deutschen in der Tschechischen Republik“ erschien, erläutert die Hintergründe noch einmal genauer.


In Bezug auf die heutige Gedenkveranstaltung möchten wir nachfolgend einige Quellen dokumentieren, die vor allem auf die Rede des tschechischen Premiers Bohuslav Sobotka (ČSSD) eingehen, welcher – wie auch die Vorgängerregierungen – einen Kauf der Schweinefarm und damit das Errichten einer würdigen Gedenkstätte ablehnt. Wohlgemerkt wurde die Tschechische Republik bereits 2005 vom Europäischen Parlament dazu aufgefordert, die Mastanlage abzureißen.

Der empfehlenswerte Artikel „Zapáchající vzpominky“ von Jan Gruber, dessen englische Übersetzung hier zu finden ist, geht noch einmal ausführlicher auf den Umgang mit den (Sinti und) Roma vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg und auf die verschiedenen Konzentrationslager ein und spannt einen Bogen bis in die heutige Zeit.

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Radio Prag hat zur heutigen Gedenkveranstaltung folgenden Artikel veröffentlicht:

Premier Sobotka gedenkt der Opfer des Roma-Holocaust in Lety

10-05-2014 18:38 | Marco Zimmermann

Premier Bohuslav Sobotka hat am Samstag der Opfer des Holocaust an den Roma im Protektorat Böhmen und Mähren gedacht. Bei der Gedenkfeier am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Lety in Südböhmen sagte Sobotka, dass auch er keine Gelder freimachen werde, um die dort befindliche Schweinefarm aufzukaufen und zu entfernen. Das Geld könne viel sinnvoller für die Ausbildung von Roma-Kindern eingesetzt werden, so der Premier.

Zwischen 1940 und 1943 wurden etwa 1300 Roma in dem Lager interniert, 327 starben in Lety, über 500 wurden weiter in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Seit den 1970er Jahren befindet sich auf dem Gelände eine Schweinefarm, die heutzutage einem Privatunternehmen gehört. Die Firma hatte angeboten, die Farm aufzugeben, wenn der Staat sie aufkaufen würde. Dies hatte aber bereits Sobotkas Amtsvorgänger Petr Nečas abgelehnt.



Weitere Artikel zum Thema auf Tschechisch:

http://www.novyprostor.cz/clanky/417/jednou-za-rok.html
http://www.rozhlas.cz/zpravy/regiony/_zprava/ani-sobotkova-vlada-zrejme-nenajde-penize-na-likvidaci-veprina-v-letech-u-pisku–1348750Ergänzend:- Seit dem 8. Mai 2014 läuft in Prag ein Theaterstück, welches sich mit dem KZ Lety beschäftigt. Siehe dazu der engl. Artikel bei romea.
Bildquelle: Michal Ritter
Historische Bilder unter anderem hier.
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ein Kommentar

  1. […] Tschechien kam es heute – drei Tage nach der Gedenkveranstaltung (siehe hier) im ehemaligen KZ Lety, in dem zahlreiche Roma interniert und ermordet wurden – zur Blockade […]

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