May Ayim „grenzenlos und unverschämt“ [3.5.1960 – 9.8.1996]

May Ayim „grenzenlos und unverschämt“

May Ayim 1986 in "Farbe bekennen"

May Ayim 1986 in „Farbe bekennen“

Heute vor siebzehn Jahren, am 9. 8. 1996, nahm sich die afrodeutsche Aktivistin May Ayim (geb. 3. 5. 1960 in Hamburg) in Berlin das Leben.

Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin (so z.B. die Gedichtbände „blues in schwarz-weiß“ 1996 und „nachtgesang“ 1997) war sie bereits seit den 1980er Jahren eine wichtige Figur in der feministisch afrodeutschen Bürger_innenbewegung und u.a Gründungsmitglied der Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland.

Mit „Farbe bekennen- Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ (Berlin,1986) gab sie gemeinsam mit Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz das erste Buch in der Bundesrepublik D,  welches sich mit Feminismus und afrodeutscher Geschichte beschäftigte, heraus.

Durch ihre Untersuchungen als Logopädin, ihre Gedichte und andere Veröffentlichungen gilt sie als eine der wichtigsten Pionierinnen der gerade erst im deutschen Sprachraum entstehenden (kritischen) Weißseinsforschung.

Mit verschiedenen Gedichten enttarnte sie den Rassismus des „wiedervereinten“ Deutschlands. Im Aufsatz „Das Jahr 1990 – Heimat und Einheit aus afro-deutscher Perspektive“ (1993) beschäftige sie sich bereits mit dem, was Jahre später als „deutsche Leitkultur“ die „Debatten“ bestimmen sollte.

May Ayim hat in ihrer Tätigkeit nie vergessen auch solidarisch gegenüber anderen unterdrückten Menschen zu sein. So betonte sie in „Farbe bekennen“ und anderen Werken die Notwendigkeit des Zusammenhalts von Schwarzen Menschen, Türk_innen, Asiat_innen sowie Sinti und Roma.

Im Jahr 1997 wurde sie in der Dokumentation „Hoffnung im Herz“ von Maria Binder porträtiert. Der Film steht im Internet bei einem einschlägig bekannten Filmportal zur Verfügung.

Seit 2010 gibt es in Berlin ein nach ihr benanntes May Ayim Ufer.

Erläuterung zum May Ayim Ufer / Foto von Recherchegruppe Maulwurf

Erläuterung zum May Ayim Ufer / Foto von Recherchegruppe Maulwurf 2013

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grenzenlos und unverschämt – ein gedicht gegen die deutsch sch-einheit [1990]

ich werde trotzdem
afrikanisch
sein
auch wenn ihr
mich gerne
deutsch
haben wollt
und werde trotzdem
deutsch sein
auch wenn euch
meine schwärze
nicht paßt
ich werde
noch einen schritt weitergehen
bis an den äußersten rand
wo meine schwestern sind
wo meine brüder stehen
wo
unsere
FREIHEIT
beginnt
ich werde
noch einen schritt weitergehen und
noch einen schritt
weiter
und wiederkehren
wann
ich will
wenn
ich will
grenzenlos und unverschämt
bleiben

——-

May Ayim hat mich seit meiner frühen Jugendzeit begleitet, mir immer dann Kraft gegeben, wenn es dringend war und trotz der Traurigkeit ihrer Gedichte die Notwendigkeit aufgezeigt, gegen Rassismus aufzustehen und sich für ein gleichberechtigtes Miteinander einzusetzen!

M. von der Recherchegruppe Maulwurf

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ein Kommentar

  1. […] 2010 erschien folgender Beitrag bei maedchenmannschaft.net, welchen ich hiermit dokumentieren möchte. Siehe auch hier. […]

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