Gedenkveranstaltung im Konzentrationslager Lety am 13.5.2013

Am 13.5.2013, 18 Jahre nachdem Václav Havel an einer Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Ermordung der (Sinti und) Roma des okkupierten tschechischen Teils der ehemaligen Tschechoslowakei teilnahm, fanden sich erneut Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher, konfessioneller sowie politischer Zusammenhänge in Lety u Písek ein.
Die Gedenkveranstaltung, welche vom Vorsitzenden der Kommission zur Entschädigung der Opfer des Roma Holocausts,  Čeněk Růžička, organisiert wurde, wurde durch einen Gottesdienst eingeleitet. Im Anschluss wurden Kränze am zentralen Mahnmal niedergelegt. Nahezu die ganze Zeit über hielten Aktivist_innen ein Plakat mit der Aufschrift: „Zbourejte Prasečák na mistě romského koncentráku v Letech“ (dt.: „Reist die Schweinemastanlage am Platz des Roma Konzentrationslagers in Lety ab“).

Gedenkveranstaltung in Lety I

Gedenkveranstaltung in Lety I

Kränze am Mahnmal in Lety

Kränze am Mahnmal in Lety

Mahnmal und Holzkreuz

Mahnmal und Holzkreuz

Danach folgten verschiedene Ansprachen, deren Inhalte wir hier kurz zusammenfassen sowie kommentieren möchten.
Es sprachen u.a. Vertreter der ehemaligen Alliierten, genauer der USA, Großbritannien, Frankreich sowie der Bundesrepublik D. Bis auf den französischen Vertreter hielten alle ihre Rede auf Tschechisch; der amerikanische Botschafter Norman Eisen begann seine Rede bemerkenswerterweise in Romanes, um die Anwesenden zu begrüßen. Bis auf Frau Šimůnková, Vorsitzende des Rats für Menschenrechte der Regierung der Tschechischen Republik, welche in ihrer Ansprache u.a. auch die Zusammenlegung des Roma-Museums in Brno mit der Mährischen Landesbibliothek kritisierte, waren keine Vertreter_innen der etablierten Politik anwesend. Ondřej Liška, Vorsitzender der tschechischen Grünen, betonte die prekäre Wohnsituation vieler Roma in der Tschechischen Republik, insbesondere in Ostrava und Ústí n.L./Předlice und hob in seiner Rede hervor, dass das oft genannte Argument, die Verlegung der Schweinemastanlage in Lety sei in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu teuer, hinfällig sei – einerseits aufgrund der historischen Dimension des Ortes, die endlich offiziell anerkannt werden solle, und andererseits aufgrund der jährlich anfallenden Kosten der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Roma. Als einer der letzten sprach der Aktivist Miroslav Brož, welcher den s.g. Antiziganismus in der Mitte der Gesellschaft deutlich herausstellte und ebenfalls auf die vielerorts schlechte Wohnsituation zu sprechen kam, die sich mit den Lebensbedingungen im Konzentrationslager vergleichen lasse.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass vor allem die Forderungen nach einer Verlagerung der Schweinemastanlage und die aktuelle Situation der Roma in der Tschechischen Republik im Mittelpunkt der Reden standen.

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