Rassismus – ein alltägliches Erlebnis. Überlegungen Teil I.

Rassismus – ein alltägliches Erlebnis. Überlegungen Teil I.

Einleitende Worte

„Wie die Zigeuner“ heißt ein Buch des Historikers Wolfgang Wippermann aus Berlin, der damit 1997 in einem größerem Umfang das Problem des Rassismus1 gegen Sinti und Roma darzustellen versuchte, in systematischer Art und Weise den s.g. „Antiziganismus“2 mit Antisemitismus verglich.3 Leider ist es müßig zu erwähnen, dass allein der Titel bereits vorhandene Stereotypen über diese Gruppe reaktiviert, was jedoch in der bis zu diesem Zeitpunkt laut Autor bestehenden Tatsache zu begründen liegt, dass selbst in Akademiker_innenkreisen kein Problembewusstsein über die Verfolgung von Menschen, die als s.g. „Zigeuner“ stigmatisiert werden/wurden besteht/bestand und folglich das Phänomen erst einmal in einer Begrifflichkeit erfasst werde musste. Die Begrifflichkeit setzt nämlich bei oberflächlicher Betrachtung paradoxerweise gerade das Vorhandensein eines vermeintlichen „Ziganismus“ bzw. „Zigeunertums“ voraus, so etwas gibt es aber nicht.4 „Antiziganismus“ als Fachterminus ist bis zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin lediglich ein universitärer Diskurs, da er – selbst in der Rechtschreibprüfung in Textverabreitungsprogrammen als Fehler angezeigt – in einer breiteren Öffentlichkeit bisher keine Anwendung findet. Problematisch am Begriff ist desweiteren, dass er Gefühle und Befindlichkeiten derer zu verletzen droht, die „Ziel“ dieser Diskriminierungsform sind.5 Zudem existiert mittlerwiele sogar eine rumänischsprachige Internetseite gleichen Namens, die sich positiv auf den Begriff bezieht. Die „Zigeuner“ gibt es wie bereits angedeutet nicht, es handelt sich vielmehr um Projektionen an denen seit Jahrhunderten festgehalten und konstruiert wird. Das Beharren an dieser Begrifflichkeit sagt darüber hinaus viel mehr über die weiße Mehrheitsgesellschaft aus als über die als „Zigeuner“ stigmatisierten Personen. In Analogie zum s.g. „N Wort6 möchte der Autor gerne darauf hinweisen, dass unter der Begrifflichkeit „Zigeuner“ keinesfalls – wie bereits oben angeführt – reale Personen, sondern lediglich Projektionen zu verstehen sind. Es steht daher die Überlegung im Raum zukünftig von „Z Wort“ zu sprechen.7 Historiker, wie der weiter oben genannte Wolfgang Wippermann, versuchten diese Problematik in der Vergangenheit durch Anführungsstriche zu kennzeichnen und wiesen darauf hin, dass die Begrifflichkeit „Z Wort“ nicht durchgängig durch die teilweise falsch verwendete Form „Sinti und Roma“ ersetzt werden kann. Nicht immer ist eindeutig, ob mit dem Z Wort nun Sinti und Roma, Roma oder Sinti oder andere Menschen, die Rassist_innen als solche diffamieren wollen, gemeint sind. Zum anderen werden die Begriffe/Begriffsgruppen Roma, osteuropäische Roma und Sinti und Roma auch synonym von Rassist_innen anstatt des „Z Worts“ benutzt. Ein entscheidender Unterschied ergibt sich folglich bei der Frage, ob es sich bei der betreffenden Begrifflichkeit um ein Stereotyp oder um reale Personen handelt bzw. handeln soll. So ist zu beachten, dass Vertreter_innen der Cinti Union Köln mit dem betreffenden Wort kein Problem haben und es als Selbstbezeichnung verwenden. Den Rassist_innen dürfte dieser Unterschied nicht bewusst sein, weshalb dies hier betont werden soll um nicht den Anschein zu erwecken, Teil der Reproduktion dieses verächtlichen Terminus zu sein. Auf der anderen Seite redet der Begriff „Antiziganismus“ wiederum Argumentationen das Wort die darauf abzielen, dass „die“ Sinti und Roma eine homogene Gruppe wären. Dass „Antiziganismus“ sich auch gegen Menschen richtet, die nicht der Gruppe der Sinti und Roma angehören, zeigten in jüngster8 Vergangenheit unter anderem die zwei Angriffe auf Zirkusfamilien in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen.9 Aber bereits im NS wurden Leute als „Z Wort“ verfolgt, die als „arbeitsscheu/asozial/unstet“ galten, obdachlos, alkoholabhängig waren oder gar der Prostitution nachgingen. Dass all dies mit den eigentlichen Sinti und Roma in keinerlei Verbindung steht fand in der Denkweise der Nationalsozialist_innen keinen Platz. Und selbst Polizei und Gestapo wunderten sich damals noch, nachdem ihnen ihre niederländischen Helfeshelfer nach dem Einmarsch der Wehrmacht in ihrem Staat die sich selbst als Wohnwagenbewohner bezeichneten Personen überstellten – für die deutschen Nationalsozialist_innen waren diese weißen10 Niederländer_innen keine „Z Wort“ – für die niederländischen Behörden schon.11 Ein Abstrusum in der Geschichte der Zeit, wurden diesen Menschen wieder freigelassen, andere andernorts als nicht in die Logik der Nazis passende von Roma als Gadsche12 bezeichnete wurden jedoch als „Z Wort“ im NS verfolgt und vernichtet.

Warum, weshalb und wie?

In diesem Text soll der Versuch unternommen werden zu zeigen, wie Rassismus/“Antiziganismus“ im Alltag vonstatten geht. Dabei dienen dem deutschsprachigen Autor, welcher in der Tschechischen Republik lebt, Beispiele aus dem Alltag aber auch aus dem (ehemaligen) Berufsfeld (als Dozent) sowie von Menschen, die im Bildungssektor tätig sind. Die Beispiele sind weder systematisch noch Theorie geleitet und sollen keinesfalls den Eindruck erwecken, Allgemeingültigkeit beanspruchen zu wollen oder zu können. Zwar werden ansatzweise Erklärungen für Vorgänge in der Gesellschaft aus der Mikroebene heraus dargestellt. Es geht aber vielmehr um das Sichtbarmachen des alltäglichen Rassismus‘ in der Gesellschaft, welcher vielleicht manchmal in der akademischen Welt so nicht wahrgenommen wird. Auf der anderen Seite offenbart sich Rassismus manchmal nicht so direkt, da den rassistischen Akteur_innen bewusst sein dürfte, dass sie bestimmte Dinge in z.B. formalen Situationen wie Bewerbungsgesprächen oder an der Universität nicht ohne Missfallen des Umfeldes äußern können. Darüber hinaus werden auch Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum vorgestellt, ohne jedoch eine „künstliche“ Vergleichbarkeit erzeugen zu wollen.
Die Erfahrungen des Autors im Alltag sind davon geprägt, dass er sich als politischer Mensch begreift. Handeln in einer (hier kurz als „Gesellschaft“ bezeichneten) Welt ist weder losgelöst vom Handeln anderer Menschen noch von der großen geschweige denn kleinen Politik. Alles, was wir tun oder unterlassen, hat mit gesellschaftlichen Normen und Werten zu tun, mit denen wir uns entweder einverstanden oder im Konflikt sehen. Wenn Menschen beispielsweise einen rassistischen „Witz“ erzählen, so mag das in der konkreten Situation keinem Menschen direkt schaden, hat aber darüber hinaus weitreichende Folgen für diejenigen, welche abfällig beschrieben werden. Bilder über Menschen entstehen im Kopf, das „Fremde“ wird in der nordeuropäischen „weißen“ Kultur als etwas Bedrohliches dargestellt. Ist erst einmal ein Bild von der Gruppe ABC gezeichnet, fällt es den meisten Menschen trotz kognitiver Fähigkeiten schwer, dieses wieder zu korrigieren. Es würde an dieser Stelle zu weit gehen auf kritische Betrachtungsweisen bezüglich der Konstruktion der Nation im Europa des 19. Jahrhunderts einzugehen. Nur eine Anmerkung dazu. „Imagined Communities“ (Benedict Anderson13 ) als starre Begebenheiten dürften heutzutage die wohl noch wirkungsmächtigsten Deutungsmuster sein, welche zur Ausgrenzung der „Anderen“, sprich der Opfer rassistischer Diskriminierung, führen. So werden in der Bundesrepublik D14 Schwarze15 und andere POC16 mit deutschem Pass und in der Tschechischen Republik Roma, Menschen aus Vietnam und andere POC mit slowakischem oder tschechischem Pass permanent rassistisch diskriminiert. Von s.g. „Ausländerhass“ ist deshalb keineswegs zu sprechen, da dieser Begriff erstens den Fremden als solchen in Form des „Ausländers“ konstruiert und zweitens verkannt wird, dass dem Motiv der Täter_innen ein rassistisches Weltbild zu Grunde liegt und nicht die formale Staatsbürgerschaft „deutsch“ oder „tschechisch“ damit etwas zu tun hat. Menschen werden nicht aufgrund der Farbe des Personalausweises (Bundesrepublik D: grün/ Tschechische Republik: überwiegend rosa), sondern aufgrund verfestigter rassistischer Vorstellungen diskriminiert. Dass in der Tschechischen Republik Menschen die tschechische Staatsbürgerschaft besitzen, welche nicht in diesem Staat geboren sind, interessiert dabei die Rassist_innen genauso wenig, wie dass seit bereits über hundert Jahren Schwarze Menschen auf deutschsprachigem Raum leben und Teil einer vermeintlichen einheitlichen „deutschen Kultur“ und Gemeinschaft sind und sich mit dieser ggf. auch identifizieren.

Es gibt keine schlechten oder guten Roma – es gibt nur Menschen!
Bilder über Roma

Wenn man sich mit dem Rassismus gegen Roma in der Tschechischen Republik und dem gegen Sinti und Roma in der Bundesrepublik D beschäftigt, fällt zunächst Folgendes auf. Wie beim Antisemitismus handelt es sich bei „Antiziganismus“ um eine Diskriminierungsform, welche die Gruppe der Sinti und Roma in einer negativen Art beschreibt, Beispiele folgen weiter unten. Auf der anderen Seiten gibt es einen Rassismus bzw. die Verfestigung von Bildern, welche viele Autor_innen als „romantisierenden“ Rassismus bezeichnen.17 Ich plädiere an dieser Stelle dafür, eher von exotisierendem Rassismus zu schreiben, weil gerade beim „Antiziganismus“ die Ambivalenz von negativen und vermeintlich positiven Eigenschaften zu Tage tritt. Somit ist also gerade das „Andere“ trotz bestehender Negativbilder positiv konnotiert, obwohl dies sich offensichtlich widerspricht. Beim Antisemitismus kommt dieser Widerspruch am besten zum Ausdruck im Bild von den angeblichen bolschewistischen und mächtigen Finanzjuden mit Sitz in New York. Der offenkundige Widerspruch zwischen der bolschewistischen Sowjetunion und der kapitalistischen USA stellte für antisemitische Hetzblätter wie den Stürmer kein Hindernis dar, all das angeblich Böse, das Deutsche Reich Bedrohende, in einen Topf zu stecken. Vergleichbar dazu ist die widersprüchliche Argumentation von Rassist_innen, welche Roma unterstellt Sozialhilfe zu beziehen, kriminell zu sein und nicht zu arbeiten und andererseits an alt eingefahrenen Stereotypen festhält, wonach Sinti und Roma ein romantisches weil wildes Leben führen, bei ihnen die Spiritualität und das Geheimnis- und Reizvolle im Miteinander als Freie noch nicht vollends verloren gegangen sein soll und sie generell nicht im engen Korsett der Leistungsgesellschaft gefangen zu sein scheinen.18 Dazu ergänzend: Wer am Lagerfeuer sitzt, scharfes Essen und lustige Tänze genießt, wird wohl auch nicht die Notwendigkeit von Bildung selbst erkennen, so O-Ton vieler Antiziganist_innen.19 Hier liegt dann auch der Übergang von einem aus dem NS zur Anwendung kommenden rasseanthropologischen hin zu einem kulturellen Rassismus. Anstatt von rassisch Minderwertigen und dem deutschen Volkskörper schädigenden Vaganten oder Ähnlichem wie in den Nürnberger Rassegesetzen zu sprechen, attestiert man den Roma einfach kulturelle Unterschiede, die sie ja auch angeblich selbst ständig betonen. Zugespitzt umgedreht hielten deshalb folgerichtig zwei Romni auf der ersten Roma Pride Parade in der Tschechischen Republik im Oktober 2012 in Prag ein Schild in die Luft: „Wir tanzen nicht nur, wir studieren auch!“ [FOTO]. Das nichtsdestotrotz eingefahrene Bilder von Roma bestehen, belegen auf der anderen Seite zahlreiche Kurzfilme bei einem bekannten Videoportal im Internet. Als einmal kritisch nachgefragt wurde, ob man als der-/diejenige der/die so etwas hochlädt nicht einmal ein kritisches Kommentar den Nutzern mit auf den Weg geben könnte, kam schließlich folgendes Kommentar am 28.2.2013, welches hier dokumentiert sei:

„das ist doch nur ein traditionelles Volks-und Wanderlied aus dem 19. Jahrhundert. Jemand, der das singt, verharmlost damit doch nicht die Verbrechen der Nazi-zeit. Jedenfalls kannst du 100%ig sicher sein, dass Gerd Höllerich alias Roy Black diese Verbrechen nicht verharmlosen wollte!!! GERD HÖLLERICH hat nämlich mütterlicherseits selbst ROMA VORFAHREN. Er selbst ging mit dem wort „zigeuner“ gelassen um, sah es nicht als schimpfwort, sondern eher romantisch…ein wort an sich ist ja nix böses… „.20

Beispiele für Rassismus gegen Roma und POC in der Tschechischen Republik

Wenn eine Kupferdachrinne (sehr teures Metall) von einem Haus abgeschraubt oder auf der Bahnstrecke Ústí nad Labem Richtung Teplice Kupferkabel aus dem Stellwerkssystem des Bahnhofs gestohlen werden (und dies zu einer zweistündigen Verspätung/Pause des Zugs führt), kann mensch folgende Dinge von Mitbürger_innen hören: Es wäre ja wohl mal wieder typisch, dass die „Z Wort“ das Metall klauen um es in Geld umzusetzen. Allgemein sei angemerkt, dass in der Tschechischen Republik Schrottsammeln und das anschließende in Geld Umsetzen ein verbreitetes Phänomen bei den Ärmsten der Gesellschaft ist, also auch bei alten Menschen, deren Rente nicht zum Lebensunterhalt reicht. Schrottsammler_innen haben meist einen kleinen Handwagen und werden im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung als Roma gedacht. Auf der anderen Seite führt das zu dem Effekt, dass Schrott nicht in die Mülltonne geschmissen, sondern danebengestellt wird. Weiterführend wird der Sozialchauvinismus der Mehrheitsbevölkerung dahingehend verstärkt, indem bei neben den Mülltonnen befindlichem Müll auf Roma verwiesen wird – sie also auch ausschließlich für Unordnung verantwortlich gemacht werden. In Ungarn ist wahrscheinlich deswegen beispielsweise seit 2012 das Stöbern in Mülltonnen verboten. In Ústí nad Labem konnte der Autor schon beobachten, wie in den Mülltonnen suchende Menschen von der Polizei durch Passkontrollen schikaniert wurden. Der Hinweis des Anrainers, dass die Mülltonnen sich auf einem Privatgrundstück befinden und somit die Polizei samt ihres Fahrzeuges dort nichts zu suchen hätten, wurde folglich mit einer Personalienkontrolle erwidert. Dabei brachten die Beamt_innen der Stadtpolizei (vergleichbar mit dem „deutschen“ Ordnungsamt) ihrer Verwunderung Ausdruck, dass Bundesrepublik D Passbesitzer_innen über keine tschechische Fahrerlaubnis verfügen – verrückte Welt – die gedemütigte Person konnte zumindest dieser Situation entschwinden. An sich muss für die Beamt_innen die Erfahrung, dass sich ein_e weiße_r „ausländische“ Person für eine Romnija stark macht, für große Verwunderung gesorgt haben, aber das ist reine Spekulation. Als weiße Jugendliche der Mehrheitsbevölkerung in den Stadtbrunnen von Ústí nad Labem urinierten, erfreuten sie sich darüber, als die Ärmsten der Gesellschaft (also auch Roma) am folgenden Morgen aus Ermangelung von Alternativen sich darin wuschen.21 Ebenso bekam mensch auf die Frage, wo in der Stadt Undergroundkonzerte in alten Fabrikhallen stattfinden, die Antwort „in Predlice leben Z Wort“, was die Frage nicht beantwortete und auch nicht muss, weil hier offensichtlich das rassistische Mitteilungsbedürfnis von Mitmenschen wichtiger ist als die Information, wo mensch tanzen gehen kann.
In einem Tschechischkurs musste mensch die verkürzte Weltsicht eines/einer Tschechischlehrer_in wie folgt erfahren: Es war dem/der Lehrer_in offensichtlich keine Sekunde wert sich zu merken, dass die beiden Schüler_innen, die vorne saßen aus Nigeria und der Republik Südafrika kamen. Wie Noah Sow in ihrem Buch „Deutschland schwarz weiß“22 treffend formuliert: „Schwarze kommen offensichtlich immer aus Afrika“. Es ist eben nicht nur diese verkürzte Art eines Sprachkurses, in dem man Stück für Stück über stereotype Vorstellungen eine Sprache lernt (Welches tschechische Essen isst du gern? – Knödel mit Gulasch.) sondern symptomatisch, dass die beiden älteren Kursteilnehmer_innen mit den markanten Brillen und Pullovern (im Gegensatz zu den meisten anderen Kursteilnehmer_innen) über keine andere Eigenschaft, als dass sie „aus Afrika“ sind, verfügten. Beim Spiel „Kannst du etwas über XY sagen?“ erwartete der/die Lehrer_in nur folgerichtig von einem/einer anderen Kursteilnehmer_in, dass er/sie über die betreffenden Personen mit den markanten Brillen sagt, diese wären „schwarz“. Dass die ca. 50 Jahre alte Frau mit Brille (übrigens aus Nigeria stammend) Hip Hop mag, war in diesem Moment wohl nicht einprägsam genug. Mensch denke nur an die mit Mittfünfzigern überfüllten Hip Hop Konzerte, welche symptomatisch für diese Jugendkultur sind. Es war auch der/die selbe Lehrer_in, der/die auf die Frage „Was magst du nicht in der Tschechischen Republik?“ die Antwort bekam: „Rassismus gegen Roma“ und prompt in versuchter Sachlichkeit das Wort „Cikani“ (dt. „Z Wort“ sic!) an die Tafel schrieb, um es den Schüler_innen als ernstgemeinte Vokabel darzustellen. Merkwürdig nur, dass er bei den Vokabeln für Taube und Stumme in Klammern die negativ gemeinten umgangssprachlichen Begriffe und die offizielle Bezeichnung schrieb, damit die Schüler_innen den Unterschied kennen. Bei Roma (tsch. Romové) war das in seiner/ihrer Sichtweise offensichtlich weder möglich noch nötig.
Mitunter bekommt man von Hausnachbar_innen in Ústí nad Labem ungewünscht die Information, dass andere auf der Straße lebende Menschen „Z Wort“ seien und mensch sich vorsehen sollte mit diesen Kontakt zu haben. Warum man sich von Menschen fernhalten soll, die (und das ist der Punkt: das interessiert den/die Autor_in gar nicht) evtl. Roma sind, kommt mir alles andere als logisch vor, genauso das mensch die Haustür beim verlassen zweimal abzusperren hat. Auf Nachfrage des Sinns bei Nachbar_innen kam die Antwort, dass sonst die … .23 Ironischerweise auch von der/dem Nachbar_in, der/die von dem/der anderen Nach bar_in als „Z Wort“ bezeichnet wurde und obendrein noch die Aufforderung, das Fahrrad nicht nur abzuschließen, sondern mit ins Haus zu nehmen. Ob es sich hier – auch wenn wir von einer hunderttausend Einwohnerstadt sprechen – um typisch dörfliches Geschnatter handelt, sei dahingestellt. Interessant dürfte an dem Beispiel die teilweise aggressive Argumentation der Protagonist_innen sein. Gute zwei Jahre nach dieser Erfahrung passierte es dann trotz abgeschlossener Tür: eine teure Fahrradlampe wurde gestohlen, obwohl die Tür ständig abgeschlossen war und dies auch stets kontrolliert wurde. Glücklicherweise wurde dem/der Autor_in nicht eine eventuell in Frage kommende Täter_innengruppe genannt, sondern der Sachverhalt weitgehend totgeschwiegen. Auch kam es vor, dass Handwerker_innen sich gegenseitig als „Z Wort“ beschimpften, nachdem ein schweres Werkzeug auf den vermeintlich teuren Holzfußboden der Auftraggeber_innen fallen gelassen worden war (und diesen leicht beschädigte). Die Konnotation in diesem Fall ist eindeutig: „Du bist ein „Z Wort“ – also dumm, tölpelhaft und somit schlecht!“ Woher solche Bilder stammen, lässt sich leicht erahnen, wenn man folgendes Büchlein zu Rate zieht. In „Anton – Panton Strohsaackmoon – Sudetendeutsche Neck- und Spottverse“ (erschienen 2007 in Spitzkunnersdorf) der Autorin Brunhilde Steitz, liest man auf Seite 11 Folgendes: (Elbetal)

„Heinarich, Zigeinarich
wos mochn deine Taubn?
Patzln scheißn. Patzln scheißn,
der Heinrich muß se klaubn.“ (Elbetal)

Der Protagonist Heinrich wird als tölpelhaft dargestellt, weil er sich anstatt „nutzbarer“ Tiere Tauben hält. Ohne weiter eine Inhaltsanalyse betreiben zu wollen wird klar, dass mit der Adjektivform des „Z Wortes“ eindeutig eine negativ konnotierte Bewertung des Zeitgenossen vorgenommen wurde.

Auf Seite 51 bekommt man dann noch folgende Weisheit mit auf den Weg:

„Sooch amol: Afrikaner!“
„Du bist a AFF und ich kaner!“ (Neudek, Egerland)

Dass die Autorin, welche die den Mundarten eigenen Verse in diesem Büchlein zusammengetragen hat, offensichtlich nicht Willens war, sich mit dem darin enthaltenen Rassismus auseinanderzusetzen, ist sehr bezeichnend für die Gegenwart, in der das eigene Leid der nach 1945 ausgesiedelten deutschsprachigen Bevölkerung in der entstehenden Tschechoslowakei wichtiger ist als der Völkermord an den Sinti und Roma sowie an POC in deutschen Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs. Viel wichtiger erscheint der Autorin das Bewahren der Mundarten und die Erinnerung an die „Heimat“, welche sonst verloren gehen würde (siehe Vorwort). Oder kurz gesagt: Unser Folklorekram ist wichtiger als alles Andere und das Verletzen der Würde Anderer interessiert uns nicht.
Aber auch fernab der nichtschulischen Welt stößt man auf tendenziöse Kommentare, wie nachfolgend zu sehen ist. An einer Mittelschule kommentierte ein/eine Lehrer_in als sie feststellte, dass sie ein Loch im Pullover hat, dies wie folgt: „Ich sehe aus wie eine Z[…].“ Auf der anderen Seite werden Lehrer_innen, die in einer anderen Schule Tschechischkurse für Migrant_innen geben, von den Hortner_innen eben dieser Schule gefragt, warum sie so viel für „diese Mongolen“ tun. Gemeint waren keinesfalls nur die wirklich aus der Mongolei stammenden Individuen, sondern übergeordnet alle Migrant_innen also auch bspw. POC. In unverfänglichen Gesprächen erfährt mensch davon, dass die Einwohner_innen von Litoměřice ihre Stadt so schön finden, weil es dort „so wenig „Z[…]“ gibt“. In selber Stadt wird für einen s.g. „Etno den“ (in etwa „Ethnotag“) mit dem Bild eines stilisierten POC mit extra breit dargestellten Lippen geworben.24 Ethnisierungen bestimmter Tugendzuschreibungen gestalten sich wie folgt und werden nicht weiter hinterfragt: „Die Vietnamesen arbeiten ja, die „Z Wort“ aber nicht.“ Wenn eine in der Bundesrepublik lebende Innenarchitektin mit tschechischer Staatsbürgerschaft ihre Schwester in deren Neubauwohnung in Ústí nad Labem besucht und festzustellen versucht, dass der Stil der Einrichtung nicht ganz einheitlich ist, wird das wie folgt kommentiert: „Das sieht aus wie bei den Z Wort“.25 Auf Nachfrage ob darüber empirisch valide Ergebnisse vorliegen erfährt mensch meistens nur, dass das doch jeder weiß. Ebenso bei einer Mitfahrgelegenheit nach Karlovy Vary mit dem Hinweis, dass wenn mensch genau dieses Dorf betrete er ohne Kleidung wieder hinauskomme, weil die „Z Wort“ einem alles abnehmen würden. Sich kurz vergewissernd, dass mensch sich im 21. Jahrhundert befindet und nicht in einer Zeitmaschine ins Mittelalter, wo Scheiterhaufen brannten, weil Frauen nach 18 Uhr Kräuter im Wald sammelten, bekam mensch die Antwort, dass das doch in allen Zeitungen stehen würde und jeder wisse, dass tschechische (gemeint sind s.g. sich ethnisch weiß definierende) Bürger_innen ihr Auto bei Sozialhilfeempfang abgeben müssten und im Gegensatz dazu die „Z Wort“ trotz Sozialhilfe Mercedes26 fahren würden. Abstruser können sich Bilder über POC und in diesem Fall speziell über Roma gar nicht mehr gestalten. Nimmt man jedoch folgendes Zitat hinzu, wird einem schnell die Logik des Rassismus‘ gegen Roma klar: „Ich bin ein bisschen rassistisch, gegen Vietnamesen und Deutsche habe ich nichts, aber die „Z Wort“ müssen aus der Stadt“ (Schüler_in, 15). Solange jemand „bestimmten“ Pseudokategorien (fleißig, sauber, strebsam) entspricht, darf er in der Gruppe der „Weißen“ mitmachen. Fraglich ist dabei jedoch die Grenzziehung durch die Rassist_innen und auf der anderen Seite sollte mensch nicht vergessen, dass Eigenschaften von Individuen nichts mit denen einer konstruierten Gruppe gemein haben. Anders formuliert: Kriminalität als Eigenschaft ist nicht vererbbar, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sagt nichts über die individuellen Präferenzen Einzelner aus. In Momenten, in denen die Überlegung „man sei nur ein bisschen rassistisch“ wiederum keine Rolle spielt, kann mensch sich selbst Vorteile verschaffen. Wenn mensch sich den öffentlichen Straßen- und Hausbau, aber auch den privaten Hausbau in Nordböhmen stichprobenartig anschaut, stellt mensch fest, dass die „niederen“ Arbeiten oft von POC ausgeführt werden. Diese arbeiten meist illegal und sind nicht versichert.27 Schwere Maschinen sind zwar im Straßenbau vorhanden, aber warum sollte mensch diese nutzen, wenn fünf kräftige POC die Arbeit viel schneller machen? Dass der Polier meistens ein/eine „weiße_r“ tschechische:r Staatsbürger_in ist, sei nur am Rand erwähnt, genauso, dass die Menschen mit kaputten Rücken und Behinderungen durch Unfälle auf dem Bau POC sind, welche dann selbst noch wenn sie im Rollstuhl sitzen in Mülltonnen nach Essen suchen müssen (an einer der Hauptstraßen von Ústí nad Labem regelmäßig zu beobachten). Interessant ist an diesem Beispiel wiederum nicht, dass es POC gibt, die als Einzelbeispiele für Opfer eines mangelnden Arbeitsschutzes am Bau angeführt werden können, sondern dass die „weiße“ Mehrheitsbevölkerung genau dieses Bild von der Gruppe hat. Wenn jemand in der Mülltonne nach brauchbaren Sachen sucht sind es „die“ Roma. Wenn Müll neben der Tonne liegt wird implizit mitgedacht, dass es Roma waren, die nach Verwertbarem suchten. Wenn man auf einer eigenen Baustelle schwere Arbeiten zu verrichten hat „holt man sich irgendwelche billigen Ukrainer“28 . Dass Roma überdies immer in Ghettos leben, scheint dabei genauso eine Selbstverständlichkeit im Denken „weißer“ Nordeuropäer_innen zu sein wie, dass es dort, wo „die“ Roma leben, schmutzig ist . Das in Litvínov-Janov in einem Neubaukomplex, welcher im November 2008 von Neonazis und Bürger_innen angegriffen wurde, der Müll auf der Straße lag, hatte wohlgemerkt nichts mit dem Reinlichkeitsempfinden der Anwohner_innen, sondern schlicht und einfach mit der Müllabfuhr zu tun, die lediglich aller zwei Wochen (sic!) erschien.
Ergänzend dazu möchte ich noch ein Kommentar dokumentieren, welches auf einer Veranstaltung in Dresden, bei der es um Rassismus gegen Roma in Nordböhmen ging, geäußert wurde.29 Ein/eine Fragesteller_in berichtete von seinem/ihrem Urlaub in der Türkei und dem Unverständnis darüber, dass „ein Nomadenvolk wie die Türken sich über ein anderes Nomadenvolk (gemeint waren „Z Wort“) stellen würden“. Er/Sie berichtete davon, dass ein/eine Touristenführer_in bei einem Rundgang über dort ansässige Roma wie folgt sprach: „die kommen bald weg hier“. In der Vorstellung der Frager_in war genau dieses Bild, dass Roma entweder in Ghettos oder aber in Pferdewagen lebend durch die Welt ziehen, verankert.
Dass rassistische und neonazistische Einstellungen in der Tschechischen Republik kein Hindernis sind, um in der Popkultur und im Musicalbereich erfolgreich sein zu können, zeigt die Biografie des 1968 in Prag geborenen Daniel Landa. Der als (Solo-)Musiker, Schauspieler, Musicalschreiber und Rennfahrer tätige Landa war zu Beginn der 1990er Jahre Sänger in der wohl bekanntesten und bis heute am meisten glorifizierten (Nazi) Skinheadband der Tschechischen Republik. Im Jahr 1990 erschien das Album „OI!“ von Orlik, welches ein Lied enthält, bei dem von „weißer Liga“30 die Rede ist: „Álíb agil“ ist rückwärts gelesen: „Bílá liga/weiße Liga“ – dort geht es um „Millionen von Parasiten, die ernährt werden müssen“31 . Darüber hinaus wird erläutert, was man von Böhm_innen (gemeint sind Tschech_innen) erwartet: Bier trinken. So dümmlich und naiv das klingen mag, so gefährlich waren derartige Textzeilen, wenn es darum ging, unter „weißen“ Tschech_innen eine imaginäre Gemeinschaft, welche Roma als „Parasiten“ betitelt, zu erzeugen. Zwar bestritten die Protagonist_innen der Band stets den Vorwurf des Rassismus und bezeichneten sich selbst als Patrioten. Beobachter_innen dieser Musikkultur bezeichnen die Band wohl nicht ohne Grund als wichtige Integrationsfigur der Anfang der 1990er Jahre entstehenden Nazi-Bewegung in der Tschechischen Republik aus Teilen derer auch die Blood and Honour Sektion Bohemia ihre Mitglieder rekrutierte. Selbst der angeblich „antifaschistisch“ zu verstehende Song „Fascho“ auf der Platte vermag es nicht, Zweifel an der Eindeutigkeit der Band aufkommen zu lassen. Dort geht es um ostdeutsche Naziskinheads, die im glorifizierten „Böhmen“ nicht willkommen seien. Dies muss man unter den besonderen Umständen nach 1990 interpretieren. Derartige Texte wären – aufgrund des viel beschworenen Europa der Völker – unter heutigen Nazist_innen nicht möglich. Von solchen Diskussionen ist Daniel Landa heutzutage natürlich weit entfernt, lässt es sich doch ganz gut mit Musical- und Fernsehshows verdienen.32 Wenn man nun berücksichtigt, dass jemand mit eindeutig brauner Vergangenheit ohne Kritik in der Öffentlichkeit agieren kann, verwundert es nicht, wie es zu den hier beschriebenen Fällen kommt. Problematisch stellt sich somit nicht der Rassismus im Allgemeinen dar, sondern die, welche darauf hinweisen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich mittlerweile einer der beliebtesten Folksänger der Tschechischen Republik (gemeint ist Jaromír Nohavica) auf die Seite Landas stellte und seine Vergangenheit als Jugendsünden abzutun versucht.

Einen Rassismus, dem sich die Macher_innen überdies gar nicht bewusst sein dürften (was keine Ausrede ist), stellt die ethnisierte Darstellung eines Menschen dar, die ich an dieser Stelle beschreiben möchte. In der tschechischen Oldtimerszene, in der es erfahrungsgemäß um den Erhalt von historischen Fahrzeugen und Geräten geht, scheint mancherorts die Begrifflichkeit „postkoloniale Kritik“ genauso ein Fremdwort zu sein wie Biodiesel oder bleifreies Benzin. In der aus Brno (Brünn) stammenden Fachzeitschrift Motorjournal33 erscheint Monat für Monat auf Seite vier ein Ratgeber namens „Royaume Tramtaria“, was so viel wie „Märchenland“ bedeutet. Überschrieben ist das Ganze mit „eine Hand voll Nägel auf der Straße“. Dargeboten werden in der Rubrik historische Daten und Geschehnisse, welche im weitesten Sinne mit alter Technik zu tun haben. Auf dem daneben befindlichen Bild ist ein POC mit übergroßen Lippen und Ohrringen abgebildet, welcher mit seinem 1930er Jahre Auto gegen das Schild gefahren ist, auf dem „Märchenland“ steht. Es wird also versucht zu vermitteln, dass erstens POC nicht Autofahren können, zweitens POC immer dieser ethnisierten stereotypen Form entsprechen und somit immer gegenüber der/dem weißen Nordeuropäer_in „fremd“ sein müssen und demnach auch immer auf deren Hilfe angewiesen sind oder anders gesagt geführt werden müssen, sonst bräuchten sie ja diesen Ratgeber nicht.34 Die rassistische Botschaft ist eindeutig: „schwarz ist gleich dumm und primitiv“. Dass solche Abbildungen heutzutage immer noch Anwendung finden, zeigte ja bereits die beschriebene Werbung für den s.g. „Ethnotag“ in Litomerice weiter oben. Jedoch scheinen solche Beispiele keine Einzelfälle zu sein, wie der Fall des Polizeikalenders für das Jahr 2012 der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern (DPolG) aufzeigt. In einem scheinbar „witzig“ gemeinten Comic sind zwei weiße Beamt_innen zu sehen, von dem eine/r einen POC im Sicherungsgriff hat. Der POC, der muskelbepackt, mit großen Lippen und aggressivem Blick zur/m Beamten/in schaut, die hinter dem Tresen des Empfangszimmer steht, schreit: „…was heiß´ hie´ Ve´dunklungsgefa´…?!“ (Rechtschreibung im Original). Ohne weiter auf dieses kolonialistische Meisterstück des Rassismus einzugehen, sei kurz erwähnt, was hier scheinbar versucht wird zu vermitteln: schwarze Menschen in der Bundesrepublik sind immer Verbrecher_innen, sprechen nicht richtig Deutsch und können somit gar keine „richtigen“ Deutschen sein, selbst wenn sie eine deutsche Staatsbürgerschaft haben, sind aggressiv, wollen Straftaten vertuschen, weshalb der/die Beamte/in misstrauisch sein sollte und folglich quasi vorbeugend immer diesen/diese in Haft nehme sollte. Unterstrichen wird das Ganze übrigens noch mit dem unschuldig wirkenden weißen Beamten, der den POC im Sicherungsgriff hat, kurz: bei Schwarzen Menschen muss man immer mit Gewalt rechnen, weshalb quasipräventive Gewalt nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar notwendig ist.35 Dokumentiert ist das Ganze übrigens bei der TAZ36 vom 29.02.2012 und im Antifaschistischen Infoblatt (Druckausgabe Nummer 95 Seite 30 bis 31). Eine weitere traurige Karikatur aus dem Polizeikalender findet sich ebenfalls bei der TAZ37 . Und selbst wenn dies nur Einzelerscheinungen wären, kommt mensch auf der anderen Seite spätestens dort, wo sprachlich Grenzen zwischen Schwarzen und weißen Menschen gezogen werden, ins Grübeln. Oder was soll bitte schön „schwarzfahren“ sein? Klar ist bei dieser Floskel, dass Schwarze Menschen oder zumindest diejenigen, die von der weißen Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt werden (sollen) als unterschiedlich gezeigt werden sollen. Dort, wo Benennungsalternativen möglich wären und verhindert werden könnte, dass es zu Missverständnissen kommt, könnte mensch doch einfach mal sagen/schreiben: „fahren ohne Ticket“. Genauso wie bei dem Beispiel der „Verdunklungsgefahr“, ist bei „verschleiern“ wohl offensichtlich gemeint, dass Menschen mit muslimischer Religion (bezogen wird das auch auf die Männer!) etwas Fremdes, also automatisch Schlechtes oder doch zumindest Unbekanntes und demnach Abzulehnendes darstellen. Aber das seien hier mal nur ein paar Beispiele, Weiteres ließe sich seitenweise fortführend beschreiben.38
Keineswegs neutraler präsentiert sich im Gegensatz dazu die Staatliche Kunstsammlung Dresden auf der anderen Seite des Erzgebirges (gemeint ist hier die Bundesrepublik D), indem sie auf ihrer Homepage http://www.skd.museum/ voller Stolz auf das Ausstellungsstück „Mohr mit Smaragdstufe“ verweist. Im Begleittext zur Figur heißt es weiter:

„Der junge, kraftvolle Mann aus dunkelbraun lackiertem Birnholz […] ist kein Bewohner Afrikas, sondern ein Indianer. Zwar sind Gesichtszüge und Hautfarbe die eines Schwarzafrikaners39 [sic! A.d.V.], die ethnologisch exakt dargestellten Körpertätowierungen weisen ihn jedoch ebenso als einen Ureinwohner Floridas aus.“40

Die Figur trägt im Übrigen die Inventarnummer VIII 303, Mitarbeiter_innen nehmen sicherlich gerne unter oben angegebener Adresse Beschwerden entgegen. Wie man als Museumsmitarbeiter_in noch die Frechheit haben kann zu erwähnen, dass aus Quellen zu ersehen ist, dass die wahrscheinlich verschleppten realen Vorbilder der Figur „nach nur drei Jahren Unterricht gut sächsisch sprachen“41 bleibt vollends rätselhaft. Mittlerweile wird mensch mit der Ausstellung sogar in Leipzig anhand von Plakatwerbung belästigt (Mitte August 2012). An Litfaßsäulen liest mensch dort: „Spätbarock statt Hitzeschock / Ferne Welten ganz neu erleben“. Ziemlich verwirrt müssen die Besucher_innen aus der Ausstellung kommen, haben sie doch zuvor eine ins „Sächsische“ integrierte Person bestaunen dürfen. Also bitte schön, was denn jetzt nun? Ferne Welten oder Sachsen mit Smaragden in den Händen? Die Erwartung an ein kuliniarisches Erlebnis der Besucher_innen dürfte relativ stark enttäuscht werden. Kurzum: Solche Darstellungen und diffamierenden Beschreibungen von Schwarzen Menschen in unserer heutigen Gesellschaft zeigen sehr gut auf, wer hier mit wem nicht auf Augenhöhe zusammenleben möchte. Das über hundert Jahre nach der s.g. Niederschlagung des Aufstandes der Herrero und Nama und zehntausenden Todesopfern keine umfangreiche Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte in der Bundesrepublik D möglich ist bzw. stattfindet, zeigt, welchen Stellenwert das Thema in der BRD hat. Zwar taten sich in einer Bundestagsitzung am 22.3.2012 erstmals alle Oppositionsparteien zusammen um eine Entschuldigung für den Völkermord an den Herrero und Nama zu erzielen, der Antrag wurde jedoch abgelehnt.42 Es ist traurig und beschämend, dass nach wie vor unzählige Straßen und Plätze in der BRD Namen von blutrünstigen Kolonisatoren tragen. Warum diese beiden Beispiele hier so ausführlich beschrieben werden, hat überdies einen weitreichenden Grund. Sprache ist Macht. Wer Deutungshoheit über einen Begriff erlangt kann mitunter entscheidenden Einfluss auf die in der Gesellschaft bestehenden Diskurse nehmen. Wer sich in der Gesellschaft über das Selbstbenennungsrecht eines Anderen setzt und setzen kann, markiert sehr deutlich, wo Rassismus beginnt und Menschenwürde aufhört. So zeigen verschiedene Begriffe, die äußerst negativ besetzt sind, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft sicher sein kann, sie ohne Kritik verwenden zu können, da es scheinbar nur eine „Minderheit“ betrifft/stört, wenn sie weiter benutzt werden oder nicht. Dass Begriffe wie „N Wort“43 , „asozial/Assi“ 44 oder „Z Wort“45 diskriminierend sind und von denen als solche stigmatisierenden Personen/Gruppen selbst nicht verwendet werden, stört dabei keineswegs.46 Dass aber gerade Menschen aufgrund der vermeintlichen Eigenschaften, die semantisch mit diesen Begriffen verknüpft sind, in der Zeit des NS verfolgt und vernichtet wurden, wollen viele Menschen nicht wahrhaben. Was bedeuten denn Begriffe wie „zigeunerhaft“ oder „asozial“47 ? Es ist doch klar, dass sie im NS funktional für eine Ideologie waren, die darauf abzielte einen homogenen Volkskörper zu schaffen. Dass s.g „Artfremde“ (Schwarze), vermeintliche Kriminelle und Obdachlose („Z Wort“ und „Asoziale“) ab 1933 in „Deutschland“ nicht mehr mit den weißen Übermenschen mitspielen durften, hat keineswegs etwas mit den Eigenschaften oder persönlichen Wunschvorstellungen dieser Personengruppen zu tun, sondern vielmehr mit dem Wunsch nach s.g. „Rassereinheit“. Dies korrelierte oft nicht mit den teilweise individuellen Lebensentwürfen einzelner – in der faschistischen Wehrmacht gab es bis 1942 (und unter Zwang wiederholt bis 1945) Angehörige der Gruppe der Sinti und Roma, die für „ihr“ Vaterland kämpften.48
Folgendes Beispiel soll des weiteren zeigen, dass die „Objekte“ eines solchen Rassismus selbst gar nichts damit zu tun haben, wie Begriffe gefüllt und benutzt werden (können). Beim Anblick einer Broschüre mit dem Titel „Rassismus in Sachsen“ erwiderte einmal ein unreflektierter Zeitgenosse: „Rassismus in Sachsen? Gibt’s doch gar nicht, dort leben doch gar keine N[Wort].“ Dass die Nichtanwesenheit von Personen nichts mit der feindlichen Stimmung gegenüber diesen zu tun hat, führt beispielsweise Wolfgang Benz in seinem Buch „Was ist Antisemitismus“ bezugnehmend auf die Verbreitung des Antisemitismus in den 1920ern Jahren in Japan aus.49 Rassismus gibt es eben auch dort, wo die Opfer einer rassistischen Logik und Abwertung nicht anzutreffen sind. Der/die Rassist_in braucht das Subjekt der Abwertung nicht, sondern nur die Vorstellung seiner vermeintlichen Minderwertigkeit. Das funktioniert sogar meistens besser, als wenn mögliche Personen vor Ort sind, die widersprechen könnten. Einige Studien, die sicherlich doch zumindest in ihren theoretischen Ansätzen zu kritisieren sind, haben diesen Zusammenhang für die ostdeutschen Bundesländern in den 1990er Jahre versucht nachzuzeichnen, indem sie den Rassismus dort mit dem autoritären Weltbild der Protagonist_innen, welches angeblich zu DDR-Zeiten antrainiert worden sei, zu erklären versuchten.50 Dass bestimmte Straßenzüge/Stadtteile in Leipzig mit bestimmten Migrant_innengruppen assoziiert werden, die –  so mensch denn mal einen Blick in die s.g. Ausländerstatistik wirft – dort gar nicht so zahlreich vorkommen wie suggeriert, veranschaulicht des weiteren die Logik des Rassismus.

Aber was ist eigentlich Rassismus genau? Noah Sow äußerste sich dazu während einer Lesung ungefähr so: „Rassismus ist Diskriminierung plus Macht“51 Und wenn mensch sich mal die administrative Ebene der Bundesrepublik D anschaut, dann dürfte relativ schnell klar sein, wer die Macht hat in diesem Staat: weiße, heterosexuelle, nicht muslimische Männer mit höheren Bildungsabschlüssen (jedoch fernab ihrer Kompetenz). Wenn in Leipzig davon gesprochen wird, dass in der Eisenbahnstraße angeblich „nur“ Türken wohnen würden, dann trägt das zum Einen keinesfalls der Realität der Verteilung von Migrant_innen in der Stadt Rechnung und zum Anderen wird verkannt, dass in Leipzig ein bedeutend größerer Anteil Menschen lebt, die beispielsweise vorher in der heutigen Tschechischen Republik (früher ČSSR/ČSR) oder Polen gelebt haben. Fallen diese als s.g. „Ausländer_innen auf“? Nein! Und warum nicht? Weil sie aus dem Denken der weißen Mehrheit nicht herausstechen. Werden Menschen angegriffen, angepöbelt und ermordet, weil sie einen bestimmten Pass in der Tasche haben (oder meistens auch nicht) oder weil der/die Angreifer_in ein rassistisches Weltbild hat? Der Autor lehnt daher konsequent die Verwendung solcher augenwischerischen Begriffe wie „Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit“ ab, sie vertuschen mehr, als dass sie deutlich machen um was es geht: eine Ideologie der Abwertung, genannt Rassismus.
Als es im Herbst 2011 im Šluknover Zipfel (tsch. Šluknovský výběžek) in Nordböhmen zu Demonstrationen von Neonazist_innen und Bürger_innen kam, wurden Transparente mitgeführt, auf denen ein s.g. „schwarzer Rassismus“ thematisiert wurde. Dass dieser „schwarze Rassismus“ herbeihalluziniert ist und dazu dient, den eigenen Rassismus (gegen Roma) zu verdecken, wurde bereits in folgendem Text weitreichend ausgeführt: „Antiziganismus im Šluknover Zipfel – Situationsbericht Herbst 2011“ ZAG Nummer 59.52 Dass die Polemik der tschechischen Nazipartei DSSS (Arbeiterpartei für soziale Gerechtigkeit ) nicht nur deren Mitglieder erreicht, beweist die kostenlos (und ungewollt) in Briefkästen verteilte Zeitung der Partei „Nordtschechen“, die in ihrer Märzausgabe von 2012 auf Seite dreizehn gegen “Z Wort“ hetzt. Die Forderung nach Lösung der dortigen Lokalfrage wird als Nexus verstanden, indem behauptet wird, die “Z Wort“ bräuchten keine sozialen Geschenke (gemeint ist die Sozialhilfe), sondern sollten sich einen Arbeitsplatz suchen. Dass ihnen dieser permanent auch aufgrund der systematisch strukturell verweigerten Bildungskarrieren und -möglichkeiten verweigert wird, findet selbstverständlich keine Erwähnung. Warum auch, das Bild des hart arbeitenden weißen Tschechen muss erst gar nicht an die Wand gemalt werden, um den Gegensatz in Form der Roma als faule und „sozialschmarotzende“ Diebe beim Rezipienten zu evozieren. Dass mensch sich nicht einmal zu schade ist, auf dem daneben befindlichen Bild Anhänger_innen der DSSS und Jugendliche mit der aktuellen „Thor Steinar“53 Kleidung abzubilden, spricht indes Bände und demonstriert den parteiübergreifenden Rassismus der etablierten Politik und Mehrheitsgesellschaft in der Tschechischen Republik gegen Roma. Dass die Politikauffassung dieser neuen Populismuspartei sich einzig und allein in einer Politik der großen Männer erstrecken dürfte, beweist auch das Interview auf Seite vier mit dem Senator Jaroslav Doubrava, der gegen s.g. „Ökoterrorismus“ hetzt.54 Und dass sich dieser Schießbudenrassismus (wenn mensch das mal so salopp formulieren darf) sogar noch steigern lässt, belegt diese ausführlichere Dokumentation, welche aus einer Parteizeitung vom Herbst 2012 stammt. In der Wahlzeitung der Severočeši (Nordböhmen) vom Oktober 2012 wird Jaroslav Doubrava auf Seite fünf wie folgt zitiert:

„Der Z[…] ist auch ein Mensch, deshalb muss er sich bilden und arbeiten.[…] [und] dass zwischen den Leuten die Angst besteht über ein großes Problem zu sprechen. Das ist das Zusammenleben mit den Roma genauer gesagt mit ihrer unangepassten Mehrheit. Wir alle wissen zu gut, was uns in Nordböhmen stört. Die Mehrheit der Z[…]community ist analphabetisch. Vielleicht hat sich deshalb die Europäische Union angeschickt, den Zugang von Roma zur Bildung zu ermöglichen. Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass die gesamte gefeierte EU irgendwie keinen Plan hat? Ich kann nicht anders, als die Frage zu stellen: Wer hält die Roma denn vom Zugang zur Bildung ab? Und was noch schlimmer ist: Weiß die EU, wie viele Roma sich überhaupt nicht bilden wollen? Weiß die EU, dass die Z[…]kinder dem Lehrer schon in der fünften Klasse sagen, dass sie nicht lernen müssen, weil sie von Sozialhilfe leben werden?“

Auf Seite zwei konnte mensch zunächst zum Themenbereich Romafrage lesen:

„Geld sollten Menschen für geleistete Arbeit bekommen, welches für die Romaethnie nicht typisch ist. Lassen wir also die Roma, wenn sie nicht arbeiten wollen, auch mit ihren zahlreichen Familien in eine bessere Zukunft gehen“.55

Dass sich solche Zitate zu genüge finden lassen, wird der Autor in seinen kommenden Kommentaren zu „Rassismus – ein alltägliches Erlebnis. Überlegungen“ versuchen aufzuzeigen. Über Kritik und Hinweise wären der Autor und die Recherchegruppe Maulwurf sehr dankbar. Vielen Dank!

Teil I – März 2013

(Zuletzt geändert am 30.7.2013)


 (1) Ich benutze hier den Rassismusbegriff in Abgrenzung zu Wippermann, der auf der Fachtagung zum Thema „Antiziganismus“, die vom 29. bis 30. November 2012 in Heidelberg stattfand, betonte, dass es sich hier um keinen klassischen Rassismus handle, sondern um etwas Spezielles, vgl. unten.
 (2) Zur Begriffsdiskussion siehe auch die folgenden Fußnoten.
 (3) Wolfgang Wippermann, Wie die Zigeuner - Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich, Berlin, 1997.
 (4) Parallel zum Antisemitismus, dazu die Kritik von Wilhelm Solms: http://www.zag-berlin.de/antirassismus/archiv/pdf/zag43/23solms.pdf, Zugriff am 5.3.2013 11:12 Uhr.
 (5) Der Autor ist sich dieser Problematik durchaus bewusst, kennt aber bis zum jetzigen Zeitpunkt keine adäquate Alternative, da er der Ansicht ist, dass es auch um einen Begriff gehen sollte, der Menschen, die (sich) nicht zur Gruppe der Sinti und Roma zählen (möchten) einen Begriff offen hält, der allumfassend die Diskriminierungsform umschreibt. Desweiteren ist die Perspektive, mit der sich die/der Forscher_in diesem Untersuchungsfeld nähert zu beachten. Bei seinen Vorträgen zum Thema wurde stets durch den Autor versucht zu vermitteln das er Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft ist und das sich dadurch ein diskursives Ungleichgewicht beim Betrachten des Themas ergibt. Es ist daher zu beachten das durch die weitere Verwendung des Begriffs „Antiziganismus“ Menschen in ihrem Selbstverständnis verletzt werden und weißen Menschen dies oft nicht bewusst ist. Anders formuliert: Die Verwendung rassistischer Sprache ist Teil der Reproduktion der Logik von Ungleichheit. Dass dieser Fakt bisher zu wenig beachtet wurde, zeigt sich unter anderem hier: Filiz Demirova: “Wer spricht in der Antiziganismusforschung” in: Der Paria vom 26.3.2013 online hier: https://derparia.wordpress.com/2013/03/26/wer-spricht-in-der-antiziganismusforschung/, Zugriff am 10.4.2013 11:20 Uhr.
 (6) Vgl. Beitrag „Neger_in“ von Susanne Arndt, Seite 653 in: Arndt/Ofuatey-Alazard „Wie Rassismus aus Wörtern spricht – (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache – ein kritisches Nachschlagewerk“, Münster, 2011 und Noah Sow: Deutschland schwarz weiss - Der alltägliche Rassismus, München, 2009.
 (7) Vgl. hierzu den sehr lesenswerten Aufsatz „Antiziganismus benennen. Zur sprachlichen Diskriminierung durch das >Zigeuner<-Wort“ von Alexandra Bartels in: Bartels/von Borcke/End/Friedrich (Hg.): Antiziganistische Zustände 2, Münster, 2013; bereits am 21.Mai 2010 findet in einer Pressemitteilung von derbraunemob das "Z-Wort" in Anlehnung an "N-Wort" Verwendung, siehe hier: http://blog.derbraunemob.info/2010/05/21/n-und-z-wort-aus-allen-lindgren-neuauflagen-geloescht/, Zugriff am 27.5.2013, 13:36 Uhr.
 (8) Im übergeordneten Sinn, wenn mensch die 600 Jahre andauernde Verfolgung heranzieht.
 (9) Vgl. „Antiziganismus aus herrschaftskritischer Sicht“, Teidelbaum in: ZAG 59, Seite 34 und http://www.spiegel.de/panorama/justiz/sachsen-mutmassliche-neonazis-ueberfallen-zirkus-a-433820.html vom 27.08.2006, Zugriff am 5.3.2013 11:11 Uhr.
 (10) Weiß ist ein politischer Begriff, er soll weder biologisch noch kulturell verstanden werden, sondern in seiner Wirksamkeit das markieren, was ihm inne ist: Machtstatus, vgl. dazu den Artikel von Noah Sow Seite 190 in Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard: Wie Rassismus aus Wörtern spricht, Münster, 2011.
 (11) Vgl. Leo Lucassen, Die Verfolgung der „Zigeuner“ in den Niederlanden in europäischer Perspektive, in: Sinti und Roma im KL Auschwitz-Birkenau 1943 – 44, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Oświęcim, 1998.
 (12) Im Romanes als s.g. Nichtroma bezeichnete Personen.
 (13) Vgl. Benedict Anderson: Imagined Communities. Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, London, 1983 sowie weiterführend Eric Hobsbawm: Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780, Bonn, 2005.
 (14) Da der Autor sich weitgehend den Betrachtungen von Hobsbawm anschließt, findet die Verwendung der Begrifflichkeit „Deutschland“ genauso wenig Platz wie das seit einiger Zeit von neurechten Autor_innen benutzte Kürzel „BRD“.
 (15) Der Begriff schwarz wird hier als politischer und nicht als phänotypischer Begriff für Menschen verwendet, die aufgrund von rassistischen Zuschreibungen diskriminiert werden. Der Begriff ist eine Selbstbezeichnung, vgl. dazu Beiträge von Jasmin Dean und Noah Sow in Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard: Wie Rassismus aus Wörtern spricht, Münster, 2011.
 (16) Als POC versteht man „people of color“, der Begriff stammt aus der nordamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und soll all diejenigen subsumieren, die von weißen Menschen als fremd und minderwertig bezeichnet, kurz diskriminiert werden, vgl. ebd.
 (17) Vgl. die Buchrezension zu Änneke Winckel „Antiziganismus- Rassismus gegen Roma und Sinti im vereinigten Deutschland“, Münster 2002, welche hier abrufbar ist: http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,20,5.html, Zugriff am 5.4.2012 18:51 Uhr.
 (18) Vgl. Georgia A. Rakelmann: Die Zigeuner und Wir, in: Joachim S. Hohmann und Roland Schopf: Zigeunerleben, Darmstadt, 1979.
 (19) Vgl. Kommentar von „Dr.“ Hermann Arnold. nach Romani Rose, Bürgerrechte für Sinti und Roma, Heidelberg, 1987, Seite 168: „Wer ihnen Schuldbildung zuteil werden lassen wolle, zerstöre ihre angebliche arteigene Kultur des Analphabetentums.“
 (20) Rechtschreibung im Original, das Video befand sich bis Anfang März 2013 bei www.youtube.com, wurde jedoch gelöscht, der Titel war „Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho Aus einem Livekonzert“ von Roy Black, Zugriff am 5.3.2013 15:05 (nicht mehr möglich).
 (21) Solche widerwärtigen Geschichten bekam der Autor erzählt, nachdem der Abend schon etwas älter war - von einer Sozialarbeiter_in, die mit Migrat_innen zusammenarbeit , anno 2010 (sic!).
 (22) S.u.
 (23) Manchmal kann und sollte man sich solchem rassistischen Stumpfsinns einfach entziehen (können), indem mensch auffordert, bitte nicht weiterzusprechen - am Problem ändert das wahrlich nichts.
 (24) Bildliche Darstellungen von ethnisiert dargestellten POC in Spielzeuggeschäften oder an touristischen Ständen, welche der/die Autor_in ebenfalls sammelt, werden ggf. in einem zukünftig erscheinenden Teil dieses Text dokumentiert.
 (25) Dem/der Autor_in ist keine Statistik über die Wohnungseinrichtung von Roma in der Tschechischen Republik oder der Europäischen Union bekannt, Bsp. aus einem Alltagsgespräch März 2013.
 (26) Interessant ist dieses Bsp. desweiteren deshalb, weil viele Autor_innen bereits in der Vergangenheit darauf hinwiesen, dass die Wohnwagen aus alter Zeit heute durch Mercedes und Wohntrailer ersetzt worden seien und sich bei Hohmann/Schopf „Zigeunerleben“, Darmstadt, 1979 das Vorurteil, Roma würden „nur“ Opel fahren, wiederfindet. Vgl. auch Herman Arnold, „Die Zigeuner“, Olten, 1965 und die Autobiographie des Rom Mongo Stojka, der seine Autos nach dem Krieg mit Marken aufzählt und recht lustig illustriert, wie vielfältig er und seine Familie in den 1950ern mobilisiert waren: Mongo Stojka, Papierene Kinder- Glück, Zerstörung und Neubeginn einer Roma-Familie in Österreich, Wien, 2000.
 (27) Gleichwohl, dass es sich bei dieser Feststellung um eine Information vom „Hörensagen“ handelt, dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass es den Tatsachen entspricht.
 (28) Bsp., die von einem Universitätsangehörigen erzählt wurden.
 (29) Veranstaltung „… aber die Roma sind wirklich schwierig – Antiziganismus in Tschechien und Deutschland“ am 29.02.2012, organisiert von der Brücke Most Stiftung und dem Kulturbüro Sachsen.
 (30) Auf dem 1991er Album „Demise“ heißt das Lied dann „Bila Liga“.
 (31) http://www.hlasite.eu/text-pisne/orlik/26834-alibagil, Zugriff am 5.4.2012 15:43 Uhr.
 (32) Im Übrigen auch gerne mit Lucie Bila, welche in dem Anfang 2013 gestarteten Stück „Carmen“ die Hauptrolle spielt und sich kürzlich als Romnija outete - verrückte Welt.
 (33) Homepage: www.MotorJournal.cz.
 (34) Vgl. Wulf D. Hund, Rassismus, Bielefeld, 2007, S. 24.
 (35) Vgl. hier den Aufsatz von Rainer E. Tenfelde: Deutsche Zigeuner und das Recht, in: Hohmann/Schopf: Zigeunerleben, Darmstadt, 1979, hier werden von einem Anwalt, der Roma juristisch vertrat Fälle erläutert, die genau dieses wie in dem Polizeikalender dargestellte gewaltvolle Verhalten von Beamt_innen gegen Minderheiten (in diesem Fall Roma) aufzeigt. Und auch bei Romani Rose: Bürgerrechte für Sinti und Roma, Heidelberg, 1987 finden sich zahlreiche Beispiele für gewaltexzessives Verhalten von Beamt_innen in der Bundesrepublik D.
 (36) http://www.taz.de/Rassismusvorwurf-in-Bayern/!88719/ vom 29.2.2012, Zugriff am 5.3.2013, 12:39 Uhr.
 (37) http://www.taz.de/!88910/ vom 4.3.2012, Zugriff am 5.3.2013, 12:41 Uhr.
 (38) So z.B. im Polizeiruf 110 „Cassandras Warnung“ vom 22.2.2013, wo von einem Polizeibeamten anstatt der Floskel „Fingerabdrücke nehmen“ die Rede war von „kleine Negerlein machen“ (verfügbar gewesen bei http://www.daserste.de bis zum 1.3.2013), widerwärtiger könnte sich eine vermeintliche semantische Verbindung zwischen Schwarzen und erkennungsdienstlichen Vorgehen (Fingerabdrücke nehmen) nicht gestalten. Es drängt sich der Eindruck auf als wäre schwarz sein/Verbrecher eine untrennbare Wortgruppe. Was wollten die Autor_innnen damit bezwecken? Einen nach wie vor ungebrochenen kolonialen Rassismus der sich gegen POC richtet oder wollten sie vielmehr einen s.g. Schenkelklopfer produzieren, um beim/bei der weißen Rezipienten/Rezipientin auf Zustimmung zu stoßen? Es ist ernüchternd, dass sich hier scheinbar kein Widerstand regte genauso wie bei dem 2004 bei Universal Pictures erschienen Film „7 Zwerge- Männer allein im Wald“ (Regie Sven Unterwaldt) bei dem als „Witz“ eine Vertauschung der Wörter „Neger“ und Jäger mehrfach für Unterhaltung sorgen sollte. Otto Waalkes und Nina Hagen als Darsteller_innen des Films hätten hier die Möglichkeit gehabt rassismuskritisch intervenieren zu können. Ein Ausbleiben solcher Aktivitäten soll als weiterer Beleg für einen ungebrochen kolonialverherrlichenden Rassismus dienen.
 (39) Vgl. hierzu den Beitrag „Schwarzafrika“ von Noah Sow Seite 667, in: Wie Rassimus aus Wörtern spricht, Münster, 2011.
 (40) http://skd-online-collection.skd.museum/de/contents/show?id=117440#longDescription, Zugriff am 5.4.2013 16:57 Uhr.
 (41) http://skd-online-collection.skd.museum/de/contents/show?id=117440#longDescription, Zugriff am 5.4.2013 17:02 Uhr.
 (42) http://blog.derbraunemob.info/2012/03/27/bundesregierung-verweigert-entschuldigung-fur-volkermord/, Zugriff am 5.4.2012 17:34 Uhr. Den Aufruf von Africavenir, welcher als Grundlage des Oppositionsantrags diente findet sich hier: http://www.africavenir.org/de/projektkooperationen/voelkermord-in-namibia/ Zugriff am 5.4.2013 17:35 Uhr.
 (43) Ohne restriktiv argumentieren zu wollen, aber folgender Hinweise dürfte recht nützlich sein: http://www.derbraunemob.info/deutsch/content/archiv/content/Gerichtsurteil.pdf, Zugriff am 5.4. 17:23 Uhr.
 (44) S.g. „Asoziale“ wurden im Deutschen Reich zwischen 1933 bis 1945 als rassisch Minderwertige gedemütigt, verfolgt und schließlich vernichtet, ihnen wurde eine Neigung zu kriminellen Handlungen unterstellt welche vererbbar sei, oftmals fällt dem Autor in Gesprächen auf das vielen dieser Zusammenhang gar nicht bewusst ist genauso das bis dato für diese Art der Verfolgung in der BRD bisher keine Wiedergutmachung geschweige Anerkennung als Opfer der NS stattgefunden hat, in Österreich verhält sich das anders, dort kann man einen Antrag auf Entschädigung als Verfolgte/r des NS aufgrund einer unterstellen „Asozialität“ stellen.
 (45) Dazu unter anderem: http://ling.kfunigraz.ac.at/~rombase/cd/data/hist/current/data/self-inter-it-02.de.pdf Zugriff 5.4.2012 17:47 Uhr und der Aufsatz von Wilhelm Solms „Streitfrage Warum die Sinti und Roma keine Zigeuner sind“, in: Antiziganismuskritik Heft 2/2010: http://www.antiziganismus.de/resources/2010_2_Antiziganismuskritik.pdf Zugriff am 5.4.2012 17:49 Uhr.
 (46) Mensch sollte sich einmal die Frage stellen ob ihm/ihr ein Denkmal in der Bundesrepublik D bekannt ist mit dem an die Verfolgung der s.g. „Asozialen“ erinnert wird. Zumindest in Österreich gibt es im Gesetz zur Entschädigung der Opfer des NS eine Anerkennung der Verfolgung als s.g. Asoziale.
 (47) Die Bezeichnung ‚Assi’ leitet sich vom Wort ‚asozial’ ab: griechisch.  „ a- “ zu deutsch ‚un-’ bzw. ‚gegen-’ und lateinisch „socialis“  zu deutsch ‚gemeinschaftlich’ ab. Zwar ist das  Wort ‚asozial’ als Abweichung von der Norm der Gesellschaft zu verstehen, wird aber häufig synonym für  ‚gemeinschaftsschädigend’ verstanden. Aufgrund der Verfolgung und industriellen Massenvernichtung von  sogenannten ‚Asozialen’ in der Zeit des Nationalsozialismus ist der Begriff nicht wertfrei zu betrachten.  Auch in der DDR war der Begriff ‚asozial’ eine politische Bezeichnung und fand als Rechtsbegriff im §-249  StGB der DDR Anwendung. Aufgrund dieser Tatsache ist die damalige und heutige Verwendung dieser Be zeichnung in der Umgangssprache kritisch zu hinterfragen, da mit der Verwendung des Begriffs ein men schenverachtendes Weltbild einher geht, Fußnote 279 folgender Magisterarbeit http://www.ostmetal.de/ostmetal/script/magister.pdf, Zugriff am 5.3.2013 14:01 Uhr.
 (48) Vgl. dazu Romani Rosi (Hg.), „Den Rauch hatten wir täglich vor Augen“, Heidelberg, 1999, darin enthalten Schicksale von Roma welche in der Wehrmacht dienten.
 (49) Vgl. Wolfgang Benz, Was ist Antisemitismus, Bonn, 2004.
 (50) Wulf D. Hund, Rassismus, S. 27.
 (51) Veranstaltung am 16.10.2010 in Pirna, „Edutainment Attacke! Live“, organisiert vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V. in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Sachsen.
 (52) http://www.zag-berlin.de/antirassismus/archiv/59sluknov.html Zugriff am 5.4. 17:43 Uhr.
 (53) Eine lesens- und empfehlenswerte Seite über die Modemarke Thor Steinar befindet sich hier: http://investigatethorsteinar.blogsport.de/images/investigate_thor_steinar_2_web.pdf, Zugriff am 5.4.2012 18:32 Uhr.
 (54) Gemeint sind hier engagierte Bürger_inneninitiativen, die sich zunächst erfolgreich gegen den Umweltegoismus mancher Baufirmen beim Bau der Autobahn Dresden Prag auf einem Teilstück zur Wehr setzen konnten.
 (55) Eigene Übersetzung.
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