Dokumentiert: „Wer war… May Ayim?“ (www.maedchenmannschaft.net)

2010 erschien folgender Beitrag bei maedchenmannschaft.net, welchen ich hiermit dokumentieren möchte. Siehe auch hier.

Quelle  (Zugriff am 28.4.2014)

„Wer war… May Ayim?“

von Magda

Dieser Text ist Teil 12 von 37 der Serie Wer war eigentlich …

May Ayim (geb. Sylvia Brigitte Gertrud Opitz) wurde am 3. Mai 1960 als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers in Hamburg geboren. Sie lebte zunächst in einem Heim und wurde dann von einer Pflegefamilie in Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Ayim studierte Pädagogik und ließ sich in Berlin zur Logopädin ausbilden, war Dichterin, Schriftstellerin, Aktivistin in der anti-rassistischen und feministischen Bewegung in Deutschland und gilt als eine der Begründer_innen der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. Ihre Gedichte und Texte erzählen u.a. von ihren Kindheitserlebnissen als Schwarzes Mädchen und den damit verknüpften Erfahrungen mit Rassismus und Sexismus in Deutschland.

Die 1984 im Rahmen ihres Studiums der Pädagogik verfasste Diplomarbeit gilt als eine der ersten Forschungsarbeiten, die sich intensiv mit der Geschichte von Afro-Deutschen befasst und zum Grundlagenwerk in Deutschland und auch den USA wurde. Ihre Arbeit wurde im Buch “Farbe bekennen – Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte” veröffentlicht.

Ayim war 1985 eine der Gründer_innen der inzwischen bundesweiten Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland und 1989 des LiteraturFrauen e.V., ein Verein von und für Schriftstellerinnen in Berlin. Außerdem arbeitete sie jahrelang als Lehrbeauftragte, Sprachtherapeutin und Studienberaterin an verschiedenen Berliner Hochschulen. Ayim unternahm im Laufe ihres Lebens mehrere Reisen nach Ghana, in die USA, sprach auf verschiedenen Konferenzen u.a. in London oder in Toronto und hielt eine enge Freundschaft mit der Dichterin Audre Lorde. In dieser Zeit wählte sie den Namen ihres Vaters und nannte sich fortan May Ayim.

Kurz nach ihrer Diagnose der Multiple Sklerose wählte Ayim am 9. August 1996 den Freitod. May Ayim wäre heute 50 Jahre alt geworden.

Im Februar 2010 wurde das bis dato nach dem brandenburgischen Kolonialherren Otto Friedrich von der Gröben benannte Gröbenufer im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in May-Ayim-Ufer umbenannt.

May Ayim: “exotik” (1985)
nachdem sie mich erst anschwärzten
zogen sie mich dann durch den kakao
um mir schließlich weiß machen zu wollen
es sei vollkommen unangebracht
– schwarz zu sehen
(“Blues in Schwarz Weiss”, Orlanda Frauenverlag)

Weiterführende Lesetipps:

 


 

2004 wurde erstmals der May Ayim Award, der erste Schwarze Deutsche Internationale Panafrikanische Literaturpreis, verliehen.

2013 erschien im Orlanda Frauenverlag die Sammelausgabe ihrer Gedichte:  May Ayim „weiter gehen- Gedichte“, Berlin, 2013.

Der Bezug May Ayims zum Thema Antiromaismus (gleichwohl sie sich nie explizit damit beschäftigt/dazu geäußert hat) gestaltet sich darüber hinaus auf der einen Seite dadurch, dass sie auch darauf aufmerksam machte, sich mit anderen rassistisch diskriminierten Menschen zu solidarisieren und andererseits stellte sie heraus, dass – wie im folgenden Zitat zu sehen sein wird – die rassistische Trennung von der Mehr-gegenüber der Minderheit mittels Farbsymbolik eine entscheidende Rolle im „Othering“ Prozess/ der Konstruktion der/des Fremden spielt.

„Die christlich-abendländische Farbsymbolik brachte die Farbe Schwarz von jeher mit dem Verwerflichen und Unerwünschten in Verbindung. Entsprechend sind in der frühen Literatur Beispiele zu finden, wo weiße Menschen durch unrechtmäßiges Verhalten zu «Mohren« [///Mauren///] werden. Im Kirchenvokabular des Mittelalters wurden in markanter Weise die Bezeichnungen »Aethiops« und »Aegyptius« zeitweise als Synonyme für den Begriff Teufel benutzt. Religiös bestimmte Vorurteile und Diskriminierungen bildeten so einen Teil des Fundamentes, auf dem sich in der Kolonialzeit mühelos ein Konglomerat rassistischer Überzeugungen entfalten konnte, welches die Schwarzen Heiden (Mohren) zu Schwarzen Untermenschen (Negern) werden ließ.“ (May Ayim: 1997 zit.nach Susann Arndt: „Die afro-deutsche Minderheit“ in: AfrikaBilder, Münster, 2001.)

Wie hinlänglich bekannt sein dürfte, leitet sich das englische Wort „gypsy“ vom beschriebenen »Aegyptius« bzw. „egyptian“ ab und ist in früher Zeit ein Symbol für alles Fremde, also auch für die als Z Wort konstruierten und vor allem diskriminierten und verfolgten (Sinti und) Roma im deutschsprachigen Raum gewesen.

 

Michael von der Recherchegruppe Maulwurf

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